Nicht nur den Finger krumm machen

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Klaus Neumann mit seiner dreijährigen Branka im Garten seines Hauses in Abtsgmünd.

Klaus Neumann (63) aus Abtsgmünd ist Jagdausbilder bei der Jägervereinigung Aalen. Wie er dazu gekommen ist und was die Jagd für ihn bedeutet.

Abtsgmünd

Klaus Neumann wirkt entspannt. Der 63-Jährige sitzt mit dem Reporter am Vormittag auf der Terrasse seines Hauses in der Abtsgmünder Mozartstraße. Deutsch-Langhaar-Hündin Branka saust durch den Garten. Weil er zum Teil in Kurzarbeit ist, hat Neumann an einem Wochentag frei. Heute ist er nicht die 50 Kilometer nach Syrgenstein gefahren, in den Landkreis Dillingen, wo er arbeitet.

Die Fahrerei mache ihm nicht viel aus, bekennt er. Wichtiger ist dem Spezialisten für die Bearbeitung von Glasoberflächen, dass er sich in seiner Arbeit wohlfühlt. "Auf der Autobahn hänge ich mich hinter einen Laster, schalte den Tempomat ein und übe dann mit dem Mundstück meines Jagdhorns. So habe ich immer einen guten Ansatz", erklärt er.

Vom Jagdhorn ist's nicht weit bis zur Jagd. Und man kann sagen: Klaus Neumann ist ein passionierter Jäger. Ein Jäger aus Leidenschaft? "Hm", sagt er und zieht die Augenbrauen hoch. "Ich schieße nicht auf alles, was sich bewegt. Ich kann schon auch etwas laufen sehen." Dass er als Jäger "nicht nur den Finger krumm macht", das ist ihm ein Herzensanliegen. Und diese Philosophie gibt er weiter als Jagdausbilder und Lehrgangsleiter bei der Jägervereinigung Aalen, seit 25 Jahren. Angefangen hat er als Schießausbilder, weil einer aufhörte. Später ist er gewechselt und lehrt Wildtierkunde. Dazu gehört auch, ein erlegtes Stück Wild auszuweiden, also zu zerlegen.

Den Leuten, die die Jagdlizenz erwerben wollen, legt er nahe, möglichst viel wissen zu wollen über die Tiere und Pflanzen des Waldes. Und bei einem achtmonatigen Kurs kann er das vermitteln. "Anders als in den privaten Jagdschulen, die einen innerhalb von vier Wochen auf die Prüfung vorbereiten." Von Crash-Kursen dieser Art hält er nicht allzu viel.

Ist ihm das Jagen eigentlich in die Wiege gelegt worden? "Die ganze Familie mütterlicherseits ist auf die Jagd gegangen", erzählt er. "Zuerst hatte ich nicht viel Interesse, aber vor 30 Jahren habe ich dann doch den Lehrgang gemacht. Dass es dann aber so ausartet, hätte ich damals nicht gedacht", scherzt Neumann. Sein Sohn habe (noch) nicht Feuer gefangen, aber seine Frau Monika hilft ihm dabei, geschossenes Wild zu zerlegen.

Ich schieße nicht auf alles, was sich bewegt.

Klaus Neumann, Jäger

Was ist es, das ihn packt, das ihn an der Jagd begeistert? Neumann muss nicht lange überlegen. "Es ist eine Passion, es ist die Liebe zur Natur und es ist ein Ausgleich zum Berufsleben." Nebenbei, betont er, sorge ein Jäger aber auch dafür, dass gesundes Fleisch auf den Tisch kommt. "Wenn in den Nachrichten etwas über Tiertransporte kommt, kann ich da kaum hinsehen", meint er.

Klaus Neumann hat ein Jagdrevier gepachtet am Orrotsee und achtet dort darauf, "nachhaltig" zu jagen. Er hält den Bestand an Wildtieren konstant. "Nur so viel, wie nachkommt, wird auch erlegt", meint er. Allerdings nimmt die Population der Graugänse trotzdem zu. Sie halten einfach zu viel Abstand vom Schrotlauf seiner Flinte. Und mit kleinen Kugeln zu schießen, die mehr Reichweite haben, sei am Orrotsee schwierig. Vielleicht ganz früh am Morgen, wenn er sicher sein kann, dass noch keine Spaziergänger unterwegs sind.

Die Jagd muss sauber sein

Familie, Erwerbsarbeit, Jagd, Jagdhorn und Jagdausbilder – bleibt da eigentlich noch Zeit für andere Interessen? Da geht nicht mehr viel. Klaus Neumann ist im Ehrenamt noch Kassier beim MSC Abtsgmünd. Doch eins fehlt aber noch: Er kümmert sich um seinen Hund. Was natürlich auch wieder mit der Jagd zu tun hat. "Ich würde nie ohne Hund zum Jagen gehen", sagt er. Warum? – "Wenn nach dem Schuss das Tier nicht liegt, findet es mit Sicherheit der Hund." Neumanns Hund hat auch schon beim normalen Spaziergang ein angeschossenes Reh entdeckt, das ansonsten kläglich verendet wäre, erzählt er. Das ist ihm ein Gräuel. "Wenn ich einem Tier schon das Leben nehme, soll es wenigstens nicht leiden." Die Jagd müsse sauber sein, Negativschlagzeilen gebe es ohnehin schon genug, sagt Klaus Neumann, und verliert bei diesem Thema ein bisschen was von seiner Ruhe.

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