Scheu und selten: das fast weiße Reh

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Dieser Schnappschuss von einem der weißen Rehe ist Joachim Eßwein gelungen.
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Wo ein Naturliebhaber mit dem Fernglas eine außergewöhnliche Erscheinung entdeckt hat und warum diese Laune der Natur in früheren Zeiten wenig Überlebenschance gehabt hätte.

Obergröningen. Beim ersten Mal traute Joachim Eßwein seinen Augen nicht: Schneeweiß, nur mit einem braunen Klecks auf der Brust, war das Reh gezeichnet, das Anfang Juni auf der Wiese am Waldrand friedlich graste. Mit dem Fernglas konnte der Naturliebhaber die außergewöhnliche Erscheinung beobachten - und auch sehen, dass das scheue Tier in Windeseile verschwunden war, wenn sich Menschen oder andere Tiere näherten. Nur einmal hat Joachim Eßwein das Tier in Gesellschaft gesehen. Mit einem braunen Artgenossen habe es auf der Wiese herumgetollt. 

Geduldig hat sich der Obergröninger in den Folgetagen auf die Gewohnheiten des weißen Rehs eingelassen und eines morgens rechtzeitig und in gebührendem Abstand die Kamera aufgestellt. Joachim Eßwein hatte Glück. Er bekam die seltene Erscheinung vor die Linse und kann seitdem beweisen, dass seine Beobachtung mit Jägerlatein nichts zu tun hat.

Apropos Jäger. Dass weiße Rehe ausgesprochen selten sind, haben befreundete Waidmänner Joachim Eßwein sofort bestätigt. Anhand des Bildes werde auch vermutet, dass es sich um ein weibliches Tier handle, erzählt der Obergröninger.

„Weiße Rehe sind schon etwas Besonderes“, bestätigt Jens-Olaf Weiher, der beim Landratsamt Ostalb die Forstaußenstelle Schwäbisch Gmünd leitet, auf eine Anfrage. Und er erklärt auch, warum: Biologisch gesehen seien die Tiere durch ihre Fellfarbe ganz klar im Nachteil. Zu den Zeiten, in denen es Wölfe und Luchse gab, hätten solche auffälligen Tiere nicht lange überlebt. Unter den Jägern allerdings gebe es zumindest die unausgesprochene Übereinkunft, dass weiße Rehe von niemandem als Trophäe geschossen werden. Persönlich hat Jan Olaf Weiher noch kein weißes Reh gesehen.

Carl Heinz Starz dagegen schon. Und zwar öfter. Denn er ist der Jagdpächter im Bereich Obergröningen und kennt das Wild dort natürlich ganz genau. Ganz weiß seien die Rehe im Übrigen nicht, korrigiert er. Sondern gescheckt. Und es handle sich auch nicht um Albinos. Von mindestens zweien weiß er in diesem Jahr, die womöglich auch Kitze haben. Die seien allerdings noch nicht gesichtet worden. 

Sagen und Legenden

Das weiße Reh spielte schon in der keltischen Mythologie eine Rolle, es soll die Schutzpatronin Rhyanna verkörpert haben. Auch bei Harry Potter verfügt ein weißer Hirsch über magische Kräfte. Und eine alte Jägerlegende warnt: Wer ein weißes Reh schießt, dessen Leben ist verloren – oder jemand aus der Familie des Waldhüters stirbt.

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