Patronenhülsen liefern das Material

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Kreuz aus patronenhülsen
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Einst am Ort des Geschehens, inzwischen im Garten am östlichen Ortsrand von Bronnen - ein besonderes Kreuz mit einer besonderen Geschichte.

Rodamsdörfle/Neuler

Es sind diese nie endenden Rätsel, die Peter Kuhne immer wieder faszinieren. Unermüdlich gräbt der ehemalige Lamm-Wirt spannende Geschichten aus der Vergangenheit aus. Hat so schon ein ganzes Buch über sein Rodamsdörfle geschrieben und dabei das Schicksal sämtlicher Familien, die im kleinen Dörflein wohnten recherchiert. „Ich wollte alles ganz genau wissen. Schließlich ist Rodamsdörfle meine Heimat geworden“, betont der rührige Forscher, der 1958 aus Delitzsch fliehen musste und auf der Ostalb sesshaft wurde.

Hier kennt und schätzt man ihn - auch als Hobbyhistoriker. Weshalb Peter Kuhne viele Geschichten erfährt, die so noch niemand aufgeschrieben hat. Eben auch diese von einem Kreuz, das seit 1947 dort stand, wo die Landesstraße zwischen Bronnen und Neuler auf die Kreisstraße zwischen Ramsenstrut und Neuler-Ebnat trifft. Dieses Kreuz, erzählt der Heimatforscher, habe umziehen müssen, als der Straßenbereich vor wenigen Jahren saniert wurde. Und es steht jetzt im Garten der Familie Schurr am nordöstlichen Ortsende von Bronnen.

Denn, ergänzt dann Christa Schurr, durch die Sanierung habe sich die Straße verbreitert, und das Kreuz hätte eine Gefahr werden können, falls ein Autofahrer die Kurve mal nicht kriegt.

Und was hat es nun für eine Bewandtnis mit diesem Kreuz? Es erinnert an den deutschen Soldaten Herbert Faustmann. Der ist zu Kriegsende just an dieser Straßenkreuzung erschossen worden - vermutlich aus Versehen. „Keiner weiß es heute so ganz genau“, sagt Christa Schurr. Aber man gehe davon aus, dass der Schuss aus dem Bereich der etwa einen Kilometer Luftlinie entfernten damaligen Ziegelei von Neuler gekommen sei. Das Geschehen hat im nahen Umfeld für Erschütterung gesorgt.

Christa Schurrs Vater, der damals hochgeschätzte Dorflehrer Josef Hieber, hat sich für das Gedenken an diesen Soldaten eingesetzt und ein Holzkreuz in Auftrag gegeben mit einem Christuscorpus, für den der bedeutende Ellwanger Künstler Hans Retzbach die Vorlage lieferte. Gegossen werden sollte das besondere Stück bei der Württembergischen Metallwarenfabrik, WMF, in Geislingen.

Fleißige Schüler im Einsatz

Doch, das belegen Schriftstücke aus dem Nachlass von Josef Hieber, es herrschte Materialknappheit. Fünf Kilogramm gutes Messing seien zu wenig, schreibt der Sachbearbeiter Otto Pongratz an den Dorflehrer. Der allerdings wusste Abhilfe. Seine Schüler - immerhin rund 30 an der Zahl aus acht verschiedenen Klassenstufen - haben überall im Umfeld fleißig Patronenhülsen gesammelt. „Die lagen damals überall an den Straßenrändern“, erinnert sich Peter Kuhne. Und so konnte schließlich der Corpus gegossen und das Kreuz im April 1948 geweiht werden.

Zweimal hat die Familie Schurr seitdem das verwitterte Holz restauriert - 1975 und 2003. Auch jetzt stehe wieder ein schützender Anstrich für den Eichenstamm an, erzählt Karl Schurr, damit auch die mahnenden Zeilen des Dorflehrers Josef Hieber weiter lesbar bleiben: „Oh Wanderer bleib stehen still! Den Toten wünsch die Ruhe allen. Denk auch der vielen, die gefallen und uns gescheh, wie Gott es will.“

Kreuz aus patronenhülsen
Kreuz aus patronenhülsen
kreuz schurr corpus künstler hans retzbach
kreuz schurr aus patronenhülsen

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