Pfersbacher Kapelle unter der Lupe

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Der Pfersbacher Kapelle aus dem Jahr 1893 steht eine Renovierung ins Haus. Momentan werden in einer Voruntersuchung das Gebälk und beispielsweise der Glockenturm begutachtet, um die Kosten kalkulieren zu können.
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Bauspezialisten aus diversen Bereichen prüfen derzeit das Bauwerk am Ortseingang aus Richtung Mutlangen genau. Es geht um den Umfang einer wohl unausweichlichen Renovierung.

Mutlangen-Pfersbach

Seit 1893 grüßt die Kapelle „Heilige Familie“ am Pfersbacher Ortseingang als markantes Gebäude. Zurzeit allerdings mit einem Gerüst auf der Südseite und einer kleinen Dachöffnung. Grund hierfür sind die Voruntersuchungen, die momentan mit Blick auf eine künftige Renovierung gemacht werden müssen. „Nur so bekommen wir die Grundlage für eine belastbare Kostenkalkulation“, erklärt Pfarrer Markus Schönfeld. Diese wiederum ist die Basis für einen Zuschussantrag, der an die Diözese gestellt wird. Schließlich können die Renovierungskosten nicht von der katholischen Kirchengemeinde allein getragen werden.

Seit geraumer Zeit sind Spezialisten eben für diese Voruntersuchung am Werk, nehmen die Kapelle unter die Lupe. Bereits untersucht sind beispielsweise die Natursteine, die von der Materialprüfanstalt der Universität Stuttgart unter die Lupe genommen wurden. Restauratorin Martina Fischer erfasst die Schäden und erstellt eine Schadenskartierung und schlägt entsprechende Maßnahmen vor, wie Architekt Dieter Engelhardt aus Waldstetten beschreibt.

Abgeschlossen sind auch die Gutachten zum Artenschutz. Hierbei ging es darum, ob sich Fledermäuse oder Vögel im Turm aufhalten, womöglich dort nisten. „Mittlerweile liegt es schriftlich vor, dass dem nicht so ist“, informiert Engelhardt. Was sehr gut sei, schließlich muss somit bei einer entsprechenden Renovierung nicht Rücksicht auf die Brutzeit oder ähnliche Gepflogenheiten der Tiere genommen werden. „Da gibt es also kein Hindernis.“

Darüber hinaus wird die Statik durch ein Fachbüro aus Kempten im Allgäu geprüft. Dabei wird das Dachtragwerk sowohl des Langhauses als auch des Chors unter die Lupe genommen. Zudem nimmt man Bohrwiderstandsmessungen am Dachgebälk, auf dem Dach und der Empore vor. Hinzu kommt eine Schwingungsmessung am Dachreiter. „Der Turm ist sehr filigran“, macht der Architekt deutlich, dass dieser durch die Schwingungen der Glocken beeinträchtigt ist.

  Ein Sachverständiger aus der Diözese widmet sich der Untersuchung der Glocken selbst, aber auch den Aufmessungen der Glockenjoche. „Es geht unterm Strich darum, wie sich das Schwingen der Glocken beim Läuten auf den Turm auswirken. Natursteine haben sich bereits gelockert“, informiert Engelhardt weiter. Und es geht dabei eben auch um das Gewicht der Glocken. Diese stammen nicht aus dem Baujahr der Kirche. Die Originale mussten 1942 an die Wehrmacht ausgeliefert werden. Nach dem Krieg wurden neue Glocken beschafft.

Wenn alle Voruntersuchungen abgeschlossen und aufgelistet sind, kann eine Kostenprognose erstellt werden. Bereits die Voruntersuchungen laufen im Schulterschluss mit der Denkmalschutzbehörde und wurden dort gemeldet, sagt der Architekt. Erst wenn die eigentliche Renovierung ansteht, wird eine denkmalschutzrechtliche Genehmigung beantragt, kündigt Engelhardt an.

Gespannt wartet Pfarrer Markus Schönfeld auf das finale Ergebnis aller Voruntersuchungen. Dabei weiß er jetzt bereits, dass zumindest in einem Balken „der Holzbock drin ist“. Wenn die Bestandsaufnahme erledigt ist, werde man mit dem Kirchengemeinderat zusammen eine Art Prioritätenliste erstellen. Um dann letztlich einen Zuschussantrag für die Kosten der Renovierung an die Diözese zu stellen. „Mit offenem Ergebnis“, beschreibt Pfarrer Schönfeld.

Zur Geschichte: Am 4. April 1893 wurde der Bau der Kapelle durch den Rottenburger Bischof genehmigt. Die Kosten für die Kapelle brachte damals die Bürgerschaft selbst auf.

In einem Balken ist der Holzbock drin.“

Markus Schönfeld,, Pfarrer

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