Pflegefachkraft: Tocher und Vater machen zeitgleich die Ausbildung

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Angela Hannak und Martin Hannak vor der Pflegeschule am Stauferklinikum Schwäbisch Gmünd in Mutlangen.

Warum Angela Hannak und ihr Vater Martin Hannak zeitgleich eine Ausbildung als Pflegefachkräfte an den Kliniken Ostalb absolvieren und was die beiden dabei erleben.

Mutlangen

Die eine ist 25 Jahre und Pflegeschülerin im zweiten Ausbildungsjahr. Der andere ist 58 Jahre und Pflegeschüler im ersten Ausbildungsjahr. Das Besondere: Angela Hannak und Martin Hannaks sind Tochter und Vater. Beide sind derzeit Schüler an der Mutlanger Pflegeschule des Stauferklinikums.

Dabei war Pflege nicht das primäre Berufsziel der beiden. Angela hatte nach dem Abitur Lehramt studiert und war auf dem Weg, Haupt- und Realschullehrerin zu werden. "Ich habe aber gemerkt, dass das doch nicht so mein Ding ist", erzählt sie und dass sie sich an das Praktikum erinnert hat, das sie als Schülerin auf Station 9 im Stauferklinikum gemacht hatte. Das ließ den Entschluss reifen, die Ausbildung in der Pflege zu beginnen.

"Bei mir war es anders", erzählt Martin Hannak. Er war 30 Jahre lang in der Lebensmittelindustrie tätig, zuletzt als Leiter des Qualitätsmanagements. Obwohl im das Spaß gemacht habe, wuchs die Frage nach der Sinnhaftigkeit. Hinzu kam die gute Erinnerung an seine Zivildienstzeit im Altenheim. Vor allem das Gefühl, im Beruf gebraucht zu werden, ließ ihn nicht mehr los. Als Angela dann immer wieder begeistert von ihrer Pflegeausbildung erzählt, trifft der studierte Lebensmittelingenieur die Entscheidung: Er bewirbt sich für die Ausbildung an den Kliniken Ostalb.

"Das war keine Hauruck-Entscheidung, sondern ein Abwägungs-Prozess. Dass meine Kinder alt genug sind und auf eigenen Füßen stehen, machte es leichter. Ausschlaggebend war auch die Frau an meiner Seite, die vom ersten Moment an bereit war, diesen Weg mit zu tragen", erzählt Martin Hannak. Die Rückmeldungen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis seien sehr positiv gewesen, berichtet der vierfache Familienvater. Auch von den ehemaligen Kollegen sei Zuspruch gekommen und die Familie habe dies immer unterstützt. "Es hat einfach funktioniert und heute bereue ich es keinen Tag".

Wichtig war mir das Gefühl, gebraucht zu werden.

Martin Hannak, Pflegeschüler

Zunächst hatte Martin Hannak Bedenken, in der Schule als Außenseiter da zu stehen. Aber das war gar nicht der Fall", erzählt er. Die Klasse habe den ältern Mitschüler hervorragend aufgenommen und integriert.

Tochter Angela ist schon im zweiten Ausbildungsjahr. Sie war schon in vielen Bereichen eingesetzt, unter anderem in der Onkologie, der Diabetologie, der Gynäkologie oder der Unfallchirurgie. Auch Einsätze in der Psychiatrie im Haus der Gesundheit in Schwäbisch Gmünd sowie bei der Sozialstation Schwäbischer Wald gehören zur praktischen Ausbildung. Dazu kommt die Theorie im Blockunterricht, die an der Mutlanger Pflegeschule rund 2100 Stunden umfasst. Schwerpunkte sind neben der Pflege Themen wie Berufsethik, Anatomie und Krankheitslehre, aber auch Geistes- und Sozialwissenschaften, Recht, Politik und Wirtschaft.

"Tatsächlich ist jeder Einsatzort wie eine andere Welt", findet Martin Hannak. Es gebe einen großen Pool an Möglichkeiten und es sei spannend, was man selbst einbringen und erleben könne. "Manchmal ist das besser als Kino", lacht der 58-Jährige.

Angela wohnt während der Ausbildung im Wohnheim direkt gegenüber der Pflegeschule, Vater Martin wohnt weiterhin zu Hause. In welchem Bereich sie später arbeiten möchten, darauf haben sich beide noch nicht festgelegt. Im Ausbildungsalltag sehen sich Vater und Tochter tatsächlich sehr selten. "Durch die unterschiedlichen Einsatzorte, Früh- Spät- und Nachtdienst und den Wechsel von Theorie und Praxis ist eigentlich jeder in seiner eigenen Welt", erzählt Angela. "Und das ist auch gut so", finden beide vergnügt.

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