Der Verzicht aufs Auto ist unmöglich

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Ruppertshofen aus der Luft - am oberen rechten Bildrand ist Tonolzbronn zu erkennen, "darunter" das Gewerbegebiet. In der oberen Bildmitte die Bauabschnitte des Gebiets Erlenäcker.
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Wie die Bürgerinnen und Bürger ihre Gemeinde bewerten und welche Anregungen sie zur Verbesserung ihrer Lebenssituation auf den Fragebögen vermerkt haben.

Ruppertshofen

Alle Baugebiete, die die Gemeinde in der jüngsten Zeit ausgewiesen hat, waren ratzfatz ausverkauft. Ganz offensichtlich sind die Angebote, die in diesem Bereich gemacht werden, verlockend. Der Immobilienmarkt wird von den Teilnehmenden am Ostalb-Check in Ruppertshofen deshalb folgerichtig mit einer überdurchschnittlichen Note bewertet. Noch besser weg kommen bei der Bewertung nur die Sauberkeit in der Gemeinde und die vergleichsweise geringe Verkehrsbelastung.

Verkehr ist andererseits eines der drei am schlechtesten bewerteten Themen. Dass es keinen brauchbaren Nahverkehr gibt, ist ein großes Ärgernis: „Öffentlicher Nahverkehr in kleineren Teilgemeinden kaum vorhanden“, heißt es in einer der Stellungnahmen. Ein anderer Hinweisgeber stellt fest: „Leider ist das Angebot und die Taktung der öffentlichen Verkehrsmittel nicht besonders gut.“

Denn - und das sind schwerer wiegende Kritikpunkte - „Wir sind für fast alles, was wir erledigen müssen, auf das Auto angewiesen. Sei es der Weg zur Arbeit, zum Arzt, Apotheke, Physiotherapie, Bäckerei, Metzgerei“, was die Teilnehmenden auch deshalb bemängeln, weil durch die steigenden Benzinpreise jetzt noch höhere Kosten auf sie zukommen. Ganz abgesehen von der Zeit, die es in Anspruch nehme. „Schauen, dass ein Bäcker oder Metzger in die Gemeinde kommt. Eine Hausarztpraxis wäre auch nicht schlecht, da sehr viele ältere Bürger in der Gemeinde sind“, lautet deshalb eine Anregung.

Noch deutlicher eine weitere Stellungnahme: „Landleben kann sich nur leisten, wer mobil ist und selbst fahren kann. Der Verzicht auf einen Pkw ist unmöglich, was sehr schade ist. Der Landbereich ist immer noch völlig abgehängt und vernachlässigt, und bei den derzeitigen Energiepreisen für Benzin immer weniger attraktiv, da keinerlei versprochene Alternativen zur Verfügung stehen.“

Die Waage halten sich Kritik und Lob beim Thema Kinderbetreuung. „Immerhin haben wir ein gutes Angebot für die Kinderbetreuung“, heißt es da in einem Statement. In einem anderen dagegen: „In Ruppertshofen wurde ein neuer Kindergarten gebaut mit viel zu wenig Plätzen.“ Einig sind sich die kritischen Stimmen, dass es insgesamt „mehr Angebote für Kinder und deutlich bessere Spielplätze“ geben sollte und auch „mehr Angebote für Kinder und Jugendliche.“

Schließlich geben die Ruppertshofener Teilnehmenden etliche Einzelanregungen, die vom Unmut über die Coronavorschriften über „einen Zebrastreifen am Rathaus“ bis zum dringenden Wunsch reichen, der Landkreis müsse aktiv gegen wilde Müllablagerungen vorgehen und dafür hohe Bußgelder verhängen. Es gibt den Wunsch nach einer Kneipe und einer Arztpraxis im Ort oder der dauerhaften Sperrung der Straße Wolfertshofen oder den Wunsch nach einem schwäbischen Kulturverein, der den Kindern die schwäbische Sprache und Literatur nahebringen solle. Oder auch die Anregung, eine höhere Lebensqualität für Senioren zu erreichen und „Dorfkinder“ zu unterstützen, die in ihrer Heimat bleiben möchten.

Dazu spannende Überlegungen grundsätzlicher Natur. Einer der Teilnehmenden schlägt vor, „landwirtschaftliche Infrastruktur auf Dörfern zu erhalten und reaktivieren, zur Sicherung unserer Nahrungsmittelversorgung. Ohne Maß und Ziel fruchtbaren Boden zuzubauen, halte ich für politisches Totalversagen auf allen Ebenen.“ Was im Grunde durch eine weitere Anregung nach „viel mehr Einsatz für Umwelt und Naturschutz“ untermauert wird.

Alle Ergebnisse finden Sie auf www.tagespost.de/ostalbcheck

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Man sollte den Kindern die schwäbische Kultur nahebringen.“

Anregung eines Teilnehmenden

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