Über 90 Jahre aktiv in Ruppertshofen

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Willy Weigle mit einem Pritschenwagen, mit dem auch er einst noch Möbel ausgeliefert hat.
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Als kleiner Bub, als Schreinergeselle und -meister, als Unternehmer, als Gemeinderat, als Stellvertretender Bürgermeister, als Vereinsfunktionär - Willy Weigle kann viel erzählen.

Ruppertshofen

Wer kann das von sich sagen - fast ein Jahrhundert in einem Dorf zu leben, dessen Entwicklung zur Gemeinde maßgeblich mit zu gestalten, sich als Handwerker und Meister großes Ansehen zu erarbeiten? Willy Weigle lebt dieses Leben.

1931 wurde er in Ruppertshofen geboren. Zur Schule gegangen ist er hier in einer entbehrungsreichen Zeit. Acht Jahre war er alt, als die Nationalsozialisten den Zweiten Weltkrieg anzettelten. Alt genug, um die Zeitung auszutragen. Alt genug, um vieles mitzukriegen - zum Beispiel auch, dass auf Ruppertshofener Markung, beim Teilort Steinenbach in Richtung Seifertshofen, ein Flugplatz angelegt werden sollte. Start- und Landebahn für die damals neueste Waffe, den Düsenjäger Messerschmitt ME 262. Rund 600 Kriegsgefangene waren dafür eingesetzt, für die im Gewann Sturzwiesen bei Steinenbach Baracken gebaut worden waren, die von Soldaten bewacht wurden. Erlebt hat Willy Weigle die spannenden Tage, als die Amerikaner anrückten und die Techniker und Arbeiter die Baustelle fluchtartig verließen - Material und Baumaschinen zurückließen.

Es folgen die Nachkriegsjahre, die sich heute kaum einer mehr vorstellen kann. Willy Weigle besuchte die Handelsschule in Schwäbisch Gmünd - was bedeutete, dass er täglich, bei Regen, Schnee oder Hitze die fast 20 Kilometer mit steilen Anstiegen aus dem Lein- und dem Remstal mit dem Fahrrad absolvierte. Nach der Mittleren Reife lernte er von 1948 bis 1950 in einer Stuttgarter Schreinerei. Den Gesellenbrief in der Tasche wollte er in der Schweiz arbeiten.

Das Leben wollte es anders. Vater Karl Weigle, der 1930 seine Möbel- und Bauschreinerei gegründet hatte, verletzte sich an einer Maschine. Willy Weigle kehrte nach Ruppertshofen zurück, um den Betrieb weiter zu führen.

Zurück im Heimatort übernahm er nicht nur Verantwortung für das eigene Unternehmen, das - in gutem Miteinander mit seiner Frau Brunhilde geführt - wuchs und gedieh, bis er es 1998 seinem Sohn Martin übergeben konnte. Den hat Willy Weigle selbstverständlich weiterhin nach Kräften unterstützt. Bis heute sagt er: „Holz und Möbel sind mein Leben“, ein diamantener Meisterbrief, 65 produktive Berufsjahre, aber auch seine Drechselarbeiten - ob Teller, Schalen oder Kerzenständer - belegen sein großes Können und seine Leidenschaft bis heute.

Als erfolgreicher Handwerksmeister übernahm Willy Weigle selbstverständlich auch Verantwortung in der Gemeinde. 21 Jahre lang war er Gemeinderat, lange Jahre davon der Stellvertreter des Bürgermeisters. Vom Bau der Kläranlage bis zu Neubaugebieten und Gewerbeansiedlungen hat er vieles begleitet. Entscheidend hat er sich für den Erhalt der örtlichen Grundschule eingesetzt und auch für die Selbstständigkeit Ruppertshofens, dem eine Zusammenlegung mit Spraitbach „drohte“.

Sportbegeistert war Willy Weigle zudem. Hat 1949 den TSV mitgegründet, zwölf Jahre lang aktiv Fußball gespielt, war lange Kassier, ist Ehrenmitglied und war stets großzügiger Mäzen - zum Beispiel beim Vereinsheimbau. Dessen Vorgängerbau, das heutige Jugendgerätehaus, war einst an zwei Samstagen in der Werkstatt von Willy Weigle zusammengesetzt worden.

90 Jahre leben und wirken in einer Gemeinde - Willy Weigle kann unendlich erzählen ...

Holz und Möbel sind mein Leben.“

Willy Weigle,, Schreinermeister

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