Sanierung wäre finanzielles Desaster

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Das leerstehende, einstige Rathaus in Obergröningen stammt aus dem Jahr 1829. Die Gemeinderäte wollen den Abriss, der Denkmalschutz will bislang den Erhalt.
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Die Zukunft des alten Rathaus in Obergröningen steht in den Sternen. Gemeinderat will den Abbruch.

Obergröningen. Im Jahr 2003 wurde im Obergröninger Rathaus unter der Amtsleitung des damaligen Bürgermeisters Reinhold Daiss, der Schlüssel ein letztes Mal offiziell im Schloss umgedreht und abgezogen. Dem Gemäuer wurde der Rücken gekehrt, Akten und Daten umgezogen ins Eschacher Rathaus. Grund für den damaligen Auszug war, dass Teile des Gebäudes vom Statiker als einsturzgefährdet bezeichnet wurden. So, beschreibt es der heutige Bürgermeister Jochen König, sei es ihm beschrieben worden. Seit 2003 werden wöchentliche Bürgersprechstunden im Feuerwehrgebäude in Obergröningen abgehalten. Die eigentliche Verwaltung der kleinsten Gemeinde im Ostalbkreis fand im Eschacher Rathaus Unterschlupf. Wobei sowohl damals Bürgermeister Daiss als auch heute Jochen König jeweils die ehrenamtlichen Bürgermeister von Obergröningen waren und sind.

Seit dieser Zeit steht das Gebäude in Obergröningen leer. Für eine umfangreiche Sanierung des denkmalgeschützten, 1829 erbauten Gebäudes, fehlt der kleinen Gemeinde das Geld. Das Rathaus fungierte zumindest in den früheren Jahren zugleich als Schulhaus. Und im Obergeschoss wohnte der jeweilige Lehrer.

Heute steht das Gebäude ungenutzt, präsentiert sich teilweise mit kaputten Fenstern. Es gibt Wasserschäden und laut Bürgermeister König wachsen mancherorts Pflanzen hinein ins Mauerwerk. 2021 waren sich die Obergröninger Gemeinderäte einig, beschlossen den Abriss. Allerdings steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Müsste also aus dieser Liste offiziell herausgenommen werden. „Das Krüppelwalmdach und der Türsturz mit der integrierten Jahreszahl sind ebenso denkmalgeschützt wie der Gewölbekeller“, zählt König auf. Die untere Denkmalpflege im Ostalbkreis selbst hat nun jedoch das Gebäude als „in gutem Zustand“ bezeichnet. Und macht in einem Schreiben vom 17. Januar 2022 deutlich, dass dieses „aussagekräftige Kulturdenkmal erhalten“ werden soll.

„Wir haben nicht einmal 800 Euro für ein Wipptier auf dem Spielplatz übrig“, bedauert Bürgermeister König die äußerst angespannte finanzielle Situation Obergröningens. Da es nur 456 Einwohner in der selbständigen Gemeinde gibt, bedeutet jede Anschaffung, dass die Kasse noch klammer wird.

Da sich Obergröningen eine kostenintensive Sanierung nicht leisten kann, und daher für Abbruch plädiert, machte die Denkmalbehörde den Vorschlag: „Dann verkauft es.“ Doch hier verweist der Obergröninger Bürgermeister auf die Lage des alten Rat- und Schulhauses. Denn es ist in direkter Nachbarschaft der Gemeindehalle und des Friedhofs.“ Wir können es nicht verkaufen, da würden wir uns ein Problem schaffen“, erklärt er, dass die Gemeindehalle bis zu zwölf mal im Jahr für Hochzeitsfeiern und weitere Veranstaltungen vermietet sei. „Da wird es dann hie und da auch mal laut. Und wer will da direkt daneben dann wohnen?“ Das Einzige, was er sich vorstellen könnte, wäre, dass beispielsweise ein Büro oder ein Atelier im Haus von einem Käufer nach der Sanierung eingerichtet werden könnte. „Nach der Sanierung.“ Fakt sei aber nun mal, dass die Gemeinde selbst diese Sanierung finanziell nicht stemmen kann. König wünscht sich, dass nun das Regierungspräsidium Stuttgart und die dortige Denkmalschutzbehörde auch die „Faktoren der Gemeinde näher beleuchtet“. Um dann erst eine Stellungnahme abzugeben. „Wohnungen in diesem Haus sind für mich aus besagten Gründen nicht vorstellbar“, verweist König abermals auf den Standort. Und nochmals auf die Finanzlage der Gemeinde. Den denkmalgeschützten Türsturz könnte er sich als Exponat in der Gemeindehalle vorstellen. „Der würde auf jeden Fall erhalten bleiben.“ Und bezüglich des geschützten Krüppel-Walmdachs verweist er auf zahlreiche andere Dächer in der Umgebung, die ebenfalls diese Form haben. „Das ist in unseren Gefilden immer wieder zu sehen.“ Jetzt hofft der Schultes mit seinem Gemeinderat, dass die Landesdenkmalschutzbehörde der Argumentation der Obergröninger folgt, und das Gebäude zum Abriss freigibt. Was mit der so entstehenden Freifläche passieren würde, darüber hat man sich noch keine Gedanken gemacht. Zumindest hat die Verwaltung Einspruch beim Regierungspräsidium gegen den vorgeschlagenen Erhalt eingelegt. Und ist gespannt auf die Antwort.

Das leerstehende, einstige Rathaus in Obergröningen stammt aus dem Jahr 1829. Die Gemeinderäte wollen den Abriss, der Denkmalschutz will bislang den Erhalt. Nachbar ist die Gemeindehalle und die Kirche mit Friedhof.

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