An der Jakobskapelle werden Sorgen abgeladen

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Im Pandemiejahr 2020 war die Jakobskapelle bei den Klotzhöfen in Schechingen so gut besucht wie noch nie. Das zehnte Gästebuch zeugt davon.

Die Jakobskapelle bei Schechingen hatte 2020 so viele Besucher wie nie zuvor. Mittlerweile liegt bereits das zehnte Gästebuch aus.

Schechingen-Klotzhöfe

Die Ruhe ist beeindruckend. Der Blick fällt auf den kleinen Trampelpfad. Selbst im Winter scheint die Jakobskapelle bei den Klotzhöfen in Schechingen gut besucht zu sein. Im Schnee zeigen sich viele Fußspuren. Einzig der Ruf eines Pfaus unterbricht die Stille. Interessiert äugt er aus seiner Voliere zur Besucherin. In der Kapelle grüßt links neben dem Eingang ein an die Wand gestützter Pilgerstab mit der Muschel. Rechts, auf einem Regal, liegt das Gästebuch. Einladend, als warte es nur darauf, einen weiteren Eintrag eines Gastes in sich aufzunehmen. Die Ruhe in der Kapelle ist wohltuend. Und wirkt wie ein Ort, an dem Sorgen abgelegt werden können. Bänke laden zum Verweilen ein. Dann kann auch die hölzerne Figur des Heiligen Jakobus in der Mitte des Raumes, in Ruhe betrachtet werden.

Viele Besucher waren übers Jahr 2020 in dem christlichen Kleinod, berichtet Corina Ott. Gemeinsam mit ihrem Gatten Adalbert hat sie die Kapelle 2009 errichtet. "Mittlerweile liegt das zehnte Buch auf", schildert sie. "Es waren im vergangenen Jahr viel mehr Gäste da als in einem gewöhnlichen Jahr", stellt sie fest. Als der Lockdown im Sommer 2020 ausgesetzt wurde, schauten viele Gruppen vorbei. "Vorwiegend die Senioren, aber auch viele Familien und Einzelpersonen", erzählt Corina Ott.

Der Blick in das Buch zeigt, dass sich viele wünschen, dass die Corona-Pandemie endlich ein Ende findet. Doch das Buch zeugt auch von Dankbarkeit darüber, dass man bislang selbst von der Viruserkrankung verschont geblieben ist. Und immer wieder wird der Wunsch gen Himmel gesandt beim Niederschreiben, dass die Familie und Freunde gesund bleiben. Manchesmal gibt es auch Gedichte oder Zeichnungen. Unterschrieben wird meist nur mit den Initialen oder dem Vornamen. Da sind beispielsweise Karl und Marlene, die aus Würzburg stammen, und bei der bei der Jakobskapelle vorbeischauten. Oder "C." aus Schwäbisch Gmünd.

"2020 kamen viele aus der weiteren Umgebung, aus der Region. Auch Spaziergänger, nicht nur Pilger", weiß Corona Ott. Etwa die, die nicht auf dem Fränkisch-Schwäbischen Jakobsweg unterwegs waren, sondern auf dem "Grünen Pfad". Mit manchen kam sie kurz ins Gespräch. Familienschicksale wurden angesprochen, auch mal lustige Anekdoten zum Besten gegeben. Die Vielfalt des Lebens, all seine Facetten, zeigten sich stets, beschreibt die "Kapellenbauerin". Sie genießt es, mit Wildfremden ins Gespräch zu kommen. Die, wenn sie wieder aufbrechen, nicht mehr Fremde für sie sind. "Noch nie gab es so viele Eintragungen ins Buch. Die Menschen nutzen die Gelegenheit, um ihre sehnlichsten Wünsche aufzuschreiben. Ihre Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen", erklärt Ott. Das Pandemie-Jahr brachte wohl viele Menschen zum Nachdenken, ließ sie innehalten. Was auch auffällt ist, dass viele Eintragungen auf die Schönheit der Natur, der Schöpfung, eingehen, die durchwandert wird. "Vielleicht hat die Zwangspause beim Konsum durch die Pandemie auch was Gutes", überlegt Corina Ott. Der Mensch suche Orte, an denen er zur Ruhe kommen kann, weg vom Alltag und schlechten Nachrichten. Da scheint die Jakobskapelle bei den Klotzhöfen genau der richtige Ort dafür zu sein.

Der heilige Jakobus.
Gedichte und Gedanken im Gästebuch.

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