Die Herbergsmutter hat selbst im Lockdown viel zu geben

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Margot Schilder kann wegen der Corona-Pandemie zur Zeit keine Jakobspilger In Schechingen beherbergen. Anstatt sich der Langeweile hinzugeben, hat sich die Seniorin der Handarbeit verschrieben. Unter anderem nähte sie 2173 Masken zum Verschenken. Jetzt häkelt sie kleine Tierchen aus Wolle.

Margot Schilder musste ihre Jakobspilger-Unterkunft schließen. Stattdessen sitzt sie jetzt an der Nähmaschine oder häkelt.

Schechingen

Im Wintergarten von Margot Schilder hängen viele Mundschutzmasken fein säuberlich auf einem Gestell. Mal schwarz, mal kunterbunt, mal mit Namen bestickt oder auch mit einer Öffnung fürs Trinken, die mittels Klettverschluss wieder dicht gemacht werden kann. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Viele Menschen hat Margot Schilder, die eigentlich Herbergsmutter für Jakobspilger ist, mit Masken beschenkt. Auch ganze Praxisteams, Schulklassen, Geburtstagskinder, Freunde, Bekannte und Co. Wohlgemerkt: beschenkt. Denn Geld nimmt sie nicht. Das ist ihr Grundsatz.

Wegen des Corona-Lockdowns musste Margot Schilder ihre Pilgerräume verschließen. Im Schnitt hat sie zwischen 40 und 60 Gäste pro Jahr im Haus, die auf ihrer Pilgerwanderung auf dem fränkisch-schwäbischen Jakobsweg bei ihr eine Nacht verbringen. "Aber 2020 hatte ich gerade mal einen Pilger zu Gast. Dann war Schluss", schildert sie. Margot Schilder, die auch Pauke und Waschbrett spielt bei der Guggengruppe "Krawallhexa" aus Schechingen, ist keine, die den Kopf in den Sand steckt. Oder gar jammert. "Ich hab‘ mir halt eine andere Beschäftigung gesucht." Dabei deutet sie auf die Masken hinter sich. Durch die Verordnung der Regierung, nun auf FFP2-Masken oder medizinischen Mundschutz zurückzugreifen, ist das Stoffmaskenthema nun natürlich vom Tisch. Kein Problem für die rüstige Seniorin. Längst hat sie sich eine alternative Beschäftigung gesucht. Jetzt wird gehäkelt. Tiere aller Art kreiert Margot Schilder im Wohnzimmer oder an ihrem Esstisch im Wintergarten. Auch die will sie verschenken.

Hilfsbereitschaft gehört zu Margot Schilders Leben. Beim Osterbrunnen in Schechingen ist sie seit langem Garantin dafür, dass mindestens 30 Kuchen, von ihr selbst gemacht, Gästegaumen verwöhnen. Nachdem der Osterbrunnen 2020 wegen Corona ausgefallen ist, investierte sie das Geld für die Zutaten, rund 300 Euro, in das Material für die Stoffmasken. Sie möchte nichts verkaufen, sondern spendet: Statt Kuchen gab's eben Masken.

2020 hatte ich gerade mal einen Pilger zu Gast.

Margot Schilder, Herbergsmutter

Jetzt bleibt abzuwarten, ob der Osterbrunnen 2021, wenn auch in anderer Form und mit Hygienekonzept, auf dem Schechinger Marktplatz stattfinden kann. Oder, ob es nur die Präsentation und keine Bewirtung geben wird. "Keiner hat eine Glaskugel", stellt die 73-Jährige fest. Und freut sich auf die Zeit, wenn wieder Pilger aus ganz Deutschland und darüber hinaus bei ihr übernachten können.

Und so schnell könnte man gar nicht kucken, wie Margot Schilder in der Küche Kuchen für den Osterbrunnen zaubern würde. Aber bis dahin heißt es geduldig abzuwarten. Spricht's und greift zu Wolle und Häkelnadel. Lächelnd deutet Margot Schilder auf ein Buch mit Anleitungen für Tiere. "Ich hab' immer was zu tun", sagt sie. Und versichert: Sie bleibe in Bereitschaft.

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