Einen Rausch mit dem Leben bezahlt

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Bürgermeister Stefan Jenninger und Franz Merkle (r.) mit der Gedenktafel für Robert Haidner.
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Parteilos und unpolitisch - warum der in Schechingen geborene Robert Haidner zum Opfer des NS-Regimes und am 20. April 1945 erschossen wurde. Eine Tafel erinnert jetzt an ihn.

Schechingen

Erinnern ist Arbeiten an der Zukunft“, sagt die Kulturwissenschaftlerin und Friedenspreisträgerin Aleida Assmann. So gesehen hat Schechingen gewaltig an seiner Zukunft gearbeitet in diesen sonnigen Ostertagen, die so leicht vergessen lassen, was nur ein paar tausend Kilometer weiter in Europa geschieht. Im Rathaus erinnert nun eine Tafel an Robert Haidner - in Schechingen am 19. März 1914 geboren - erschossen in Schwäbisch Gmünd in den letzten Kriegstagen, am 20. April 1945, wenige Stunden, bevor die Amerikaner in der Stauferstadt einrückten.

Franz Merkle - Pädagoge und Geschichtsforscher aus Leidenschaft - hat sich mit dem „kurzen Leben des Robert Haidner“ auseinandergesetzt. Besonders mit den heute kaum nachvollziehbaren Vorgängen, die dazu führten, dass ein parteiloser und unpolitischer Mensch quasi in einer Nacht- und Nebelaktion sein Leben lassen musste. „Mir ist es wichtig, dass man über die Opfer spricht“, beschreibt Merkle seine Beweggründe.

Und erzählt dann von Robert Haidner, dessen Mutter Anna eine geborene Krieger war und dessen Vater Albert in Schechingen als Mesner und Bäcker arbeitete und sich zudem in einer kleinen Landwirtschaft als Tagelöhner verdingte. Robert Haidner hatte 15 Geschwister, besuchte in Schechingen die Volksschule und zog 1932 nach Aldingen, weil es in Schechingen keine Arbeit für ihn gab. Er arbeitet als Eisendreher bei Bosch, heiratet in Zuffenhausen Lydia Kunz und, nach deren frühen Tod, seine zweite Frau, die Witwe Antonie Niedermeier, die drei Kinder mit in die Ehe bringt. Die Familie zieht nach Schwäbisch Gmünd.

1938 wird Robert Haidner zum Wehrdienst eingezogen, ist zunächst in Frankreich und später in Russland eingesetzt, wird 1943 schwer verletzt und deshalb nach langen Aufenthalten in Lazaretten als untauglich ausgemustert. Am 13. April 1945 in Stuttgart offiziell aus der Wehrmacht entlassen, macht er sich mit dem Fahrrad auf den Rückweg nach Schwäbisch Gmünd, kehrt aber vorher noch in eine Wirtschaft ein. Auf der Weiterfahrt hat das Rad einen Defekt und er wird in Grunbach von einem Lkw mitgenommen, auf dessen Pritsche schon vier Betrunkene sitzen. Fröhlich wird weiter gezecht - so viel, dass Haidner später beim Verhör angibt, er könne sich an nichts mehr erinnern. Nicht daran, dass er in Gmünd angekommen, „Hitler verrecke.“ „Es lebe die Freiheit.“ gegrölt und auch mit einem Messer herumgefuchtelt hat. Was umgehend angezeigt wird. Gemeinsam mit Heinrich Probst, dem Bruder von Käthe Czisch, der Frau des ersten Gmünder Nachkriegsoberbürgermeisters, wird Robert Haidner verhaftet. Ohne Standgericht und ohne rechtskräftiges Urteil ordnen Kreisleiter Hermann Oppenländer und Kampfkommandant Max Hössle im hektischen Geschehen kurz vor dem Einmarsch der Amerikaner die Erschießung der beiden Männer an.

Was er recherchieren konnte - von den Vertuschungsversuchen bis hin zum rechtskräftigen Urteil gegen Oppenländer und Hössle und deren alsbaldiger Begnadigung - hat Franz Merkle im Gmünder Jahrbuch 2013 veröffentlicht. Und dankt dabei besonders seinem Schechinger Pädagogenkollegen und Heimatforscher Reinhold Fischer für die Unterstützung. Dass es nun im Rathaus eine Gedenktafel gibt, freut die Forscher.

Und es ist ein wichtiger Beitrag, um die Erinnerung an die Opfer hochzuhalten und die Demokratie zu stärken, betont Bürgermeister Stefan Jenninger.

Es ist wichtig, dass man über die Opfer spricht.“

Franz Merkle,, Geschichtsforscher

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