Sieben Pflanzen für sieben Tage

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Lilly und ihre Oma haben Kräuter gesammelt und zu diesem prächtigen Strauß gebunden.

Naturparkführerin Helene Angstenberger hat bei einem Rundgang durch den Wald Interessantes über Blumen und Kräuter erzählt und mit den Teilnehmenden Weihebüschel gebunden.

Abtsgmünd

Früher waren Kräuter die einzigen Heilmittel. Sie wurden im Sommer gesammelt und zu Büscheln gebunden, damit man sie in der kalten Jahreszeit verwenden konnte – als eine Apotheke für den Winter.

"Die Tradition der Weihebüschel ist eng mit der katholischen Kirche verknüpft. Am Vorabend von Maria Himmelfahrt wurden die Kräutersträuße gebunden und am nächsten Tag zum Segnen in die Kirche gebracht", erklärt Naturparkführerin Helene Angstenberger zum Auftakt einer Kräuterwanderung, in der es um diesen Brauch und dessen Hintergründe geht. Nach der Segnung habe das Weihebüschel seinen Platz im sogenannten Herrgottswinkel gefunden, einer Nische für den Hausaltar. "Es ist mir ein Anliegen, dass diese Tradition weitergeht", erzählt Helene Angstenberger ihren Zuhörern.

Trotz der Sommerhitze haben sich etliche Besucherinnen und Besucher am Naturkindergarten in Abtsgmünd eingefunden. Ausgerüstet mit Sonnenhut, Körbchen und Schere machen sich die Frauen, einige Männer und Kinder sind auch dabei, auf den Weg, um Pflanzen für ein Kräuterbüschel zu sammeln. Es geht durch Wald und Wiesen, schnell füllen sich die Körbe.

Helene Angstenberger kennt sich aus. Zeigt auf Wilde Möhre, Schafgarbe, Johanniskraut und informiert über Verwendung und Heilwirkung des jeweiligen Fundes. Die Spaziergänger erfahren, dass die Samen der Brennnessel ein echtes Powerpaket sind, aufgrund der vielen Vitamine und Mineralstoffe, die sie enthalten. Und wer nicht gut bei Stimme ist, dem empfiehlt Helene Angstenberger den Odermennig, der von Kennern auch als "Sängerkraut" bezeichnet wird. In kräftigem Gelbton leuchtet der Rainfarn, der Motten im Kleiderschrank vertreiben soll. "Der muss unbedingt mit ins Kräuterbüschel", findet die Wanderführerin.

August bis September sei eine gute Zeit, die Kräuter zu ernten, da die Pflanzen dann die volle Sonne abbekommen haben, erklärt Helene Angstenberger, die bei dem Gang über die Wiesen auch den dramatischen Artenrückgang anspricht: "Hier müssten eigentlich die Schmetterlinge fliegen. Es summt und piept nicht mehr so wie früher."

Es ist mir ein Anliegen, dass diese Tradition weitergeht.

Helene Angstenberger Naturparkführerin

Mindestens sieben verschiedene Pflanzen müssen im traditionellen Weihebüschel gebunden sein – in Anlehnung an die sieben Schöpfungstage, weiß Naturparkführerin Angstenberger. Kein Problem für die fleißigen Sammler.

Mit reicher Ernte kehrt die Wandergruppe anschließend zum Naturkindergarten zurück. Dort werden die Kräuter zu farbenfrohen, duftenden Sträußen gebunden, die sich sehen lassen können.

Info: Zur Weihe werden die Kräuterbüschel normalerweise im Altarbereich drapiert und gesegnet. Coronabedingt sollen die Gläubigen sie in diesem Jahr aber fast über all in der Bank behalten. Unter anderem ist die Weihe im Schwäbischen Wald und im Leintal bei folgenden Gottesdiensten: am Donnerstag, 13. August, in Eschach um 18 Uhr; am Freitag, 14. August, in Schlechtbach um 18.30 Uhr; am Samstag, 15. August in Horn um 16 Uhr, in Spraitbach und Zimmerbach jeweils um 18.30 Uhr; in Schechingen um 18.30 Uhr; in Iggingen um 18.30 Uhr; am Sonntag, 16. August, in Untergröningen um 9 Uhr; in Durlangen um 9 Uhr; in Spraitbach um 9 Uhr; in Iggingen um 10 Uhr; in Leinzell um 10.30 Uhr; in Hohenstadt um 10.30 Uhr.

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