Erinnerung, die gut schmeckt

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Mit einem besonderen Wir-Gefühl: das Backhäusle-Team bei der Arbeit.
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Mit einem Backhausfest auf dem Rathausplatz erinnert Spraitbach an das alte Backhaus, das 2014 abgerissen werden musste.

Spraitbach. Es war nicht zu retten gewesen, das alte Spraitbacher Backhaus. Aber die Erinnerung kann man bewahren und die Tradition pflegen. An das alte Backhaus erinnert jetzt eine Info-Tafel, die im Zuge des Geschichtspfades zur 725-Jahrfeier der Gemeinde am Samstag feierlich enthüllt wurde. Und dazu gab es natürlich ein Backhausfest.

Erhalt oder Abriss des alten Spraitbacher Backhauses? Die Frage hatte die Spraitbach lange beschäftigt. Auf Bürgerversammlungen und im Gemeinderat wurde kontrovers diskutiert, bis am Ende ein statisches Gutachten vermeldete, dass das Gebäude einsturzgefährdet sei und somit der Abriss feststand. Im April 2014 wurde das Backhaus auf Anordnung des Landratsamtes gesperrt, im Juni 2014 rückten die Bagger an, das alte Gemäuer musste für den Rathausanbau weichen.

„Ewig schade“ bedauert der stellvertretende Bürgermeister von Spraitbach, Erich Pommerenke der aber im selben Atemzug darauf hinweist, der Erhalt und die Sanierung hätten Unsummen verschlungen, von daher sei die Entscheidung für den Abriss die einzig richtige gewesen.

Brot vom „Schockabeck“

Bis in die 70-er Jahre betrieben das als „Schockabeck“ bekannte Geschwisterpaar Paul und Berta Schock hier ihre Bäckerei und eine kleine Nebenerwerbslandwirtschaft. Im Holzbackofen wurde das Bauernbrot und die beliebten Doppelwecken gebacken. Die Gemeinde hatte nach dem plötzlichen Tod von Paul Schock das Haus am Rathaus in den 80-er Jahre gekauft. Der Gemeinderat unter dem Vorsitz von Bürgermeister Walter Zepf entschied, das Haus in ein Vereinshaus und Haus der Begegnung umzubauen.

Der Stein über der Eingangstür war datiert mit 1842, führte Bürgermeister Johannes Schurr in seiner Rede aus. Der im Januar 1989 neu gegründete Landfrauenverein wurde von Bürgermeister Zepf gebeten, die Einweihungsfeier des damals frisch sanierten Backhäusles mit Backen im Holzbackofen abzuhalten. Daraus erwuchs die Tradition des jährlich im Mai abgehaltenen Backhausfest der Landfrauen unter dem Vorsitz von Doris Kurz. Viele Programmpunkte zum gemeinsamen Kinderferienprogramm wurden ebenfalls hier durchgeführt, zudem diente das alte Backhaus den Schachfreunden und der Volkshochschule als Heimat.

Das Wir-Gefühl beim Backen

Landfrauenvorsitzende Doris Kurz erinnert sich an die „schwere Entscheidung“ des Abriss und an die Überlegungen einen Backofen im neuen Bürgersaal des Rathauses einzubauen. „Holz oder elektrisch?“ Das war damals die Frage, auf die es für die Landfrau und Gemeinderätin Kurz nur eine Antwort gab, das Backen im Holzbackofen sei ein Teil des Kulturgutes dass es zu erhalten gelte und an die nachfolgenden Generationen weiter gegeben werden müsse. Schon beim gemeinsamen Backen werde ein besonderes „Wir-Gefühl“ erlebt, für Gäste zu backen habe eine „besondere Qualität“.

In den Genuss dieser besonderen Qualität kamen dann auch die zahlreichen Spraitbacher, die zur Enthüllung mit einem „Backhausfest“ gekommen waren. Von den Schachfreunden wurde für erfrischende Getränke gesorgt, die Landfrauen waren bereits seit den frühen Morgenstunden fleißig, heizten den neuen Holzbackofen im Bürgersaal ein und kneteten Teig für rund 70 Fladen. Die Besucher freuten sich und schwelgten in Erinnerungen an den „Schokabeck“ und dessen Produkte. Nach dem Krieg kostete eine Brezel fünf Pfennige - und jede Preiserhöhung wurde als nahezu katastrophal empfunden.

Das Backhaus in Spraitbach.
Eine neue Schautafel.

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