Im Lockdown massiv Sänger verloren

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Einst konnte Dirigent Marvin Martinicic (am Klavier) auf 21 Singstimmen zurückgreifen, mittlerweile sind's nur noch zehn.
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Im Laufe der Corona-Pandemie hat der Cantemus-Chor aus Spraitbach die Hälfte seiner Sängerinnen und Sänger verloren. Nun sorgen sich die Verantwortlichen um die Zukunft des Chors.

Spraitbach

Ein vielstimmiges „Wünsch dir was“ erschallt aus dem evangelischen Gemeindehaus in Spraitbach. Es ist allerdings nicht die Punkband „Die Toten Hosen“, die hier Montag für Montag ihre Lieder einübt, sondern der evangelische Cantemus-Chor. Auch wenn in der evangelischen Michaelskirche in Spraitbach John Lennons „Imagine“ erklingt, ist dafür der Cantemus-Chor verantwortlich. Der Chor wurde 1994 gegründet und galt damals als „der junge Kirchenchor“, erinnert Karin Strenzl.

Mittlerweile gibt es in Spraitbach keinen jungen oder alten Kirchenchor mehr, sondern nur noch den Cantemus-Chor. Der „alte“ Kirchenchor wurde vor einigen Jahren aus Altersgründen aufgelöst. Anfangs sangen hier rund 20 Personen - „in Hochzeiten waren es gute zwei Dutzend Sänger“, so Strenzl.

Doch obwohl der gemischte Chor unter dem Arbeitstitel „Kirchenchor“ läuft, ist hier nichts von verstaubten liturgischen Gesängen zu hören. Dafür steht schon der jugendliche Dirigent Marvin Martincic. Auf dem Probenplan stehen Gospel, Pop aber auch neuzeitliches geistliches Liedgut – „christlichen Pop“, nennt der Dirigent das Repertoire und erzählt, das die Sängerinnen und Sänger Wert darauf legen, mit ihren Liedern alle Generationen anzusprechen „auch jüngere Gemeindemitglieder“.

Vor der Corona-Krise habe der Chor aus 21 Singstimmen bestanden. Dann kam der Lockdown und mit ihm die Einschränkungen bei den Proben. Mittlerweile probt der Cantemus-Chor wieder normal. Zumindest fast. Denn n ach der Krise sind ihm gerade noch zehn Stimmen geblieben – mit Thomas Munz als Bass und Thomas Wahl als Tenor kann der Chor sogar nur noch auf zwei männliche Sänger zählen. Die beiden fühlen sich zwar sichtlich wohl unter ihren Sangeskolleginnen, würden ihre Probenmontage aber gerne mit weiteren Sängern teilen: „Wir freuen uns über jede weitere Verstärkung“, erklären die beiden Sänger und fügen hinzu: „Auch jede weitere Dame ist herzlich willkommen.“

Weniger sollten es nicht werden

Klar, auch in „kleiner Besetzung“ könne der Chor weiter bestehen, aber „weniger Sänger sollten es nicht werden“, blickt Karin Strenzl sorgenvoll in die Zukunft. Marvin Martinicic fügt hinzu, dass der Chor nicht auf Stimmgewalt setze, denn wenn er gut eingesungen sei, fülle er trotzdem mit seiner Qualität ganze Kirchenräume. Und auch das Vereinsleben könne sich sehen lassen, fügt der Dirigent hinzu. Trotz gemischter Altersstruktur gebe es immer wieder gelungene gemeinsame Aktivitäten, das „kann auch mal ein Glas Sekt nach der Probe sein“, erklären Thomas Munz und Thomas Wahl. Und sowieso: „Wir sind ein moderner Chor mitansprechendem modernen Repertoire“, betont Marvin Martinicic. Das bewiesen etliche Auftritte – in Gottesdiensten, auf Hochzeiten oder bei Geburtstagen.

Mittlerweile darf wieder ohne Auflagen geprobt und gesungen werden und der Chor würde sich über jedes neue Gesicht freuen. „Ein Vorsingen wird bei uns nicht gefordert“, erklären Thomas Wahl und Thomas Munz. Soll heißen: Beim Cantemus-Chor gibt es keine „Eignungsprüfung“, unterm Strich zähle in Spraitbach „einfach die Freude am Singen und eine tolle Gemeinschaft“. Dirigent Martincic lädt alle Interessierten zum „unverbindlichen Hereinschnuppern“ ein. Geprobt wird immer montags ab 19 Uhr im evangelischen Gemeindehaus in Spraitbach. Weitere Informationen gibt's bei Karin Strenzl unter Telefon (07176) 3642.

Wir freuen uns über jede weitere Verstärkung.“

Thomas Munz,, Mitglied des Cantemus-Chors

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