Impulse für ein klimaneutrales Spraitbach

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Spraitbacher Gremium hört Details zur Entwicklung vor Ort und erfährt Vermeidungs-Strategien.

Spraitbach. Der Fachvortrag von Professor Dr. Martina Hofmann von der Hochschule Aalen zum Thema Klimawende in Spraitbach – Mögliche Wege, Maßnahmen und Fördermöglichkeiten in den Bereichen Klimaschutz, Energieeffizienz und Klimaanpassung war - nach der Verschiebung im Aprilsitzung - am Donnerstag zentrales Thema im Gemeinderat. Allerdings ohne den in Quarantäne befindlichen Bürgermeister Johannes Schurr. Geübt übernahm Gemeinderat und stellvertretender Bürgermeister Erich Pommerenke die Sitzungsleitung.

Die Dozentin stieg ein mit Informationen über die Folgen des Klimawandels in Deutschland. Während der globale Temperaturanstieg in den letzten 140 Jahren bei 1,2 Grad lag, wurde in der Bundesrepublik ein Anstieg um 1,6 Grad verzeichnet. Daraus folgt ein Meeresspielanstieg um 42 Zentimetern. Während die Winterniederschläge um 27 Prozent gestiegen sind, seien die Schneetage seit 1951 um 49 Prozent gesunken. Der Klimasteckbrief für Spraitbach sieht, ausgehend von den Erhebungen von 1971 bis 2021, einen Anstieg der mittleren Jahrestemperatur um 1,4 Grad für die kommenden Jahre voraus. Eine deutliche Zunahme von 32 auf 43 Tage mit einer Temperatur über 25 Grad. Heiße Tage mit mehr als 30 Grad werden sich, warnt die Expertin, von zehn auf 29 Tage nahezu verdreifachen. Sinkende Tendenz sieht die Professorin bei Frosttagen sowie ein signifikantes Absinken von 22 auf 11 bei den Eistagen.

Die Temperaturerhöhungen bringen eine veränderte Umwelt mit sich. Um weiterhin ein „schönes Leben“ zu haben, müsse man sich daran anpassen und entsprechend reagieren und alle Maßnahmen ergreifen, um die Erderwärmung auf 1,5 Grad seit Beginn der Industrialisierung zu begrenzen. Dies könnte mit geringerem Energieverbrauch, der Nutzung von möglichst viel erneuerbaren Energien und der Anpassung auf die veränderten äußeren Bedingungen gelingen.

Dazu gehöre das Verwenden von Ökostrom und die Einführung digitaler Prozesse, die in Spraitbach etwa mit Ratsinformationssystem bereits realisiert wurden und einen enormem Einsatz von Papier verhindern. Auch klimaneutrale Mobilität, wie von der Expertin vorgeschlagen, hat ihren Weg in die Gemeinde bereits gestartet, mit einem E-Auto können die Rathausmitarbeiter Botengänge oder Termine wahrnehmen.

Hofmann ging auf das Klimaschutzgesetz des Landes Baden-Württemberg ein, dass die Klimaschutzziele für die Jahre 2030 und 2040 vorgibt. Klimaschutz erfordere die Unterstützung und Mitgestaltung aller. Um den Weg zur klimaneutralen Kommune zu beschreiten sei das Erfassen des „Status Quo“, die Erstellung einer Strategie, sowie deren Umsetzung unter maximaler Nutzung bestehender Fördermöglichkeiten erforderlich.

Alles selbst in die Hand zu nehmen oder Teile von Experten übernehmen lassen, sei nicht zielführend, kleine Kommunen könnten schnell daran scheitern, warnt die Referentin. Als Alternative gebe es die im Aufbau befindliche Dienstleistungsgesellschaft für Kommunen in Ostwürttemberg, die 2023 an den Start gehen soll. Die Vorteile: alle Beteiligten kommen aus der Region, die Gesellschaft sei komplett in kommunaler Hand und wisse um die Beantragung und den sinnvollen Einsatz von Fördergeldern. Es entstehe ein Team aus Spezialisten, die sich ausschließlich darum kümmern in Kommunen die Klimaneutralität zu erreichen. Zwar könnten nicht alle Kommunen gleichzeitig bedient werden, die einzelnen Gemeinden müsste „komplette Arbeitspakete in die Hand geben“ allerdings können die einzelnen Gemeinden von strategischen Elementen, die für andere Kommunen entwickelt wurden, profitieren. Andrea Rohrbach

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