In Coronazeiten wird die Kunst zum Ehrenamt

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Schreiben, schreiben, schreiben, das führt bei Julia Rhizoma zum Bild. Mit ihren neuen Arbeiten wendet sie sich in Coronazeiten an Kunstfreunde.

Die Künstlerin Julia Rhizoma erschafft Bild um Bild. Aber der eingeschränkte Kontakt zur Kunstwelt wird zur wirtschaftlichen Herausforderung.

Spraitbach

Den Begriff Schriftbild darf man bei ihr ruhig wörtlich nehmen. Die Künstlerin Julia Rhizoma ist für ihren schriftlichen Beitrag zur Kunst bekannt. In der Region spätestens seit ihrer Ausstellung im Oktober 2019 im Gmünder Kunstverein. Ein Jahr später sieht für sie alles ganz anders aus. "Der Blick auf die Welt hat sich mit einem Schlag verändert", sagt sie. Eingeschlossen die Welt um sie herum. "Der Kunstverein war geschlossen, persönliche Begegnungen blieben aus."

Für Julia Rhizoma mit wirtschaftlichen Folgen. Die Leute haben andere Sorgen, als sich Kunst zu kaufen. Als hätte sie es geahnt, war sie schon vor Corona auf dem Weg zu einem zweiten Standbein. "Rhizomalife" nennt sie ihren Einsatz als ganzheitliche Heilerin. Ohne gleich die Kunst aus den Augen zu verlieren.

In einer Art Auszeit denkt sie über beides nach, auch darüber, wie viele Menschen jetzt aus dem Hamsterrad aussteigen. Sie selbst stößt auf alte Tagebücher und "plötzlich hatte ich so viel Zeit für mich". Dabei werden Erinnerungen wach, nicht nur an die Ausstellung im Kunstverein. Sondern an die Kindheit in Spraitbach, an die schon damals enge Verbindung zur Natur. "Ich war immer draußen", sagt sie, die ihre Welt damals erkämpfen muss, ein Augenleiden führt dazu, dass sie sich so stark ums Sehen bemüht, sich auch für die Sehweisen der Kunst interessiert. Im Kunst-Leistungskurs am Parler-Gymnasium sollte sie eine Stadt malen. Das ist für sie mehr als eine Ansammlung von Wänden und Dächern. Es geht um Menschen, um die Gesellschaft. Als sich das alles im Bild wiederfindet, ist der Kunstlehrer zumindest perplex.

Gedanken direkt umsetzen

Sie studiert in England Fotografie, danach Fotodesign an der staatlichen Fachakademie in München. Von Lehrenden lässt sich Julia Rhizoma, die damals noch Julia Schmid heißt, nicht aus der Bahn bringen. Mit ihren Fotos in Verbindung mit handgeschriebenen Texten "konnte die Dozentin nicht umgehen", erinnert sich die Künstlerin, die keine weitere Zeit in die Fotografie verschwendet, sondern sich ganz der Kunst widmet. Sie will ihre Gedanken möglichst direkt in Bilder umsetzen. "Meine Überlegungen zu Natur und Philosophie sollen direkt vom Kopf in die Hand und aufs Bild fließen."

Der Blick auf die Welt hat sich mit einem Schlag verändert.

Julia Rhizoma, Künstlerin

Gelegenheit dazu bietet sich ihr ein einem Atelier in Berlin. Sie kauft sich Tusche, Feder und eine Riesenrolle Papier. Schreibt und schreibt, in Spiralform, in Rasterform mal wiederholen sich Worte und Sätze, mal schreibt sie ganze Klassiker in ihre Bilder. "Berlin hat mich geliebt und ich habe Berlin geliebt", sagt sie heute. Die Stadt wurde voller, die Preise höher, das Künstlerleben nicht mehr finanzierbar. Es folgt ein Stipendium in Griechenland, sie schreibt dort "Briefe an den Ozean" und bringt sie zu Wasser. Und entscheidet sich dann doch für einen Ort, der ihre Bindung zur Natur unterstützt, sie kehrt nach Spraitbach zurück. Verabschiedet sich da von Julia Schmid, "weil schon drei Künstlerinnen in Deutschland den Namen tragen".

Nachdenken in Coronazeiten

In Coronazeiten auch aus wirtschaftlichem Blick die passende Entscheidung. Dort kann sie experimentieren, hofft jetzt, mit kleineren Bildformaten auf dem Kunstmarkt anzukommen. Dabei setzt sie etwa auf ihre Serie auf 60 mal 40 Zentimeter großem Pergamentpapier, auf Farbigkeit und vielleicht auf Möglichkeiten der Projektion. In Coronazeiten sieht sie sich "ehrenamtlich tätig", weil ihre Arbeit ja nicht bezahlt wird. Was ihr aber ganz besonders fehlt, ist der Austausch mit den Menschen, die Begegnung. Und die Chance, ihr zweites Standbein anzuwenden. "Meine Heilarbeit ist spirituelle Lebensberatung mit heilenden Händen. Sie basiert durchgehend auf dem Dreiklang von Seele, Geist und Körper", sagt Julia Rhizoma. Dabei ist ihr Name Programm, die Wurzel sorgt für feste Verbindung zur Erde. Die Naturverbundenheit hält sie aber nicht vom Zeitgeschehen ab. Hauptwerk der Corona-Auszeit ist die neue Homepage der Künstlerin.

Auf juliarhizoma.net zeigt sie ihre künstlerischen Stationen, lässt Interessierte an ihrem Blog teilhaben. rhizoma.life schafft den Übergang von der Kunst zu natürlichen Heilkräften.

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