Mit Disziplin und richtig viel Rhythmus

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Mit Maske – damit hatten die Tänzerinnen und Tänzer aus ganz Deutschland gar kein Problem.

Breakdance- und Hip-Hop-Gruppen aus ganz Deutschland messen sich.

Spraitbach. Außergewöhnlich in diesem Jahr: Der Parkplatz bei der Kohl-Sporthalle ist komplett belegt. Der Blick auf die Autonummern macht deutlich, dass Gäste aus ganz Deutschland angereist sind. Meisterschaften im Breakdance und Hip-Hop stehen an. Annette Scheuvens vom Kulturwerk hatte das Wagnis auf sich genommen, trotz Corona-Pandemie diese Veranstaltung durchzuziehen.

Dafür mussten allerdings große Steinbrocken aus dem Weg geräumt werden, wie sie beschreibt: "Ursprünglich sollten die Meisterschaften im Mai in Schwäbisch Gmünd sein. Dann kam der Lockdown", schildert sie im Gespräch mit dieser Zeitung. Und im Herbst gab es dann keine Chance, diese in der Großsporthalle in Schwäbisch Gmünd auszurichten. Alles belegt, da jeder alles in den Herbst verschoben hat", erklärt sie.

Erst Zweifel, dann das "Go"

So landete ihre Anfrage schließlich bei Bürgermeister Johannes Schurr auf dem Schreibtisch im Spraitbacher Rathaus. "Ich habe drüber nachgedacht und war relativ lang hin- und hergerissen", erzählt dieser, dass ihm die Entscheidung schwergefallen sei. Doch schließlich habe er beschlossen, "das Go" zu geben. Seine Motivation? "Mit ist klar, dass aktuell 1,4 Millionen Menschen aus dem Kulturbereich am Boden sind. Und da gehört der Tanzsport dazu."

Zudem sei es ihm wichtig gewesen, zu beweisen, dass eine derartige Veranstaltung auch in Corona-Zeiten möglich ist. Mit Disziplin. Von Anfang an sei klar gewesen, dass alle Teilnehmer – pro Tag jeweils 100 Tänzer und 100 Zuschauer – mit einer anderen Erwartungshaltung anreisen mussten. "Logisch, dass ich nicht wollte, dass Spraitbach zum neuen Corona-Hotspot wird."

Konzept viermal geändert

Annette Scheuvens wiederum gab ihr Bestes, um die Voraussetzungen zu erfüllen: "Wir mussten vier Mal das Hygienekonzept ändern. Insgesamt 25 Leute sorgen dafür, dass es auch umgesetzt wird", beschreibt sie den Aufwand. Sprich, Zuschauer und Tanzende sind strikt getrennt. Die einen sind ausschließlich in der Halle, die anderen auf der Tribüne. Mundschutz muss komplett getragen werden. Und, falls es einen Zuschauer ob der Begeisterung doch vom Sitz reißt, gibt es sofort eine Durchsage von Moderator Thomas Starke. Bürgermeister Johannes Schurr ist begeistert über die Disziplin: "Da wird der Ton dann schon mal härter. Und es wird sofort der Aufforderung Folge geleistet."

"Ihr seid Vorbilder", stellt Landrat Dr. Joachim Bläse bei seinem Besuch am Sonntagmorgen beeindruckt fest. Als Schirmherr der Meisterschaften zollt er Annette Scheuvens Respekt dafür, dass sie trotz der schwierigen Zeiten die Meisterschaft organisierte. Man spüre die Freude der Teilnehmer, endlich tanzen zu dürfen.

Angesichts des ausgefeilten Hygienekonzepts kommentiert der Landrat trocken: "Das kann man so für andere Veranstaltungen in Produktion geben." Dies sei die einzige Möglichkeit, so etwas überhaupt noch durchführen zu können. Und zu den Tanzgruppen sagt er anerkennend: "Supergigantisch, was ihr aufs Parkett legt."

Nach der Ansprache trifft Bläse sich noch mit den Spraitbacher Gemeinderäten, um den neuen Waldkindergarten zu besichtigen.

Zurück zur Meisterschaft: "Bislang mussten wir 18 Veranstaltungen absagen. Zwei konnten noch vor dem Lockdown abgehalten werden. Dies ist nun die dritte in diesem Jahr", zeigt sich Carsten Rott vom TAF-Verband (The Aktion-Dance-Federation) begeistert vom Engagement von Annette Scheuvens vom Kulturwerk. Ob die nächste Meisterschaft in zwei Wochen in Kempten überhaupt noch sein könne, sei angesichts steigender Infektionszahlen noch nicht gewiss, bemerkt Rott.

Warum man sich so diszipliniert verhält und jeder Anweisung Folge leistet? Darauf gab Nils Klebe als Trainer der Gruppe "The Awesome" aus dem 550 Kilometer entfernten Magdeburg Antwort: "Die Jugendlichen sind froh, dass sie überhaupt auftreten dürfen."

Landrat Bläse lobt das Konzept und die Disziplin.

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