„Sahneschnittchen“ aus Klärteichen

+
Die Natur erobert sich die Fläche zurück, BM Johannes Schurr vor den renaturierten Klärteichen
  • schließen

Wie aus stillgelegten Klärteichen ökologisch wertvolle Biotope werden und was Spraitbach mit den erworbenen Ökopunkten vor hat.

Spraitbach

Umgeben von grünen Laub- und Nadelbäumen, flankiert von saftigen Wiesen liegt im Tal zwischen der Spraitbacher Feriensiedlung Ochsenbusch und dem Wohnort Tennhöfle Spraitbachs neues „ökologisches Sahneschnittchen“.

Die drei ehemaligen Klärbecken der Feriensiedlung Ochsenbusch wurden jetzt in eine Biotoplandschaft umgewandelt. Gemeinsam mit der Feriensiedlung entstanden in den 1970er Jahren die drei Klärteiche, „hier floss über rund 50 Jahre das gesamte Abwasser des Ochsenbuschs rein“, erklärt Bürgermeister Johannes Schurr.

Ein wahrer Cocktail aus Chemie

Alles, was im Ochsenbusch über die Abwasserleitungen entsorgt wurde, kam in den Klärteichen an, durchlief hier die drei unterschiedlichen Becken und floss anschließend „geklärt“ in die Lein. Über die Jahrzehnte setzte sich hier ein wahrer Cocktail aus Chemie und anderen umweltschädlichen Materialien im Klärteichboden ab, erklärt Schurr. Erst 2018 wurde die Feriensiedlung an die Spraitbacher Abwasserkanalisation angeschlossen, das Abwasser wird jetzt von einem damals neu in Betrieb genommenen Pumpenhäuschen nach oben in den Ort gepumpt.

Was blieb, waren die äußerst unansehnlichen und auch mit den verschiedensten chemischen Rückständen kontaminierte Klärteiche im Tal. 350 000 Euro nahm die Gemeinde in die Hand, um die „Schmutzlöchern“ zu renaturieren und in eine ökologisch wertvolle Fläche zu verwandeln.

Den größten Posten der Gelder verschlang die Beprobung des Erdreichs und die Entsorgung des Teichschlamms, der seit 50 Jahren nicht ausgebaggert wurde; auch das umliegende Erdbereich musste entsorgt werden. Die Arbeit und die Kosten wurden mit Ökopunkten belohnt, die zum Ausgleich von Eingriffen in Natur und Landschaft verwendet werden.

Das neue Regenklärbecken in Hinterlintal ist solch ein Eingriff, den die Gemeinde mit Ökopunkten ausgleichen muss, da bisher nicht ausreichend Punkte angesammelt werden konnten, habe die Gemeinde ihren „Öko-Dispositionskredit“ ausgereizt, meint der Bürgermeister. Jetzt habe man mit der Schaffung der Biotoplandschaft nicht nur das Regenklärbecken „ausgeglichen“, sondern gleichzeitig noch genügend Ausgleichspunkte erhalten, um die Befestigung des Wanderwegs für den Waldkindergarten auszugleichen. Rund 3300 Quadratmeter umfasst das Flurstück, 2500 Quadratmeter davon bilden die drei neuen Bioteiche, die sich nur durch Regenwasser speisen und schon gut gefüllt sind.

Freie Hand für die Natur

Hier soll der Natur freie Hand gegeben werden, erklärt Schurr, eine künstliche Begrünung sei nicht vorgesehen, auch eine spätere Wasser- oder Grünpflege stehe nicht im Plan.

Nur wenige Tage nach der Fertigstellung ist klar erkennbar, dass die Natur sich dieses idyllische Fleckchen zurückerobert. Gräser, Kräuter und Sumpfpflanzen haben sich bereits an einigen Stellen der Ufer ausgebreitet. Ein Bauzaun sichert das Gelände vor unliebsamen Besuchern, im Zaun wurden bewusst bodennahe Löcher geschaffen, um den Waldbewohnern den Zutritt zu der Wasserstelle zu sichern.

Bürgermeister Schurr zieht sein Fazit: Aus einer „Müllhalde“ sei jetzt ein Biotop geschaffen worden. „Wo vorher stark belastete und völlig nutzlose und naturschädliche Flecken waren, entsteht jetzt auf rund 3300 Quadratmetern eine wunderbare, renaturierte Fläche.“ Diese nutze dem Tierreich und der umliegenden Natur gleichermaßen und damit zuletzt auch den Menschen.

Dies sei bemerkenswert, da sich hier verschiedene Interessen trafen und man allen gerecht werden konnte. Für Spraitbach bedeutet die Renaturierung einen weiteren wichtigen Schritt zu mehr wertschätzendem Umgang mit der Natur.

Zurück zur Übersicht: Spraitbach

Kommentare