Vom illegalen Trail zum Erfolgsprojekt

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Auf Naturmaterial wird auch der jetzt genehmigte Trail durch den Wald zwischen Spraitbach und Reichenbachstausee führen - dazu 35 Sprünge, Anlieger und Drops in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden bieten.
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Wie sich die anonymen Baumeister das Wohlwollen von Bürgermeister und Gemeinderat verdient haben und warum sich jetzt alle über die Genehmigung freuen können.

Spraitbach

Dieses Projekt hat alle Zutaten für eine Erfolgsgeschichte, sogar für ein Happy End. Denn was einst illegal angefangen hat und dürfte nun zur Vorzeigelösung werden: Spraitbachs Biker dürfen sich auf einen Trail freuen, der seinem Namen alle Ehre machen dürfte.

Doch von vorne: Es war, Corona mal ausgenommen, einer der großen Aufreger im März 2020. Im Wald hatten die Forstbeamten eine illegal angelegte Mountainbike-Trailstrecke entdeckt - und, das analysiert Bürgermeister Johannes Schurr auch noch im Rückblick - es war von Anfang an klar, dass diese dort auch nicht werde bleiben können. Denn es waren neben Staats- und Gemeindewald auch etliche private Waldbauern betroffen.

Was dem Bürgermeister damals aber gefallen hat: der Mut der zunächst anonymen Macher. Auf einen entsprechenden Aufruf haben sich die Trailbauer nämlich bei Johannes Schurr gemeldet und Verantwortung für ihr Tun übernommen. Auch deshalb habe er die Rückendeckung vom Gemeinderat bekommen, dass gemeinsam mit den begeisterten Bikern und den Behörden eine Lösung gefunden werden soll, mit der alle leben können - und der illegale Trail erst dann wieder verschwinden muss, sagt der Bürgermeister.

Eine Arbeitsgruppe bildete sich. In etlichen Sitzungen wurden die Interessen in Einklang gebracht und ein Konzept entworfen. Mit Erfolg: In diesen Tagen hat die Gemeinde die schriftliche Genehmigung von der Forstverwaltung bekommen. „Ich freue mich sehr und bin auch ein bisschen stolz, dass wir das so schnell geschafft haben“, versichert Johannes Schurr. Denn immerhin waren gleichzeitig zur normalen Verwaltungsarbeit seit März 2020 auch mehrere Lockdowns zu organisieren, dazu drei Impftermine und diverse Testangebote. Obendrein gebe es bislang kein standardisiertes Verfahren für die Genehmigung legaler Trails - auch hier habe die Gemeinde Neuland beschritten, findet Schurr.

Denn jetzt können die Trail-Biker die Ärmel hochkrempeln und parallel zur „Stauseestraße“ im Bereich Beutenmühle in drei Sektoren ihr sportliches Paradies bauen - in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen von Blau für Anfänger über Rot für Fortgeschrittene bis Schwarz nur für Erfahrene. Vorteil der Route sei nicht nur, dass sie komplett durch Gemeindewald führt, betont der Bürgermeister. Auch für den hoffentlich nie eintretenden Fall der Fälle könnten über die parallel verlaufende Straße die Rettungswagen bis nahe an die Trailroute gelangen.

Immer wünsche man sich in den Gemeinden Projekte, um die Jugend einzubinden, erinnert Johannes Schurr - „wir haben hier eine perfekte Möglichkeit gefunden“. Denn natürlich wird das Bikerteam auch den legalen Trail selbst bauen - wobei ausschließlich natürlicher Boden aus ortsnaher Herkunft und Holz aus dem Wald verwendet wird. Sogar auf motorisierte Geräte werde man verzichten, sagt der Bürgermeister, der für den Fall, dass eine kleine finanzielle Unterstützung nötig ist, diese schon vom örtlichen Rewe-Händler zugesichert bekommen habe.

750 Meter ist der Trail am Ende, dabei maximal 1,50 Meter breit mit 35 unterschiedlichen Hindernissen - Anliegern, Sprüngen und Dops - für jeden etwas dabei. Weshalb die sehr kooperativen Vertreter der Forstbehörde, Jen-Olaf Weiher und Max Kronmiller hoffen, dass nun niemand mehr illegale Trails rund um Spraitbach baut. Klar könne das Bikerteam das nicht überwachen, betont der Bürgermeister, aber als Teil der Szene die legale Alternative aufzeigen und vielleicht Verständnis wecken.

Wir haben hier die perfekte Möglichkeit.“

Johannes Schurr, Bürgermeister
Geplanter Singletrail in Spraitbach. Grafik: ca

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