Winterdienst: Um drei Uhr früh geht's los

  • Weitere
    schließen
+
Die Leute vom Räumdienst arbeiten nach einer Prioritätenliste: Erst werden die Hauptstraßen und Gefahrenstellen wie Steigungen und enge Kurven geräumt, dann sind die Nebenstraßen dran.

Nach welchen Kriterien in den Gemeinden der Schnee geräumt wird und welche Heraus- forderungen der Räumdienst meistern muss – Spraitbachs Bürgermeister war dabei.

Spraitbach

Das war immerhin mal wieder ein echter Winter, wenn auch kein richtig langer: So fest hatte der Schnee den Schwäbischen Wald schon lange nicht mehr im Griff. Viel Arbeit für die acht Fahrzeuge, die in Spraitbach für den Winterdienst zur Verfügung stehen.

Der Räumdienst der gemeindlichen Bauhofmitarbeiter und der Mitarbeiter eines Dienstleiters beginnt, wie in der vergangenen Woche, mit einem morgendlichen Alarmweckruf um drei Uhr in der Früh. Während die meisten Bürger noch in ihren warmen Betten liegen, beginnt der Trupp rund um Bauhofleiter Claus Endle mit dem nicht ganz einfachen Dienst, die Straßen befahrbar zu machen.

In Spraitbach gibt es eine klare Prioritätenliste, nach der die Mitarbeiter den Räumdienst angehen. Eins stellt Bürgermeister Johannes Schurr gleich fest, "die Zuständigkeit der Gemeinde umfasst nicht das Räumen der Bundesstraße", hierfür ist die Straßenmeisterei des Ostalbkreises zuständig, "bei solchen extremen Wetterlagen kann die Straßenmeisterei aber auch nicht überall gleichzeitig räumen".

Verkehrssicherheit hat Vorrang

Der Schnee in den Hauptstraßen der Gemeinde fällt den Schneeschiebern als erstes zum Opfer, zeitgleich versuchen die Mitarbeiter alle Gefahrenstellen wie Steigungen oder enge Kurvenbereiche zu entschärfen. Da könne es durchaus vorkommen, dass kaum befahrene Straßen geräumt werden, während viel frequentierte Wohnstraßen noch warten müssen, "die Verkehrssicherheit des Einzelnen hat ganz klar Vorrang", stellt der Bürgermeister klar. Danach beginnt der Räumdienst in den Nebenstraßen. Auch hier treffen die Mitarbeiter auf Hindernisse, parkende Autos und Mülleimer müssen "umschifft werden", eine Slalomfahrt durch die Wohngebiete beginnt.

Drei Tonnen Schnee werden in Spitzenzeiten von einem Mitarbeiter täglich von Hand bewegt.

Johannes Schurr, Bürgermeister

Um ein besseres Verständnis für die Leistung seiner Mitarbeiter zu erlangen, hat sich Bürgermeister Schurr am Wochenende, nach Einweisung durch das Bauhofteam, selbst in den Fahrersitz der Spraitbacher Räumfahrzeuge gesetzt. Dem ursprünglichen Gedanken, "kurz einmal die Straßen freiräumen", folgte zügig die Ernüchterung und stellte den Räum-Azubi" vor bisher nicht bekannte Schwierigkeiten. Verschneite Straßen, wie komme ich da rein, wie komme ich da wieder raus und die wichtigste Frage, wohin mit der weißen Pracht? Die Bedienung der Räumfahrzeuge erfordere extreme Konzentration, die Fahrzeuge verfügen über vier getrennt steuerbare Räder und mehrere Vorwärts- und Rückwärtsgänge, am Heck ist der Salzbehälter befestigt, die im Rückspiegel allerdings nicht sichtbar ist, das Rückwärtsfahren erfordere daher noch einmal mehr höchste Konzentration um keine "Flurschäden" anzurichten.

Manches ist unvermeidlich

So kommt es, wie es kommen muss, beim Räumen bleibt es unausweichlich, dass ein bereits geschippter Gehweg oder eine Garageneinfahrt zugeschoben wird. Den Schnee im Wechsel an beide Straßenränder zu schieben, sei schlicht unmöglich. Sicher hätten die Räumfahrzeuge steuerbare Schneeschilder, aber bei der vielen Arbeit und dem Stress sei es nicht machbar, dass sich seine Mitarbeiter merken, wo sie im vergangenen Jahr den Schnee hingeschoben haben. Die Reklamationen, die an diesen Tagen im Rathaus und auf dem Notruftelefon von Bauhofleiter Endle eingehen, erleichtern und beschleunigen dabei den Arbeitseinsatz, der zusätzlich zum Tagesdienst ausgeübt wird, natürlich nicht.

Nach seinem freiwilligen Wintereinsatz beim Bauhof zog der Bürgermeister das Resümee, "als Auszubildender im Winterdienst bin ich ungeeignet". Gleichzeitig wurde ihm bewusst, was für einen "großartigen Job" die Männer leisten, denn dieser umfasst zusätzlich das Freischaufeln von Bushaltestellen und gemeindeeigenen Plätzen und Wegen: "Drei Tonnen Schnee werden dabei in Spitzenzeiten von einem Mitarbeiter täglich von Hand bewegt."

"Als Azubi nicht geeignet": Spraitbach Bürgermeister Johannes Schurr hat den Job im Räumdienst selbst erfahren wollen.

Zurück zur Übersicht: Spraitbach

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL