Wo täglich der gelbe VW-Bulli von SUSA kam

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Bürgermeister Johannes Schurr und Helmut Heinz präsentieren das Original-Firmenschild der Firma SUSA
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Welchen Einfluss die Miederwarenfabrik SUSA auf Spraitbach ausgeübt hat und was dort heute zu finden ist.

Spraitbach

Mit der Enthüllung des zwölften Erinnerungsschildes in der Seestraße am Sonntag geht die 725-Jahrfeier der Gemeinde Spraitbach allmählich in die „heiße Phase“. Bis 25. Dezember wird das Dorfjubiläum mit seinem Geschichtspfad an jedem 7. und 25. eines Monats mit der Enthüllung eine Info-Tafel an einem besonderen Punkt Spraitbachs begangen. Sehr zur Freude des Bürgermeisters Johannes Schurr nimmt das Interesse der Bevölkerung an den kleinen Feierlichkeiten zu, so kann Spraitbach statt „einem großen Fest“ viele kleine Treffen im Jubiläumsjahr begehen.

Wichtiger Betrieb

Mit dem Geschichtspfad konnten bereits viele Fakten über die Gemeinde zusammengetragen werden, meint der Bürgermeister, ein wichtiger Baustein in der Gemeindegeschichte seien nicht nur die „Wirtschaften“ sondern auch die „Wirtschaftsbetriebe“ des Ortes.

Einer dieser Wirtschaftsbetriebe war die Zweigstelle der von Gottfried Schneider aus Heubach 1859 gegründeten Korsettmanufaktur Schneider & Sohn Aktiengesellschaft, aus der sich die Abkürzung „SUSA“ ableitet. Beim Ausbau von Produktionsstätten wurden auch in Spraitbach Arbeitsplätze für Näherinnen angeboten. Die Produktion fand zunächst in den Gasthäusern „Ochsen“ und „Lamm“ statt, 1958 wurde die Fabrik in der Seestraße errichtet.

So konnten Arbeitsplätze im Ort geschaffen werden, die Attraktivität von Spraitbach wurde gesteigert, was wiederum einen großen Einfluss auf die Entwicklung des Ortes hatte. Man könne sagen, „SUSA war der erste Homeoffice-Anbieter“ der 60er- Jahre, meinte Schurr. Diese spiegle sich wider, in dem SUSA einer ganzen Siedlung ihren Namen gab, denn durch den Produktionsstandort gelangte die Salzfeldsiedlung zu ihrem Spitznamen Susa-Siedlung, der noch immer gebräuchlich ist.

Heute ist in dem ehemaligen Fabrikgebäude ein Getränkehandel beheimatet. Helmut Heinz von der gleichnamigen Firma berichtete am Sonntag davon, dass die SUSA-Niederlassung in Spraitbach 1995 geschlossen wurde und der Firma Heinz somit die Gelegenheit gab, sich in Spraitbach niederzulassen. Der Zugang zur Fabrik erfolgte damals noch über die Seestraße.

Bei einem kleinen Umtrunk erklärte Heinz, er habe zu Eröffnung seines Getränkehandels die Wiesenfläche zu Parkplätzen umgebaut. Das können die Schwestern Andrea Rein und Heidrun Haasl bestätigen. Die Spraitbacherinnen sind als direkte Nachbarinnen der SUSA in der Seestraße geboren und aufgewachsen und erinnern sich heute noch an den gelben VW-Bulli der morgens die Arbeiterinnen aus den umliegenden Gemeinden zur Fabrik brachte und abends wieder nach Hause fuhr. Kaum eine der dort arbeitenden Frauen war motorisiert, SUSA errichtete daher einen großen Fahrradunterstellplatz.

Gutes Arbeitsklima

Die in Heimarbeit arbeitenden Frauen holten täglich ihre gelben Kisten ab, um an den heimischen Nähmaschinen Miederhosen und Büstenhalter zu nähen. Besonders knifflig sei das Einfädeln der Stäbchen in die Korsetts gewesen. Es wurde sogar in „Akkord“ gearbeitet erzählen die Schwestern, bezahlt nach Stückzahl. Täglich kam der Laster von Heubach und brachte das Material für die Näherinnen, in Glanzzeiten waren bis zu 60 Nähmaschinen täglich im Einsatz. Unvergessen sei das rhythmische Surren und Klacken der Maschinen, lachen die Schwestern. Regelmäßig wurde bei SUSA in Spraitbach ein Werksverkauf durchgeführt, „dann war in der Siedlung die Hölle los“. Zudem sei das Arbeitsklima sehr gut gewesen, dafür spreche, dass es kaum einen Wechsel in der Mannschaft gab, dafür aber schöne gemeinsame Unternehmungen.

Reges Interesse herrschte am Sonntag bei der Ethüllung der Infotafel bei der ehemaligen Firma SUSA

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