Statt Gefängnis in den Himmelsgarten

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Warum ein wildes Bienenvolk bei seinem unfreiwilligen „Auszug“ aus dem im Umbau befindlichen, historischen Täferroter Pfarrhaus unterstützt werden musste.

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Es ist eine Rettung in letzter Minute - allerdings eine, die von langer Hand vorbereitet werden konnte. Im Zwischenboden des Gebälks hatten die Handwerker schon im Herbst ein Bienenvolk entdeckt, das mit dem Umbau des historischen Pfarrhauses seine Heimat würde aufgeben müssen. Denn mit der Sanierung der Balkenfächer würde das Schlupfloch verschwinden und die Tiere wären eingeschlossen. Das sollte diese Rettungsaktion verhindern.

Hauptakteure dabei waren der Imker Wolfgang Dalke aus Ruppertshofen - zugleich Vorsitzender des Bezirksbienenzüchtervereins Schwäbisch Gmünd - und die Zimmerergesellen der Firma Holzbau Kessler. Sie erweiterten zunächst das Flugloch und versuchen, die Bienen von außen her abzusaugen. Doch das, erzählt Wolfgang Dalke hinterher, wäre wohl zu einfach gewesen. Denn der Hauptbau der Bienen war so tief im Zwischenboden angelegt, dass die Bretter im Innenraum aufgesägt werden mussten, um an das Zentrum des Wabenbaus zu kommen. Dort allerdings hatten die Retter Glück. Als sie das erste Brett entfernten, entdeckten sie daran sofort die Wabe mit der Königin. Das Tier war grün gekennzeichnet, war also aus dem Jahr 2019 und vermutlich einem Imker aus der Umgebung „abgehauen“ - wie das die Natur vorsieht, mit der Hälfte ihres damaligen Volks. Der Schwarm hat sich dann die fast natürliche Holzhöhle im Täferroter Pfarrhaus ausgesucht und fleißig Waben gebaut. Diese lösen die Retter nun eine nach der anderen aus dem Zwischenboden, während Wolfgang Dalke mit einer Spezialvorrichtung vorsichtig die Bienen in einen Transportkarton saugt. Dort sitzt schon die Königin, die zudem eine Wabe mit der Brut ins neue Zuhause „mitnehmen“ darf. Die übrigen Waben wird Beate Kessler, die neben ihrer Arbeit im Zimmereibetrieb unter anderem als Kräuterpädagogin aktiv ist, auswerten, daraus leckeren Honig und Bienenwachs gewinnen.

Das Bienenvolk, geschwächt durch Milbenbefall und Hunger, weil es im Frühling so kalt war, wird von Wolfgang Dalke erstmal einige Tage gepflegt. Und weil es mindestens doppelt so groß werden muss, um zu überleben und die Königin warm zu halten, hat der Experte es dann einem starken Bienenvolk „aufgesetzt“ - getrennt durch ein Gitter, damit die Königinnen nicht zusammenkommen und um ihre Völker kämpfen. „Bienen sind sehr soziale Tiere. Die Arbeiterinnen helfen sich gegenseitig“, erklärt Wolfgang Dalke. Und sollte recht behalten. Denn nach einigen Wochen sind beide Völker gleich stark und er kann die Täferroter umziehen in ihre neue Heimat direkt beim Imkerpavillon im Himmelsgarten.

„Eine schöne Aktion, die der Natur hilft“, lobt Dr. Stefan Horrer, der selbst Imker und als Leiter des Amts Vermögen und Bau quasi Hausherr im Täferroter Pfarrhaus ist, das Engagement.

Weil das Absaugen von außen nicht funktioniert hat, mussten die Bienenretter im Innern des Gebäudes den Zwischenboden öffnen, um an die Waben zu kommen. Zum Glück wurde die grün markierte Königin direkt gefunden. Fotos: privat

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