Wenn die Feuerwehr selbst Hilfe benötigt

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Sammeln Einsatz-Schutzkleidung für Feuerwehrleute im Hochwassergebiet Ahrtal: (v.li. Sascha Mücke, Daniel Hösl und Markus Bareis.
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Feuerwehren aus der Region sammeln Einsatzausrüstung für Kameraden im Hochwassergebiet.

Täferrot. „Verheerend“, „eine regelrechte Verwüstung“ und „kriegsähnliche Zustände“ – alles Eindrücke, die Daniel Hösl und Sascha Mücke von ihrer ersten Fahrt ins Hochwassergebiet im Ahrtal mitbringen. „Wir haben ja die Bilder im Fernsehen gesehen, aber als wir dann vor Ort waren, war das noch eine Schippe drauf“, erklären beiden Feuerwehrmänner aus dem Schwäbisch Wald. Keine Frage, das Gesehene hat sich in ihr Gedächtnis gebrannt.

Konkret geht es um ein Feuerwehrhaus, das mittlerweile nicht mehr existent ist. Da es zu schwer beschädigt war, musste es abgerissen werden. Über einen halben Meter hoch stand darin Schlamm. Zudem lagen Bäume kreuz und quer im Florian, der in einem Gesamtkomplex mit Bürgerzentrum und Schule im Teilort Kreuzberg der Verbandsgemeinde Altenahr untergebracht war.

„Und jetzt steht die Feuerwehr dort vor dem Nichts“, sagt Daniel Hösl, Mitglied der Feuerwehr Mutlangen. Auch die gesamte Einsatzkleidung mitsamt Ausrüstung und Einsatzfahrzeug ist zerstört. Gerade diesen 16 aktiven Feuerwehrkameraden wollen Hösl und Mücke helfen.

Mit im Boot auch Täferrots Bürgermeister Markus Bareis. Er betont, dass er nicht als Bürgermeister, sondern als Privatperson und Feuerwehrmann agiert. Er habe sein Netzwerk genutzt und alle Amtskollegen um Sachspenden für die Kreuzberger Feuerwehr gebeten. Sprich, um Einsatzausrüstung, Stiefel, Brandschutzkleidung, Helme und Ähnliches. „Es geht um die komplette Erstausstattung“, fasst Bareis zusammen.

Erfreulicherweise wurden bereits neue Feuerwehr-Handschuhe von einem Unternehmen gespendet. Gebrauchte Jacken hat man auch schon. „Die sind zwar gebraucht, aber die tun es noch“, befindet Bareis. Im Hochwassergebiet wurde eine Bedarfsliste von den Feuerwehren erstellt – „es ist nicht nur eine abgesoffen“, verdeutlicht Bareis. „Wir bringen nur das hin, was sie brauchen.“

Neben den Feuerwehr-Utensilien wird auch schweres Gerät gesucht. Etwa Bagger, Radlader oder Motorsägen. „Wir suchen einen ganzen Bautrupp“, beschreibt Hösl. Bei der Fahrt vor rund zwei Wochen war eine Pfahlbronner Firma mit schwerem Gerät (Bagger, Radlader) mit von der Partie. Denn es muss erst einmal aufgeräumt und abgerissen werden, bevor etwas Neues aufgebaut werden kann.

Hilfe für Gastronomen

Und hier kommt Gastronom Sascha Mücke ins Spiel. Man kennt ihn aus seinem Lokal „La Calabria“ in Böbingen. Er reist als einstiger Berufskraftfahrer und gelernter Maurer bereits zum zweiten Mal mit ins Hochwassergebiet. „Helfen, wo man kann“, ist seine Devise. Und wenn schließlich alles aufgeräumt ist, und der Wiederaufbau beginnen kann, werde er sich zudem für die Gastronomie einsetzen. Denn auch die beiden Gastwirte in Kreuzberg haben alles verloren. „Es geht um Solidarität“, appelliert er an andere Gastwirte und bittet darum, spezielle Gastro-Geräte zu spenden.

Kommenden Freitag ist Abfahrt am Mutlanger Florian. Rund 400 Kilometer Fahrt steht dann bevor, um die gespendeten Dinge zu übergeben. „Dankenswerter Weise stellt uns die Gemeinde Mutlangen ein Einsatzfahrzeug der Feuerwehr zur Verfügung“, so Hösl.

Die gespendete Feuerwehr-Einsatzkleidung kommt nicht nur aus dem ganzen Ostalbkreis, auch aus Reutlingen etwa. „Jeder hat sein Netzwerk genutzt“, beschreibt Bareis. Er betont nochmals, dass es sich bei den Helfern und Spendensuchern nicht um eine spezielle Organisationen oder Verwaltungen handelt, sondern um einen „bunt zusammengewürfelten Haufen“. „Wir haben direkten Kontakt zu denen, die es brauchen. Und sorgen so dafür, dass es auch die Richtigen kriegen“, bekräftigen Bareis, Hösl und Mücke.

Die zerstörte Feuerwehr im Hochwassergebiet.
Das Hochwasser hat die Infrastruktur stark geschädigt.

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