Zeit und Wasser nagen am Fachwerk

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Baustelle evangelisches Pfarrhaus: Bereits im September wurde damit begonnen, die Farbanstriche am alten Fachwerkbau zu entfernen. Der Austausch schadhafter Balken und Hölzer ist erforderlich.

Die umfangreiche Renovierung am Täferroter Pfarrhaus geht voran. Was hier saniert werden muss und wie der aktuelle Baustand ist.

Täferrot

Gemeinsam mit der im Jahr 1491 errichteten Afrakirche, bildet das Täferroter evangelische Pfarrhaus seit 1768 ein stimmiges Ensemble. Der Zahn der Zeit und die Feuchtigkeit haben dem Pfarrhaus schwer zugesetzt. Das Gebäude befindet sich im Besitz des Landes Baden-Württemberg, "wurde aber schon immer der Kirche zur Verfügung gestellt", erklärt Dr. Stefan Horrer, Leiter des Gmünder Amtes des Landesbetriebs Vermögen und Bau. Umfangreiche Untersuchungen brachten das Ausmaß der Schäden ans Tageslicht. Das Wasser habe massive Schäden am Fachwerk verursacht. Jetzt sei es erforderlich, das Gebäude fachgerecht, substanzschonend und im Sinne des Denkmalschutzes zu sanieren.

Bereits im September wurde damit begonnen die Farbanstriche am alten Fachwerkbau zu entfernen. Der Austausch schadhafter Balken und Hölzer ist erforderlich. Das Fachmauerwerk muss stabilisiert werden und soll einen neuen Farbanstrich erhalten. Wo es erforderlich ist, muss der Kalkputz erneuert werden ein Anstrich mit Mineralfarbe soll folgen. Das Fachwerk benötigt einen neuen Anstrich, alle Fenster müssen erneuert werden, "die Kosten für einen Austausch der Fenster halten sich mit den Kosten für eine Sanierung der Fenster die Waage", erklärt Fachplanerin Alexandra Boni-Badenbach. Der Austausch oder die Reparatur der Blechsimse ist geplant. Die Klappläden müssen repariert werden, im Traufbereich ist eine neue Dämmung erforderlich, die Dachgaube wird instandgesetzt und die komplette Dacheindeckung muss erneuert werden.

Um die Zukunft des alten Gebäudes auf viele Jahre zu sichern, nimmt das Land knapp eine Millionen Euro in die Hand. Mit dem Handwerksbetrieb des Zimmermeisters Michael Kessler aus Gmünd hat sich das Land einen Partner ins Boot geholt. Kessler zollt den Handwerkskollegen aus dem 18. Jahrhundert seinen großen Respekt, das Gebäude habe trotz seines Alters eine "richtig gute Grundsubstanz und hervorragende Statik". Trotzdem sei über die Jahrhunderte hinweg das Dach undicht geworden, das Wasser hat dem Holz schwer zugesetzt. Möglichst schonend wurden von Kessler und seinen Mitarbeitern die verfaulten Dachsparren ersetzt oder in Prothesentechnik saniert, "der alte Bestand sollte größtmöglich erhalten werden" meint Kessler und verweist auf eine weitere Besonderheit im Dachstuhl, elf Meter lang sind hier die Dachsparren "und aus einem Stamm gefertigt". Mit 14 000 Biberschwänzen wurden jetzt das Dach neu eingedeckt, "21 Tonnen Gewicht ruhen jetzt auf dem Dachstuhl", erklärt Experte Kessler. Im ersten Dachgeschoss werden die Wände gedämmt, das alte, massive Fachwerk soll dabei sichtbar bleiben, erklärt Bauleiterin Monique Staack.

Der alte Bestand sollte größtmöglich erhalten werden.

Michael Kessler, Zimmermeister

Als nächstes steht die Fachwerksanierung außen an, bereits in den 1970er-Jahren gab es hier Renovierungsmaßnahmen. Unwissenheit und die Verwendung falscher Materialien hätten am Pfarrhaus die größten Schäden verursacht, dies sei besonders an der Nordseite erkennbar. Durch falsche Dämmung konnte das Fachwerk nicht mehr "atmen", Feuchtigkeit ist tief ins Fachwerkgebälk eingedrungen und hat der Hälfte der Balken irreparabel zugesetzt. Diese Hölzer müssen jetzt getauscht werden. Als besondere Herausforderung sehen Kessler, Boni-Badenbach und Staack die Restauration und den Austausch der Holzschwellen am oberen Sockelrand, auf dem die ganze Fachwerkkonstruktion des 16 Meter langen Gebäudes ruht.

Trotz mancher Überraschungen die solch ein historisches Bauwerk in sich trägt, liegen die Arbeiten im Zeitplan, die Fertigstellung Ende kommenden Jahres wird eingehalten, zeigen sich die Verantwortlichen zuversichtlich.

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