Unruhe im Winter ist eine große Gefahr

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Weil es wegen Schnee in der Deckung kaum etwas zu fressen findet, wagt sich das hungrige Wild zurzeit auch tagsüber unter die Obstbäume.

Wie die heimischen Wildtiere durch die kalte Zeit kommen und wie die Menschen sie durch rücksichtsvolles Verhalten dabei unterstützen können.

Mutlangen/Schwäbischer Wald

Schnee auf den Feldern und im Wald. Keine alternativen Freizeitangebote. Was liegt näher als sich jetzt ausgedehnte Spaziergänge zu gönnen? Dabei vergessen manche leider, dass der Wald das "Wohnzimmer" der heimischen Wildtiere ist. Und dass die freie Natur durchaus auch ihre Tücken hat. So können etwa unter der Schneelast Äste brechen und überraschend herunterfallen. Forstrevierleiter Max Kronmiller, beim Landratsamt Ostalbkreis zuständig für Mutlangen, Durlangen, Ruppertshofen, Spraitbach und Täferrot rät deshalb, grundsätzlich sollten Spaziergänger im Wald auf den Wegen bleiben. Hier sei die Gefahr von Schneebruch relativ gering. Spaziergänger, die sich abseits der Waldweg durch den Forst "schlagen" wollen, müssten sich der Gefahren bewusst sein. Zudem, warnt der Forstrevierleiter, gefährde der Waldtourismus auch das heimische Wild.

Werner Rupp, von der Jägervereinigung Schwäbisch Gmünd erklärt das genauer: Viele Wildtiere, vor allem Wiederkäuer wie das Reh, aber auch die meisten anderen wie Hasen und andere, die zusätzlich mit Raubtieren zu kämpfen haben, leben in den Wintermonaten auf Sparflamme. Sie fahren, unabhängig von der Witterung, ihren Stoffwechsel herunter und passen sich so an den Nahrungsengpass an. Jede Störung bringt dieses System in Unordnung und führt zu erhöhtem Energieverbrauch. Diese Ruhestörung kann bei geschlossener Schneedecke sogar den Tod der Tiere bedeuten.

Genauer gesagt: Werden die Tiere durch Fußgänger oder, noch schlimmer, durch frei laufende Hunde aufgeschreckt, bedeutet dies enormen Stress für die Tiere. Dieser Stress führt zu einem gesteigerten Energieverbrauch. Das Wild müsste dies durch Futter ausgleichen, das es nicht gibt.

Zudem: Die heimischen Wildtiere haben "unheimliche Angst vor Hunden", die, egal welche Größe, von den Tieren als Urfeind eingestuft werden. "Schon das Bellen versetzt die Tiere in Panik". Frei laufende Hunde können daher zu einer großen Gefahr für die Wildtiere werden, "Werden Wildtiere im Winter zu energieraubenden Aktionen wie etwa eine Flucht durch tiefen Schnee gezwungen, verbrauchen sie durch diese plötzliche Höchstleistung zu viel Energie." Ein Umstand, der zum Tod durch Erschöpfung führen kann.

Auch die sonst "hakenschlagenden" Hasen können frei laufenden Hunden zum Opfer fallen. "Die Tiere ducken sich nämlich erst, haben aber im Tiefschnee keine Chance gegen schnelle Hunde". Rupp appelliert eindringlich, Hunde angeleint zu lassen. Zwar gebe es keine Anleinpflicht in Baden-Württemberg, es gelte aber als Ordnungswidrigkeit, Hunde in Waldgebieten mit Wildtierbestand frei laufen zu lassen.

Auf der Flucht braucht das Wild zu viel Energie.

Werner Rupp, Jagdvereinigung

Nicht weniger gefährlich fürs Wild sind Mountainbikefahrer, die quer durch den Wald fahren. Grundsätzlich verboten sei das Befahren mit motorbetriebenen Fahrzeugen, als Ausnahme nennt Rupp hier Forst- und Waldarbeiten.

Zur Unterstützung bei der Nahrungssuche werden derzeit Rot- und Schalenwild, von den Jagdpächtern mit "Trester" gefüttert. Als Trester bezeichnet man die Obstrückstände die beim Mosten oder Saften entstehen. Das Zufüttern hilft schwächeren Tieren durch den Winter und verhindert dabei, dass das Wild seinen Nahrungsbedarf an frisch gepflanzten Bäumen deckt. Durch diesen Verbiss schädigen die Tiere nämlich die Bäume, dieser "Wildschaden" muss dann vom Jagdpächter aus eigener Tasche beglichen werden.

Neben Waldtouristen und frei laufenden Hunden lauern auf die Rehe weitere Gefahren. "Zurzeit sind die Geisen hochträchtig", erzählt Rupp. Von der Natur wurden die Rehe mit einer besonderen Fähigkeit ausgestattet, die Geisen können die Geburt der Kitze bis zu zwei Wochen hinauszögern. Danach "setzen" die Muttertiere die Kleinen in schützendem Grün ab. Die Gefahr, dass die neugeborenen Kitze den landwirtschaftlich genutzten Mähwerken zum Opfer fallen, ist sehr hoch. "Hier können mittlerweile Drohnen zur Sichtung eingesetzt werden". Eine lohnenswerte Investition für den Tierschutz, beobachtet Werner Rupp zufrieden.

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