Warum die Glocken noch nicht läuten

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Noch ist der Kirchturm in Hohenstadt bis an die Spitze eingerüstet.
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Tradition Coronabedingt muss Hohenstadt das traditionelle Patriziusfest noch einmal ohne Reitersegnung feiern und in diesem Jahr sogar noch eine weitere Einschränkung bekannt geben.

Abtsgmünd-Hohenstadt

Es hätte klappen können. Doch gab es, augenzwinkernd formuliert, offensichtlich zwischen dem wetterzuständigen Petrus und dem Hohenstadter Schutzpatron Patrizius ein Kommunikationsproblem. Mit Folgen: Der imposante Turm der Wallfahrtskirche konnte nicht rechtzeitig gestrichen, das Gerüst nicht weit genug abgebaut und das prächtige Geläut nicht aufgehängt werden. Deshalb gibt es zum Patriziusfest 2022 nicht den gewohnten Glockenklang. Überhaupt ist einmal mehr vieles anders bei dieser Traditionsveranstaltung.

Doch von vorne: Ganz klare Sache in der vierten Coronawelle, dass volle Kirche, proppenvolle Gasträume in Schloss, Fruchtkasten und Zelt sowie auch die Segnung der Pferde und Reiter als Publikumsmagnet abgesagt werden mussten. Ganz klar aber auch, dass um den Namenstag des großen Schutzpatrons trotzdem Gottesdienste gefeiert würden - und werden:

am Patriziustag selbst, am Donnerstag, 17. März, um 10 Uhr direkt in der Wallfahrtskirche Hohenstadt mit Prälat Werner Redies aus Ellwangen.

am Samstag, 19. März, um 18 Uhr mit Pfarrer Michael Holl als Vespergottesdienst, der musikalisch umrahmt und begleitet wird durch eine Gesangsgruppe des Chorus Lein unter Leitung von Bernd Büttner. Die Orgel schlägt Yannick Groß.

am Sonntag, 20. März, ist zusätzlich zum gewohnten Gottesdienst um 10.30 Uhr dann um 18 Uhr eine Anbetungsstunde „Sonntagabend mit Jesus“.

An all diesen Tagen müssen die Gläubigen verzichten auf die Einladung feierliche durch das prächtige Geläut. Denn noch ruhen die kostbaren und gerade erst sanierten Glocken sicher verwahrt in der Stuttgarter Spedition. Denn sie können erst in den Kirchturm zurückgehievt werden, wenn die Maler an der Turmspitze fertig sind und das Gerüst bis auf die Höhe der Schalllöcher abgebaut ist. Es müsste dafür, erklärt Dr. Martin Häußermann, der Laienvorsitzende des Kirchengemeinderats, einige Tage mindestens 10 Grad warm sein.

Ohnehin kann er von den beiden gesprungenen Glocken so einiges berichten, die im Dezember abgebaut und zu einer Spezialfirma nach Asten in den Niederlanden gefahren worden waren. Schon im Januar traf die Hiobsbotschaft in Hohenstadt ein: Nach der Reinigung habe die detaillierte Analyse ergeben, dass besonders die wertvolle Glocke III, die um das Jahr 1500 Material aus Bronze gegossen wurde, weit mehr beschädigt war, als bis dahin angenommen. Entdeckt wurde ein zusätzlicher Riss im Mittelteil der Glockenkrone. Und der bekannte Riss in der Außenhaut maß nicht 18 Zentimeter, sondern mehr als doppelt so viel, nämlich 50 Zentimeter. Glücklicherweise war beides reparabel, erzählt Dr. Martin Häußermann. Doch musste die Kirchengemeinde fast 1800 Euro mehr ausgeben für die Sanierung des Geläuts. Dieses, so hoffen die Verantwortlichen, könnte spätestens Anfang April wieder weit übers Kochertal zu hören sein. Wenn das Wetter mitspielt.

Übrigens werden von Donnerstag, 17. März, bis einschließlich Sonntag, 20. März, nach den Gottesdiensten wieder geweihte „Patrizius-Kerzen“ zum Kauf angeboten. Am Donnerstag und am Sonntag gibt es jeweils nach der Messe „Patrizius-Brezeln“.

Da die Plätze in der Kirche beschränkt sind, ist eine Anmeldung unter (07366) 7226 ratsam.

Es muss wenigstens 10 Grad plus haben.“

Dr. Martin Häußermann,, Vorsitzender Kirchengemeinderat
Der Risse an der Krone Glocke aus dem 15 Jahrhundert.
50 statt 18 Zentimeter misst der Riss an der Zarge der fast 525 Jahre alten Glocke.

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