Wetzgauer Straße in Mutlangen: Gnadenfrist oder Chance?

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Der Gemeinderat Mutlangen diskutiert erneut den Abriss der Gebäude 18 und 20 in der Wetzgauer Straße.
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Der Gemeinderat Mutlangen diskutiert erneut den Abriss der Gebäude 18 und 20 in der Wetzgauer Straße. Das sind die Argumente.

Mutlangen. Sie haben sich noch einmal vor Ort umgesehen und in der Gemeinderatsklausur ausführlich diskutiert: „Ganz klar und auch mit Blick auf die Finanzen“ schlage die Verwaltung trotzdem vor, die einst zur Flüchtlingsunterbringungen genutzten Häuser Nr. 18 und 20 in der Wetzgauer Straße in einem Arbeitsgang abzubrechen, leitet Bürgermeisterin Stephanie Eßwein ins Thema ein. Den Abbruch von Haus 20 hat der Gemeinderat bereits beschlossen. Ebenso, dass vonseiten der Gemeinde kein Geld mehr in die beiden Häuser investiert wird.

Der UWL-Fraktion ist der Erhalt von Haus 18 trotzdem ein Anliegen. Das Gebäude sei zwar älteren Datums, räumt Melanie Kaim ein. Aber sie könne sich zum Beispiel gut vorstellen, dass darin ein Heimatmuseum entstehen könne. Die UWL werde deshalb zu einer öffentlichen Fraktionssitzung einladen, um Ideen der Mutlanger zu sammeln und Mitstreiter zu finden. Noch hätten die Bürger nämlich keine Chance gehabt, sich zum Thema zu äußern, ergänzt Sebastian Weiler. Und außerdem gebe es keine Idee für die Nachnutzung des dann abgeräumten Grundstücks, meint Martin Schurr.

Hier hakt Harald Pfitzer ein. Auch er ist gegen einen Abbruch von Haus 18, das noch stabil dastehe. Es gebe deshalb auch keine Not. Wäre die Fläche frei geräumt, stünden aber wohl bald die Investoren Schlange und angesichts der angespannten Haushaltslage in den kommenden Jahren, sei zu befürchten, dass die Gemeinde schwach werde und das Sahnestückchen verkaufe.

Rose Gaiser kann sich dagegen weiterhin mit dem Erhalt des Gebäudes nicht anfreunden. Es sei zu groß, um als Heimat für irgendeinen Verein zu dienen. Auch habe sich aus der Bürgerschaft ihr gegenüber niemand für den Erhalt ausgesprochen. Für Inge März, die diese Erfahrung teilt, wäre ein Heimatmuseum besser andernorts angesiedelt - zum Beispiel in einem der Bunker auf dem ehemaligen Pershing-Gelände, womit man diesem Teil der jüngeren Mutlanger Geschichte gerecht würde.

Die Bürgermeisterin erinnert noch daran, dass für eine öffentliche Nutzung - etwa als Museum - in Haus 18 die komplette elektrische Verkabelung saniert werden müsste; dass die Stockwerkshöhe im ehemaligen Stallgebäude laut Landesbauordnung nicht ausreiche; dass das komplette Treppenhaus verbreitert werden und Brandabschnitte installiert werden müssten. Für jegliche Nutzungsänderung sei ein kompletter Bauantrag nötig und bei einem öffentlichen Betrieb greife die Versammlungsordnung. Sie schlägt aber vor, den Befürwortern des Erhalts bis Oktober 2023 die Chance einzuräumen, ein Nachnutzungskonzept auszuarbeiten - samt Finanzierungskonzept und tragfähigem Finanzplan für den nachfolgenden Betrieb. Denn die Gemeinde könne keine Mittel in das Gebäude investieren. Die Mehrheit des Gremiums stimmt zunächst gegen den sofortigen Abbruch und befürwortet anschließend diesen Aufschub. Die UWL-Fraktion stimmt dagegen.

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