„Wir Musiker lassen uns nicht unterkriegen“

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Musikverein Spraitbach

Warum der Musikverein Spraitbach schon jetzt am 100-Jährigen arbeitet.

Spraitbach. „Das Allerschlimmste wäre, wenn gar nichts mehr läuft“, findet Siegfried Steiner. Als Musiker aus Leidenschaft ist es für ihn schon schlimm genug, dass die Aktiven des Musikvereins im vergangenen Jahr nur zweimal öffentlich spielen konnten. Das nage an der Moral, befürchtet er - auch, weil er immer wieder von Vereinskameraden höre, die nicht wissen, ob sie nach der Pandemie noch mal zum Instrument greifen.

Das Vereinsleben retten

Die Musik - und besonders auch das Vereinsleben - müssen weiter gehen, sagt Siegfried Steiner, auch vor dem Hintergrund, dass der Musikverein Spraitbach im kommenden Jahr ein ganz besonderes Jubiläum feiern darf. 100 Jahre, von 1922 bis 2022, gibt es den lebendigen Zusammenschluss Gleichgesinnter dann. Seit Oktober schon wird am Fest geplant - einerseits, weil die Spraitbacher auf alle Eventualitäten bestens vorbereitet sein wollen; andererseits aber auch, weil damit zumindest ein Stück weit Vereinsleben durch die Coronazeit gerettet werden kann.

Mindestens zweimal in der Woche sehe man sich, berichtet Siegfried Steiner - allerdings mit leisem Bedauern, weil die Treffen nur virtuell möglich sind, was die gewohnte und geliebte Geselligkeit nicht ersetzen könne. Aber besser als nichts ist es eben auch, wenn das Organisationsteam sich austauscht. Themenfelder gibt es genug vom Rahmenprogramm über die Finanzen, das Catering, die Logistik, die Technik, das Sponsoring, die Werbung bis hin zum Festbüro sowie zu Recht und Sicherheit. Einen ganzen Ordner hat Siegfried Steiner schon jetzt vor sich liegen, wenn er über die Festvorbereitungen referiert.

Und dann gibt es da noch einen ganz wichtigen Punkt: die neue Uniform, die die Spraitbacher Musiker sich selbst zum 100-Jährigen „schenken“. Nicht nur, weil das alte G'wand so in die Jahre gekommen ist, dass nichts mehr nachgekauft werden kann. Sondern auch, weil es darum geht, die Gemeinde überall im besten Licht zu repräsentieren. „Immer, wenn wir irgendwo auswärts sind, kommen die Zuhörer und fragen uns über Spraitbach aus“, erzählt Siegfried Steiner. Und kennt sogar eine junge Familie, die auf diesem Weg zum ersten Mal von der Gemeinde gehört hat und jetzt hier ein Haus baut.

Per Umfrage unter den Musikern werde man nun zunächst die Wünsche abfrage, erzählt Siegfried Steiner von dem Bemühen, auf diesem Weg eine Uniform zu finden, die den Geschmack der jüngeren Musiker ebenso trifft wie den der Ältern.

Gleichzeitig suchen die Aktiven fieberhaft nach Möglichkeiten, die Finanzierung der neuen Kleidung auf die Beine zu stellen. Feste, mit denen Einnahmen generiert werden könnte, sind zurzeit ja undenkbar. Immerhin, freut sich Siegfried Steiner, seien die Spendenaufrufe im Amtsblatt nicht ungelesen verpufft. Dass die örtlichen Geschäftsleute, denen es coronabedingt derzeit alles andere als rosig gehe, ihren Musikverein unterstützen, das ernte höchste Bewunderung, versichert das rührige Ehrenmitglied dankbar. Obendrein hat der MV eine Jubiläumstasse entworfen, deren Verkauf einen Teil zur Finanzierung beitragen kann. Und schließlich nutzen die Aktiven jede Möglichkeit, sich nützlich zu machen - zum Beispiel als Helfer bei Bike the Rock. Ehrensache, dass die Aufwandsentschädigung direkt in die Vereinskasse fließt.

Wenn alles glatt läuft, könnte die neue Uniform mit dem Frühjahrskonzert im Mai 2022 präsentiert werden, gibt Siegfried Steiner Einblick in den Zeitplan. Das Jubiläumsfestwochenende ist vom 24. bis 26. Juni 2022 terminiert und mit dem Kreismusikfest des Ostalb-Blasmusikverbandes kombiniert. Die 87 Spraitbacher Aktiven in fünf Ensembles werden dann vor allem beim großen Umzug am Samstag von Musikvereinen aus dem ganzen Kreis verstärkt. „Richtig toll ist auch, dass die Gemeinde uns so unterstützt“, lobt Siegfried Steiner.

Viel zu tun fürs Orgateam

Bis allerdings - vom fetzigen Partyabend am Freitag bis hin zum musikalischen Jubiläumsausklang dann am Sonntag alles reibungslos geplant ist, gibt es noch Einiges zu tun für das Organteam. Dem gehören neben dem Vorstandstrio - Michael Harsch, Nico Klink und Melanie Harich sowie Jugendleiterin Corinna Harsch zurzeit als Arbeitsgruppenleiter an: Oliver Hölldampf, Roman Hölldampf, Karin Sachsenmaier, Andreas Kiemel, Lukas Sachsenmaier, Heidrun Hasel, Steffi Sachsenmaier, Siegfried Steiner und Ulrich Rupp. Jede von ihnen geleitete Gruppe hat schon mehrere Helfer an. „Ein gutes Zeichen, das den Zusammenhalt zeigt und deutlich macht, dass wir Musiker uns von der Pandemie nicht unterkriegen lassen“, findet Siegfried Steiner.
Anke Schwörer-Haag

Foto: aks

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