Wo's 120 verschiedene Nikoläuse gibt

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Foto: Jan-Philipp Strobel
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Weil die Lebendige Krippe in diesem Jahr abgesagt ist, haben die Mutlanger Kinder gemalt und gebastelt und am Sonntag ihre Kunstwerke übergeben. Die werden ab Montag im Rathaus ausgestellt.

Mutlangen

Die Aufregung war sichtbar. Zaghafte Schritte nach vorne. Immer ein Stück näher. Und noch ein Stück. Dann mit großen Augen den alten Mann mit dem weißen Rauschebart beäugen. Schließlich den ganzen Mut zusammengefasst und das selbstgemalte Bild in der Hand ganz langsam dem Mann im rot-weißen Gewand entgegengestreckt.

Dieser wirft einen Blick auf das Bild. Und stellt schließlich bedächtig nickend fest: „Das hast du aber wirklich wunderbar gemalt. Das bin ja ich!“ Eifriges Nicken des Jungen ist die Antwort. Darauf greift der alte Mann in den Sack neben sich und zieht einen Schoko-Nikolaus heraus. „Dann hast du dir diesen wirklich verdient.“

Strahlend nimmt der kleine Sammy die Süßigkeit entgegen und geht zügig zu seiner Mama zurück. Die freut sich und erzählt, dass Sammy insgesamt sieben Bilder für den Nikolaus gemalt hat. Und auch Töchterchen Keira legte gleich los, als die Aufforderung aus dem Rathaus kam.

Denn Bürgermeisterin Stephanie Eßwein und ihr Verwaltungsteam hatten die Idee, den Nachwuchs aus den Kindergärten und der Grundschule zum Malen eines Nikolaus zu animieren. Dass diese Idee überaus gern angenommen und umgesetzt wurde, zeigte sich am Sonntag auf dem Außengelände der Tanzschule Disam. Chef Alexander Disam freute sich ebenso wie die Bürgermeisterin über die große Resonanz auf die Malaktion. „Es ist einfach wichtig, dass die Kinder diese Vorweihnachtszeit auch freudig erleben“, findet Disam. Was angesichts der mannigfaltigen Absagen von Veranstaltungen, darunter auch die traditionelle Lebendige Krippe in Mutlangen, gar nicht so einfach ist. Hatten dort doch immer die Kinder aus Schule und Kindergärten dafür besondere Vorführungen einstudiert, hatten gesungen und getanzt.

„Und jetzt geht das eben leider nicht“, bedauert auch Bürgermeisterin Eßwein. Und wurde die Alternative erfunden: Der Auftrag, Nikolausbilder zu malen. Eine Mutter berichtet, wie eifrig die Kinder sich sogleich an die Arbeit gemacht hatten. Wie auch die rund 120 anderen Mutlanger Steppkes.

An diesem Sonntag nun wurden all die gebastelten und gemalten Kunstwerke schließlich dem Nikolaus persönlich übergeben. Der hatte es sich in einem großen Sessel in einem Pavillon vor der Tanzschule gemütlich gemacht und wartete freudig auf die Kinder.

In zweieinhalb Stunden konnten die Mädels und Jungs mit ihren Eltern dort vorbeischauen, Süßigkeiten, Wurst und Getränke zum Mitnehmen erstehen und ihre Bilder und Basteleien abgeben. „Es sind rund 120 Kinder gewesen, die sich beteiligten“, berichtet Bürgermeisterin Eßwein am Abend.

Gemeinsam mit Denise Steinle hat sie dann die abgegebene Bilderfracht zum Rathaus gebracht. „Und ab morgen bis Weihnachten jeder dort die Bilder und Basteleien an den Rathausfenstern von außen betrachten. „Da lohnt sich der Spaziergang mit der ganzen Familie“, schlägt Stephanie Eßwein vor.

Denn es zeigt sich auch, dass die Kinder eine ganz unterschiedliche Vorstellung vom Nikolaus haben. Der Kreativität waren keine Grenzen gesetzt. Jedes Bild und jede Bastelei für sich ist ein Unikat vom Mutlanger Nachwuchs eigenhändig gefertigt.

„Eine tolle Aktion“, waren sich die Eltern einig. Und der Nachwuchs verließ den Platz vor der Tanzschule nicht selten mit stolzgeschwellter Brust und einem Schoko-Nikolaus in der Hand. Mancher hatte dabei auch die Gelegenheit genutzt, dem Nikolaus den eigenen Weihnachtswunsch zu verraten. „Die Kinder hatten ihre Freude“, beschreibt Alex Disam und findet: „Das ist das Wichtigste.“

Gemeinsam mit Gattin Tanja hatte er deshalb auch im November dafür gesorgt, dass St. Martin samt Pferd und Bettler vorbeischauten. Die beiden scheinen einen guten Draht zu den wichtigen Persönlichkeiten zu haben, die den Kindern so viel bedeuten. Auch in Pandemiezeit.

Einmal musste der Nikolaus allerdings eine Herausforderung meistern, denn ein Mädchen erkundigte sich bei ihm, wo denn die Rentiere sind? „Die sind beim Weihnachtsmann, ich bin ja der Nikolaus“, erklärte er souverän.

Die Freude der Kinder ist das Wichtigste.“

Alexander Disam,, Gastgeber der Aktion

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