Wo geheime Rezepte gehütet werden

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Hans-Peter Kurz (vorne) und Wolfgang Graw beim "Einschießen"
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Seit Jahrzehnten sind die Fladen für das Inselfest eine höchst begehrte Leckerei. Wie sie entstanden sind und was die Arbeit heute erleichtert und wie die Qualität bewahrt wird.

Durlangen-Zimmerbach.

So wird aus einer Idee eine Tradition: Das Inselfest des Musikvereins Zimmerbach gibt es seit mehr als 70 Jahren auf der Festwiese im Leintal bei der Leinmühle. Seit 41 Jahren sind dort selbst gebackene Fladen, süß oder herzhaft ein Erfolgsgarant. Ein Blick zurück.

Auf die Idee die Fladen auf die Speisekarte zu nehmen, sei 1981 Adolf Schestak gekommen, erinnert sich „Pfeiders Georg“ Kurz. Damit habe man „mehr Menschen“ anlocken wollen und war erfolgreich. Denn seitdem bilden sich Jahr für Jahr lange Menschenschlangen vor dem mobilen Backhaus des Vereins. Alle warten geduldig die auf die ofenfrischen Köstlichkeiten. Der Ansturm war bisweilen so groß, dass die Fladen nur noch in begrenzter Stückzahl an die hungrigen Gäste verkauft werden konnten. Denn jeder „Fladenwillige“ sollte schließlich für sein Warten belohnt werden.

Um die Gäste mit der begehrten Speise zu verwöhnen, musste die Zimmerbacher Musikerfamilie in den Anfangszeiten ziemlich findig sein. „Pfeiders Irene“ Kurz hat all das fein säuberlich notiert: Zu Beginn wurden die Fladen in den heimischen Backöfen und Backhäusern im „Hasen“ bei Familie Ripberger und Graw und bei Familie Kurz gebacken. Jahrelang sorgte Familie Lakner im „oberen Lachen“ in ihrem Backofen für die fürs Fest benötigten Brote. Für die Fladen wurden dazwischen bei „Klotzas“ - Familie Weiß, Familie Rupp und Familie Bauer - der Ofen und die Arbeitskraft der Familien genutzt. Aber egal bei welcher Familie die leckeren Teile aus dem Ofen kamen, alle fertigen Fladen musste ins Leintal gefahren werden und wurden dort über einem Gasbrenner noch einmal erhitzt.

Mobiles Backhaus selbst gebaut

Die erste große Verbesserung kam mit dem mobilen Backhaus, das 2006 von den findigen Musikern selbst gebaut wurde. Auf dem Fahrgestell eines Krans wurde ein Backhaus mit zwei Backröhren errichtet, das tonnenschwere Gefährt ermöglichte es dem Verein, jetzt auch beim „Musizieren unterm Maibaum“ am 1. Mai die selbst gebackenen Leckereien anzubieten und schnell ähneln auch hier die Bilder denen vom Inselfest.

Was macht die Zimmerbacher-Fladen“ zu einem solchen Magnet, dass die Gäste von weit her anreisen und gerne auf ihre Portionen warten? Die Kontinuität, vermutet Irene Kurz. Tatsächlich wird seit 41 Jahren und auch in den Jahren ab 2006, in denen Loni Kurz für das Backteam verantwortlich war, alles penibel gleich gemacht. Aus rund 50 Kilogramm Teig werden gleichmäßig große Batzen abgewogen. Die seit einigen Jahren vorhandene Wellmaschine erspart dabei nicht das „von Hand nachwellen“. Die Teigfladen haben später grundsätzlich die gleiche Größe.

Eine ganze Truppe wird für den Belag benötigt. 50 Kilogramm Zwiebeln müssen dazu „ausgezogen“ und geschnitten werden, die halbe Menge an Äpfeln wird für die süßen Fladen geschält und in Schnitze geschnitten. Die immensen Schnittlauchmengen werden in den Gärten einiger Zimmerbacher angebaut und kultiviert. Ebenso das Obst, das die süßen Fladen veredelt, erzählt Christina Mezger, die in diesem Jahr in „dritter Generation“ gemeinsam mit Biggi Hägele erstmals für die Fladen verantwortlich war. Knapp ein Dutzend Frauen sind dann damit beschäftigt, die Fladen zu belegen.

Das derzeitige Team arbeitet seit Jahren zusammen, hier weiß jede, was zu tun ist: Erst die „Rahmstreiche“ verteilen, deren Rezept von Backteam zu Backteam weiter gegeben, an dieser Stelle aber nicht verraten wird. Dann wandern die hölzernen Teller mit den Fladen von Hand zu Hand, Zwiebeln, Kreuzkümmel, Schnittlauch, Grieben und ein Hauch flüssiger Butter werden verteilt, dann erfolgt der letzte und wichtigste Schritt, das „Einschießen“ ins Backrohr.

Seit Jahren sind Wolfgang Graw und Hans Peter Kurz die „Herren des Feuers“, die schweißtreibende Arbeit erfordert Geschick und ein gutes Augenmaß, denn auf den Punkt genau gebacken, müssen die Fladen den Ofen verlassen.

Auf den Punkt gebacken
Salzkuchentruppe beim Inselfest
Salzkuchentruppe beim Inselfest
Mit viel Liebe werden auch "besondere" Wünsche erfüllt
Salzkuchentruppe beim Inselfest

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