Wo sofort viele Hände mit anpacken

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Die Dorfgemeinschaft Utzstetten richtet das Waaghäusle wieder her.
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Aus langjähriger Erfahrung kann die Gemeinderätin Ingrid Bareis erklären, warum in Täferrot und seinen Teilorten Tierhaupten und Utzstetten vieles eben trotzdem funktioniert.

Täferrot-Utzstetten

Wenn ich das sehe, dann freut mich das sehr“, lobt Ingrid Bareis das besondere Bürgerengagement in der Gemeinde. Ganz konkret geht es in diesem Fall um die Eltern, die den Spielplatz hinter der ehemaligen Raiffeisenbank Täferrot auf Vordermann bringen. Solche Eigeninitiative ist Lebenselixier für eine kleinere Gemeinde, die - eingeschränkt von Pflichtaufgaben und eher bescheidenen Finanzmitteln - keine großen Sprünge machen kann.

Als inzwischen erfahrene Gemeinderätin weiß Ingrid Bareis um diese Grenzen und ist deshalb besonders froh und gerne dabei, wenn im Dorf trotzdem etwas geht. Paradebeispiel dafür ist die kleine, einst vom Sterben bedrohte Landgrundschule. Gerade mal 37 Kinder waren es noch und fast keine Lehrer mehr, als Rektor Sigmar Zidorn und Lehrerin Nina Dolderer dem Gemeinderat das Schulbauernhof-Konzept als Überlebensstrategie vorschlugen. „Die Gemeinde hat die Chance gesehen“, erinnert Ingrid Bareis. Dass das Konzept seit 2014 funktioniert und inzwischen rund 80 Schülerinnen und Schüler diese besondere Grundschule besuchen und lieben - das liege aber auch am besonderen Engagement der Eltern, der Ehrenamtlichen und eigentlich aller Täferroter, die hinter der Bildungseinrichtung stehen.

Dass man sich einsetze in und für die Gemeinde, das gehöre einfach dazu, beobachtet Ingrid Bareis, die selbst im Schulförderverein, im SV, in der Ganztagsbetreuung oder als VHS-Leiterin aktiv ist. Und jetzt bei der noch nicht mal sechs Monate alten Dorfgemeinschaft Utzstetten. Gemeinsam aktiv - etwa beim Bänklestreff oder bei Festen - war man im Teilort schon öfter. Doch nun, da im ehemaligen Raiba-Lagerhaus endlich Räume zur Verfügung stehen, hat man - wie im Nachbarteilort Tierhaupten schon seit jeher - eine eingetragene Gemeinschaft ins Leben gerufen. Inzwischen sind 80 der rund 300 Einwohner von Utzstetten in den Verein eingetreten und, was Ingrid Bareis besonders freut, im Vorstand sind alle Generationen aktiv. Auch die ersten Arbeitseinsätze laufen. So sind die Verwaltungsräume im Lagerhaus inzwischen leer geräumt, die alte Heizung abmontiert und ein Streich-Trupp mit etlichen jugendlichen Helfern nimmt sich immer samstags der Wände an.

Das Waaghäusle - bislang vom Bänklestreff als Lagerraum genutzt - ist mit einer Großaktion ausgeräumt worden, das Dach erneuert, Wandbretter ausgetauscht. „Stundenlang lief der Staubsauger“, erzählt Ingrid Bareis davon, dass nun alle Spinnweben verschwunden sind und das hübsche Häusle, in dem einst Tiere und Waren gewogen wurden, „wieder topp dasteht“. Das sei das Schöne am Leben im Täferrot, findet Ingrid Bareis, „wenn etwas ist und man ruft zur Mithilfe auf, dann sind viele da“.

Herausforderungen, die Kreativität und Tatkraft erfordern, sieht die Gemeinderätin viele. Wohnideen fürs Alter oder bei Pflegebedürftigkeit wäre eines der Themen. Am liebsten hätte sie eine Lösung, bei der die Menschen die gewohnte Umgebung nicht verlassen müssen.

Bekannter Kopf

Er ist ein Vorbild: Otto Ostertag ist Fußballer aus Leidenschaft und hat sich hier immer im Ehrenamt engagiert - 24 Jahre als Jugendleiter beim SV Durlangen zum Beispiel. Otto Ostertag ist Chef der Seniorengemeinschaft und Sänger aus Leidenschaft. Eine Passion, die Dirigentin Rita Kottmann weckte, als sie den 74-Jährigen einst als Moderator anwarb. Schnell war Ostertag Liederkranzvorstand, bald, hofft er, „dürfen wir wieder mit Singen beginnen“.

Instagram-Fotomotiv

Zum elften Mal begeistert Ewald Sehl in seinem Vorgarten in Tierhaupten mit einer wundervollen Osterlandschaft. Gegenüber vom Dorfgemeinschaftshaus können Spaziergänger noch bis zum 1. Mai kunterbunte, filigrane und handbemalte Eier bewundern, 4500 an der Zahl - von Wachteln, Hühnern, Gänsen und Straußen. Ganz neu gibt es auch ein Windrad, über dem die Milane kreisen. So wird Lokalkolorit augenzwinkernd eingefangen.

Schon gewusst?

Zugegeben, es wirkt noch ein bisschen kahl und farblos. Eben wie ein Gerüst. Doch schon bald wird dem Weiden-Tipi am Kindergarten „Rottalwichtel“ ein grünes Kleid wachsen. Denn die Zweige, die als Fundament in die Erde gesteckt sind, werden täglich gewässert. Entstanden ist das natürliche Tipi bei einer Elternaktion. Und die Weiden wurden gestiftet. Kita-Leiterin Isabell Menschl und die rund 40 Kids freuen sich schon riesig auf das Blätterdach.

Die Gemeinde hat die Chance gesehen.“

Ingrid Bareis, zum Schulbauernhof
weidentippi täferrot kindergarten
Tolle Fotomotive gibt es in der Osterlandschaft.
Otto Ostertag
Die Dorfgemeinschaft Utzstetten richtet das Waaghäusle wieder her. Der Staubsauger ist dabei ein wichtiges Utensil.
Die Dorfgemeinschaft Utzstetten richtet das Waaghäusle wieder her. Die Windschutzbretter werden wieder befestigt.
Die Dorfgemeinschaft Utzstetten richtet das Waaghäusle wieder her.
Ingrid Bareis

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