Ein Selbstbedienungsladen für Wißgoldingen?

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Das gibt's in Wißgoldingen (v.l.): Stefanie Heilig, Agnes Schmid und Lisa Heilig von der Aktionsgruppe Nahversorgung mit im Ort gekauften Produkten vor dem Lebensmittel-Automat, der Stuifen-Kiste.
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Die Aktionsgruppe Nahversorgung sucht verschiedenste Möglichkeiten, um das Angebot im Dorf zu verbessern. Die Ideen reichen vom Selbstbedienungsladen bis zum mobilen Marktstand.

Waldstetten-Wißgoldingen

Die Aktionsgruppe Nahversorgung ist eine der schwierigsten“, sagt Ortschaftsrätin Lisa Heilig. Sie ist zusammen mit Tochter Stefanie Kümmererin in der Aktionsgruppe Nahversorgung im Quartiersprojekt „Wir leben Dorfgemeinschaft“. Wißgoldingen habe „die volle Problematik getroffen“, die auch die Aktionsgruppe nicht auffangen könne. Immerhin habe der Ort „das Glück des dörflichen Charakters“, bezieht sich Heilig auf die Umfrage des Dorfvereins vor zwei Jahren. Hier besorgten mobile Nachbarn für andere das Nötige, da stimme der Familienverband und die Kirchengemeinde biete eine Nachbarschaftshilfe an. Nahversorgung in kleinen Dörfern: ein schwieriges Thema. Die Gewohnheiten vieler Menschen haben sich geändert, sie machen mit dem Auto Erledigungen und den Großeinkauf im Supermarkt in der größeren Kommune. Vom sporadischen kleinen Einkauf in letzter Minuten fällt nicht genug Gewinn für Läden vor Ort ab, die mit ihrer eingeschränkten Verkaufsfläche in der Regel nicht mit den großen Märkten konkurrieren können. Dem gegenüber stehen Menschen, die auf Angebote vor Ort angewiesen sind. 

Dennoch: „Jeder fände einen Laden toll, ob er angenommen wird, ist die andere Frage“, sagt Heilig. Eine Möglichkeit: ein genossenschaftlich geführter Dorfladen mit den Wißgoldingern als Mitgliedern. Dafür fehle zum einen jemand, „der das in die Hand nimmt“, außerdem schätzt Heilig: „Dafür sind wir ein bisschen zu klein.“ Eine weitere Idee, die die Aktionsgruppe intensiv verfolgt: ein „Tante-M“-Laden. Das mittlerweile in einigen Dörfern verwirklichte Konzept von Unternehmer Christian Maresch hat sich Heilig in Börtlingen angeschaut: Die Kunden können in dem kleinen Laden dort 365 Tage im Jahr zwischen 5 und 23 Uhr einkaufen und an der Selbstbedienungskasse ihre Waren - darunter viele regionale Produkte -  scannen und bezahlen, eine 450-Euro-Kraft räumt die Regale ein. Und: Der Betreiber des Börtlinger Ladens würde in Wißgoldingen einsteigen, wenn es dort eine geeignete Fläche gäbe. Ortschaftsrätin Agnes Schmid „putzt Klinken“, doch bisher sei entweder die angebotene Fläche zu klein oder die Eigentümer geeigneter Räumlichkeiten wollen nicht vermieten, sagt Heilig. Auch sie putzt Klinken – was einen Metzger für Wißgoldingen betrifft. Überall, wo sie zum  Einkaufen hinkomme, frage sie nach.  Mittlerweile geht’s dabei nicht mehr allein um Ersatz für die Metzgerei im Ort, die vor zwei Jahren geschlossen hat. Sondern um einen Stand auf dem Dorfmärktle. „Wir waren da schon relativ weit“, sagt Heilig, gescheitert sei es am Ende am Personalmangel.

Kunden anlocken

Weil das dienstägliche Dorfmärktle ein wichtiges Standbein der Wißgoldinger Nahversorgung ist,  bemühen sich die Mitglieder der Aktionsgruppe, stets im engen Miteinander mit Ortsvorsteherin Monika Schneider und Quartiersmanagerin Magdalene Rupp, um Ideen, die Kunden anlocken. Der "Tag des Nachbarn“, ein Treff zur Marktzeit, ist so eine. Weil sie gewiss keine Konkurrenz schaffen wollen, haben die Mitglieder der Aktionsgruppe Kuchen beim Marktbeschicker, der Bäckerei Kottmann, gekauft und diesen zusammen mit Kaffee im Bezirksamt angeboten, erzählt Heilig. Seit Neuestem lasse sich das vernetzen mit dem „KuKaff“, dem frisch im Bezirksamt eröffneten Dorftreff, der dank der Anstrengungen der gleichnamigen Aktionsgruppe ebenfalls im Rahmen des Quartiersprojekts fertiggestellt wurde. Ein weiteres Ziel sei es, einen mobilen Marktstand zu etablieren. Wenn etwa der Imker Honig oder jemand anderes gerade Zwetschgen anzubieten hätte, könnte er diese hier verkaufen, laute die Idee von Quartiersmanagerin Rupp.  Allerdings: „Den Stand muss ‚mer‘ noch bauen“, sagt Heilig, „und den ‚mer‘ suchen wir noch“.    

Die Aktionsgruppe Nahversorgung blickt auch auf das Vorhandene. „Es gibt ganz viele Produkte am Ort“, sagt Heilig und nennt unter anderem das Angebot der Gärtnerei Kaller und weiterer Selbstvermarkter. Diese Möglichkeiten  möchte die Aktionsgruppe bekannter machen, etwa mittels Flyern. Weiteres Standbein der Nahversorgung ist die vom Ehepaar Joos betriebene Tankstelle, dort gebe es alles „von Sekt bis zum Tempo“, sagt Heilig. Außerdem kommt das Bäckereimobil täglich außer montags. Und die Stuifen-Kiste mit Lebensmitteln aus dem Automaten hat nach dem Ende am „Adler“, wo sie in der prallen Sonne stand, und nach eineinhalb Jahren Pause ihren neuen Platz am Bezirksamt gefunden. Und es gibt noch eine einzige Gaststätte, den „Hirsch“. Der habe seine Terrasse „ganz toll aufgerüstet“ und biete teils Mittagstisch. „Man kann immer wieder nur sagen: Nutzt es!“, appelliert sie an die Wißgoldinger, so zum Erhalt der Angebote beizutragen.  

Den Erhalt eines im weitesten Sinne zur Nahversorgung gehörenden Angebots, hat die Aktionsgruppe einfach selbst organisiert:  den Grüncontainer am Stuifen-Parkplatz. Nachdem die Gemeinde x-mal inseriert und bei Vereinen nach Helfern gefragt habe, hat Lisa Heiligs Tochter Stefanie sich ein Herz genommen und schließlich die Zusage vieler Helfer bekommen. In der Folge wurde ein Vertrag zwischen der Gesellschaft des Ostalbkreises für Abfallwirtschaft (GOA) und dem Dorfverein geschlossen, der bekomme nun das Geld, die Helfer arbeiten ehrenamtlich. Samstags zwischen 14 und 16 Uhr „ist das ein richtig kommunikatives Plätzle“, sagt Heilig.  Auf viele Projekte, die die insgesamt sieben Aktionsgruppen derzeit anstoßen, passt, was die Kümmererin zu diesem sagt: „Jemand muss es in die Hand nehmen“, dann läuft’s.  

    

Neue Mitstreiter gesucht

Das nächste Treffen der Aktionsgruppe Nahversorgung im "KuKaff" im Bezirksamt  ist am Montag, 5. September, um 19 Uhr, neue Mitstreiter werden dringend gesucht, sagt Kümmererin Lisa Heilig. 

Die Gmünder Tagespost stellt in lockerer Folge die Arbeit der sieben Aktionsgruppen im Wißgoldinger Projekt „Wir leben Dorfgemeinschaft“ vor. Wer an diesem Bürgerprojekt mitwirken möchte, kann sich für weitere Auskünfte bei Quartiersmanagerin Magdalene Rupp unter der Telefonnummer (07171) 40357 oder per E-Mail an: magdalene.rupp@haus-lindenhof.de melden.

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