Ein Wißgoldinger auf dem Weg in die energetische Unabhängigkeit

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Mit der Pelletheizung begann für Tanja Stütz (l.) und Brigitte Hahn-Traub, die die zweite Wohnnung im Haus bewohnt, der Weg in die energetische Unabhängigkeit, den Alexander Stütz seither kontinuierlich ausbaut.
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Mit der kaputten Ölheizung fing alles an: Alexander Stütz krempelt seinen Haushalt um und nutzt Holz, Sonne und bald auch Wind zur Energiegewinnung.

Waldstetten-Wißgoldingen

Der Sohn neu geboren und die Heizung defekt: eine ganz und gar ungute Kombination. Und so hat Alexander Stütz mitten im kalten Winter 2009 begonnen, seinen Haushalt auf regenerative Energien umzustellen. Zwangsläufig, denn damals vor 14 Jahren hat die 39 Jahre alte Ölheizung in dem Wißgoldinger Zweifamilienhaus den Geist aufgegeben. Und nun? Wieder auf Öl setzen? Stütz war sich damals rasch mit der anderen Familie im Haus einig: Eine Pellets-Heizung sollte es werden. Gut mit Rat von dem Statiker, dem Heizungsbauer und dem Zimmermann in seiner Familie ausgestattet, hat Stütz das Silo für die Pellets im Keller selbst gebaut. Und während seine Frau Tanja mit dem Baby vom Krankenhaus vorübergehend zu ihren Eltern gezogen war, hat Alexander Stütz als gelernter Elektriker nachts alles Notwendige an Elektrik eingebaut, während tagsüber der Heizungsbauer am Werk war. In zwei Wochen sei die Anlage gebaut gewesen, Heizungen habe man damals schnell bekommen, erinnert er sich.

Allein mit der Pellets-Heizung für die zwei Wohnungen mit jeweils gut 150 Quadratmetern Fläche wollte sich Stütz dann allerdings nicht mehr begnügen. Den 1000-Liter-Wasserspeicher mit Sonnenenergie zu heizen, war sein nächstes Ziel. So kamen rund zehn Quadratmeter Solarplatten ans Balkongeländer. Die Anlage laufe etwa von Mai bis September.  Und beim Blick auf ein im Garten vergessenes Windrädchen kam Stütz eine Idee, um die restlichen Monate zu überbrücken. Bei seiner Recherche im Internet stieß er auf eine Firma in Schleswig-Holstein, die Kleinwindanlagen zur Energiegewinnung vertreibt. Der Anbieter ließ Stütz erstmal ein halbes Jahr lang die Windgeschwindigkeiten an seinem Haus aufzeichnen. „Wir haben in Wißgoldingen genug Wind“, ist seine Erkenntnis. So wartet er nun auf ein Angebot für ein 8,75 Meter hohes Windrad in seinem Garten, der Rotor wird einen Durchmesser von 2,40 Metern haben. Dreht sich das Windrad, erzeugt ein Generator Strom, der den Tauchsieder in Stütz‘ Wassertank erhitzt, „dann macht die Pellets-Heizung Pause“. Bis zehn Meter Höhe sind solche Windräder genehmigungsfrei. Und Probleme mit der Nachbarschaft wird’s kaum geben. Weil niemand sich an Schlagschatten stören werde. Und weil das Windrad bei einer Windgeschwindigkeit von etwa 160 Stundenkilometern – ein kräftiger Orkan – lediglich eine Lautstärke von 42 bis 45 Dezibel erreiche, das entspricht ruhigen Wohnungsgeräuschen.  Außerdem grenze an die eine Seite seines Grundstücks lediglich der Friedhof. Und der Nachbar auf der anderen Seite verfolge sein Vorhaben wissbegierig, sagt Stütz. „Er wird der nächste sein, der so was aufstellt“, habe er gesagt.

Ein weiteres Standbein zur energetischen Unabhängigkeit liegt schon bereit: ein Balkonkraftwerk. Etwa 500 Kilowattstunden Strom pro Jahr  können die zwei 140 auf 80 Zentimeter großen Paneele liefern, die Stütz auf seiner Gartenhütte installieren will, sobald der Schnee geschmolzen ist. Das decke den Verbrauch von Kühlschrank, Gefrierschrank, Wasch- und Spülmaschine, zumindest tagsüber. Den Überschuss speist Stütz gratis ins Netz der ODR ein, sonst müsste er als Stromerzeuger Umsatzsteuer zahlen.  

Eine Rechnung, die aufgeht

Der Weg in die energetische Unabhängigkeit ist für Stütz nicht nur ein ideeller, sondern immer auch eine pragmatische Rechnung. Das Windrad koste samt Fundament und Genehmigungen etwa 6700 Euro. Von den etwa acht Tonnen Pellets, die die beiden Haushalte pro Jahr benötigen, könne er dank Windkraft drei bis vier Tonnen sparen, das mache etwa 1800 Euro pro Jahr. Somit habe sich das Windrad in drei bis vier Jahren amortisiert. Ähnlich  das Balkonkraftwerk: Die 500 Kilowattstunden (kWh) Strom, die Stütz damit pro Jahr sparen will, kosten 50 Cent pro kWh, macht 250 Euro. Die 1000 Euro kostende Anlage sei also in vier Jahren bezahlt. Obwohl diese Rechnungen für ihn aufgehen, würde er sich für alle Bürger, die über solche Anlagen  nachdenken, eine Förderung durch die Gemeinde wünschen, und hat dies in der vergangenen Bürgerfragestunde angeregt. Mit der zurückhaltenden Antwort von Bürgermeister Michael Rembold angesichts großer Investitionen wie dem Rathausneubau ist Stütz nicht zufrieden. Weil er sehe, dass andere Kommunen wie etwa Freiburg das vormachen.   Und obwohl er selbst nun am Ende seiner energetischen Umbauten angelangt ist. Vorerst. Denn  wenn Alexander Stütz irgendwann das Hausdach sanieren muss, dann seien eine Photovoltaikanlage und ein Stromspeicher der nächste Schritt. „Ich werde nie wieder auf Öl und Gas setzen.“    

      

    

Das Balkonkraftwerk wartet auf den Aufbau.
Das von Alexander Stütz selbstgebaute Pelletlager im Keller.
Balkon Solarmodule

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