Klarer Favorit fürs Löwen-Areal

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Bürgermeister Michael Rembold lotet Bürgerschaftswünsche nach Art der Wohnbebauung auf dem Löwen-Areal in Wißgoldingen aus.
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Was für eine Wohnform soll auf dem ehemaligen Löwen-Areal in Wißgoldingen entstehen? In der Kaiserberghalle haben Bürger nun ihre Wunschvorstellung geäußert.

Waldstetten-Wißgoldingen

Es ist eine Operation am offenen Herzen, die Fingerspitzengefühl, Empathie und Aufmerksamkeit bedarf“, sagte Michael Rembold. Nein, Waldstettens Bürgermeister hat keinen neuen Job als Chirurg. Seine Worte bezogen sich auf die bevorstehende Aufgabe, die es zu lösen gilt. Gemeinsam. Mit der Bürgerschaft. Denn die solle konkret kommunizieren, was sie für eine Wohnform auf dem Löwen-Areal in Wißgoldingen haben will. Der Prozess für diese Meinungsfindung ist längst angestoßen und ging kürzlich in die nächste Runde. Etwa 30 interessierte Bürger hatten sich in der Kaiserberghalle in Wißgoldingen eingefunden, um das Thema Löwen-Areal erneut aufzugreifen.

Nach seiner Begrüßung bat Rembold um Realismus bei den Überlegungen und betonte: „Wir werden hier kein Seniorenheim haben“ – aufgrund der Größe von Wißgoldingen. Allerdings könnten Wohnformen für Senioren ebenso entstehen wie für junge Familien. „Wir wollen die Bedürfnisse der Bürgerschaft ausloten.“

Die Gemeinde Waldstetten hat das 1600 Quadratmeter große mittlerweile gekauft – zum einen die Fläche des einstigen Gasthauses „Löwen“, zum anderen noch ein anschließendes Grundstück. „Beide Eigentümer haben uns die Chance eröffnet“, freute sich Bürgermeister Rembold über die freie Fläche.

Doch bevor die Bürger in der Kaiserberghalle ihre Ideen vorbringen konnten, erläuterte der Vorsitzende des Landesseniorenrats, Professor Eckart Hammer, den   Wandel in der Gesellschaft. Fazit: „Es gibt immer mehr Ältere, die immer älter werden, die durch Frühpensionierung immer früher älter gemacht werden und denen immer weniger Jüngere gegenüberstehen.“ Die einstige Großfamilie gebe es nicht mehr, denn erwachsene Kinder lebten oft nicht mehr am Ort.

Als „größte Herausforderung“ sieht der Professor aber die „Hochaltrigkeit“. Sprich, immer mehr Menschen über 80 Jahren leben am Ort. Das sei auch in Wißgoldingen so. Daher müssten Orte der Begegnung geschaffen werden, um ein Zusammenleben von jung und alt zu ermöglichen. Und für Senioren selbstständiges Wohnen mit „Versorgungssicherheit bis zuletzt“ zu gewährleisten. Etwa durch Inanspruchnahme von Pflegediensten und Dienstleistungsangeboten. Denn: „Die Pflegebedürftigkeit steigt, das Potenzial an Pflegekräften sinkt,“ so der Vorsitzende des Landesseniorenrats. Man müsse dieser Entwicklung entgegenwirken durch Mehrgenerationenhäuser mit einer sorgenden Gemeinschaft. „Junge brauchen Babysitter, Alte eine Einkaufshilfe“, brachte es Hammer auf den Punkt.

Konkrete Beispiele für Mehrgenerationenwohnungen gebe es in Deizisau, Metzingen, Dettingen oder auch in Schwäbisch Gmünd, wie Albrecht Reiß von citi-plan anschließend aufzeigte.

Wiederum die Regionalleiterin der Stiftung Haus Lindenhof, Nadine Horn, zeigte unterschiedliche Wohnformen für Senioren, inklusive der Kosten, auf. Stationäre Pflege bedeute so etwa über 3000 Euro Eigenanteil. Hausnotrufe oder mobile Pflege in der eigenen Wohnung seien hingegen um einiges günstiger. Wie Waldstettens Bürgermeister Michael Rembold anmerkte, wäre die Stiftung „gerne als Projektbeteiligte mit im Boot“ in Wißgoldingen.

In einem dritten Part waren schließlich die Bürger aufgefordert, ihre eigenen Wünsche zu nennen. Unterm Strich ist ein barrierefreies Mehrgenerationenhaus der Favorit.

In einem nächsten Schritt wird das Büro citi-plan nun Machbarkeitsstudien erstellen: Zwei Gebäude mit Verbindung und ein L-förmiger Bau mit Innenhof für Begegnung werden untersucht. Jeweils mit 30 Wohnungen. Passgenau fürs Löwen-Areal. Das Ergebnis soll dem Ortschaftsrat am Dienstag, 26. April, und dem Gemeinderat am Donnerstag, 28. April, vorgelegt werden. Aktuell gibt es elf Interessenten für den Erwerb einer Wohnung auf dem Löwen-Areal.

"Es ist eine Operation am offenen Herzen, die Fingerspitzengefühl, Empathie und Aufmerksamkeit bedarf.“

Michael Rembold,, Bürgermeister

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