Kooperation für Corona-Klarheit

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Das örtliche Rote Kreuz unterstützt ehrenamtlich samstags die Corona-Bürgertestungen an der Stuifen Apotheke in Waldstetten. Von links: Michael Rembold , Markus Stütz, Martin Ehmann und Stefanie Haas. 

Pandemie Rotes Kreuz in Waldstetten unterstützt das Schnelltest-Angebot der örtlichen Apotheke. Bürgermeister Michael Rembold kritisiert die Gesundheitspolitik. Von Anja Jantschik

Waldstetten

Kopf zurück, Mund ein bisschen aufmachen, dann geht es leichter“, empfiehlt Martin Ehmann, Vorsitzender des DRK-Ortsvereins, der betagten Probandin. Diese tut wie ihr geheißen – und nach wenigen Sekunden ist der Spuk vorbei. Das Teststäbchen, das wenig vorher noch in der Nase der Waldstetterin war, wird an Ira Herkommer, ebenfalls vom DRK Waldstetten, durchs offene Fenster in die Apotheke hineingereicht. „Das war es schon?“, staunt die Frau verblüfft. „Ja, und in 15 Minuten gibt’s das Ergebnis“, bestätigt Ehmann lächelnd. Währendessen führt Ira Herkommer den Corona-Test durch. Und nach 15 Minuten gibt es ein negatives Ergebnis inklusive Bescheinigung für die getestete Waldstetterin. „Prima, jetzt hab‘ ich Sicherheit“, freut sich diese.

Diese Szene wiederholt sich noch einige Male, auch mit Markus Stütz vom Roten Kreuz als Tester, am Samstag, während Apothekerin Stefanie Haas und Bürgermeister Michael Rembold über die enge Kooperation zwischen Stuifen-Apotheke und DRK-Ortsverein berichten. Rembold übt dabei kräftig Kritik an der Politik und am Gesundheitssystem

An der Kapazitätsgrenze

„Der Bedarf ist da“, deutet Stefanie Haas auf die Menschen, meist Paare, die mit großem Abstand auf der Grünfläche des hinteren Gebäudeteils der Apotheke darauf warten, getestet zu werden. Alle hatten vorab einen Termin abgemacht, telefonisch oder per Email mit der Apotheke und sich das Formular besorgt. Seit der Zeit vor Ostern wird in Waldstetten getestet. Doch macht die Apothekerin klar, dass dies zum alltäglichen Geschäft in der Apotheke hinzukomme. Was das siebenköpfige Mitarbeiterteam an Kapazitätsgrenzen bringe. Auch noch samstags die Testungen anbieten zu können, war daher nicht mehr möglich. „Dann hätten meine Angestellten alle eine Sechs-Tage-Woche, beschreibt Haas.

„Und hier zeigt sich nun die einzigartige Kooperation zwischen Apotheke und Rotem Kreuz“, freut sich Bürgermeister Michael Rembold. Denn „ohne Wenn und Aber“ stehen seither geschulte Mitglieder des DRK-Ortsvereins jeden Samstag an der Apotheke parat, um ehrenamtlich Tests durchzuführen. DRK-Vorsitzender Martin Ehmann macht deutlich, dass man auch eine zweite Teststraße an der Apotheke aufbauen könne. „Wir haben genug Mitglieder, die bereit wären. Das ist für uns eine Selbstverständlichkeit.

„Es braucht ein Wir“, nickt Apothekerin Haas. Im Blick hat sie zudem, dass der Bedarf an Testungen auch seitens der Wirtschaft am Ort groß ist. Etwa vor einem Friseurbesuch oder, als es noch möglich war, vor dem Gang zur Kosmetikerin. Und so werden im Schnitt 250 Personen pro Woche bei ihr getestet. In den beiden vergangenen Wochen waren jeweils zwei positiv Getestete dabei. Diese werden durch die Apotheke dem Gesundheitsamt gemeldet und müssen sich in Quarantäne begeben. Zudem müssen sie zu einem PCR-Test gehen.
Unter der Woche testet das Personal der Apotheke zwischen 8 und 12 sowie 14 bis 18 Uhr. Samstags stehen die DRK-Mitglieder von 8 bis 12.30 Uhr mit den Wattestäbchen bereit.

Bei seinem Engagement bei der Teststation des DRK im Gmünder Schießtal sei ihm aufgefallen, dass doch einige Waldstetter gekommen seien, sagt Martin Ehmann. Daher sei es für ihn keine Frage gewesen, dass das örtliche DRK samstags auch in Waldstetten hilft. „Sie sind immer da, wenn man sie braucht“, bestätigt Bürgermeister Rembold. Und berichtet, dass künftig jeden Mittwoch auch das komplette Verwaltungsteam durchgetestet wird.

Der Schultes spart dabei nicht mit „Respekt und Anerkennung“ für die Apothekerin, die vor wenigen Jahren selbst Opfer eines bundesweiten Unternehmerbetrugs geworden sei, wie er sagt. Er rügt die Politik, die die betroffenen Apotheken ebenso wie Ärzte und Kliniken damals im Stich gelassen habe. Als „Granaten-Sauerei“ bezeichnet Rembold das Versagen der Politik, die das Gesundheitssystem „kaputtspart“. „Das System muss sich ändern“, mahnt er.

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