Lernen und auf eigenen Beinen stehen

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So geht Selbsthilfe: Togolesische Frauen kümmern sich als selbstständige Gruppe um Palmöl-Herstellung für Seife.
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Seit mehr als 25 Jahren engagiert sich der Verein Hilfe für Togo in vielen Projekten. Vorsitzender Anton Weber schildert, was im Corona-Jahr 2020 alles los war.

Waldstetten

Gemeindeentwicklungsprojekte und humanitäre Maßnahmen zur Bekämpfung der Armut sind die Ziele des Vereins Hilfe für Togo - seit mehr als 25 Jahren. Doch 2020 habe die Covid 19-Pandemie die Bemühungen aller Entwicklungsakteure um eine nachhaltige Verbesserung der Lebensbedingungen der Bevölkerung untergraben, so bewertet das der Vereinsvorsitzende Anton Weber.

Eine Folge war, dass man sich nicht selbst ein Bild vor Ort machen konnte. „Aber wir haben starke und verlässliche Partner in Togo“, freut er sich. Es wird oft über „Skype“ gechattet. Und Weber ist dankbar dafür, dass Förderer und Unterstützer 2020 für ein großes Spendenaufkommen sorgten. So konnte trotz Pandemie vieles umgesetzt und initiiert werden. „Wir versuchen Dinge selbst zu organisieren über unsere Leute vor Ort“, erklärt der Vorsitzende. Ein Beispiel: Die Näherinnen der Frauengruppe sorgten für insgesamt 36 000 Masken, die Seifenherstellerinnen trugen mit 26 000 selbst hergestellten Palmölseifen dazu bei, dass Hygiene groß geschrieben werden konnte. „Man darf nicht vergessen, dass die Togolesen sehr wohl Hände waschen wollen, aber meist das Geld zum Kauf einer Seife fehlt“, schildert Weber.

Im Juli will Weber fliegen

Im kommenden Juli wird Anton Weber mit einer kleinen Delegation nach Togo reisen – sofern möglich aufgrund der Pandemie. Dann schauen die Waldstetter etwa auch bei den acht Handwerkern vorbei, denen man 2020 zur Selbstständigkeit verholfen hat. Zudem wird man bei den drei Schulen vorbeigehen, die 2020 eröffneten. Dort liegt das Hauptaugenmerk auf der Bildung für Mädchen. Und auch ein Kindergarten wurde gebaut. „Momentan werden 10 000 Schülerinnen unterrichtet“, erklärt Weber, und er fügt hinzu, dass die Entwicklung Togos, eigentlich von ganz Afrika, bei den Mädchen liegt. „Es geht um Lebens- und Familienplanung.“ Wenn eine Frau etwa einen Schulabschluss hat, kann sie studieren und zum Beispiel Lehrerin werden. Insgesamt kümmert sich Hilfe für Togo um sechs Kindergärten und 32 Schulen. „Da sind wir ein bisschen stolz darauf.“

2020 wurden 66 Handwerker in neun Berufen im Ausbildungszentrum ausgebildet. Zudem 16 Schneiderinnen ausgebildet, deren Lernen sich auch auf Haushalt und Hygiene ausgeweitet hat. Hinzu kommt die Gastro-Ausbildung. Hier wurden von Azubis 2019 die ersten drei Plätze bei einem Wettbewerb belegt. Im Handwerk kooperiert die eigene Berufsschule wiederum mit der staatlichen Technikerschule. „Das ist eine Win-win-Situation“. Für die Azubis gibt’s einen Sozialfonds.

Hauptthema neben der Bildung bleibt das Trinkwasser. Auch 2020 gab es einige Wasserprojekte. Hier geht‘s um Bohrungen und Solarpumpen, die Wasser fördern.

Natürlich steht man in Sachen Gesundheit im Kampf gegen die Ausbreitung von Covid 19. Es wurden 2020 Krankenstationen und medizinische Zentren unterstützt, sowohl mit Geld als auch mit Sachspenden. Containergüter brachten so etwa medizinisches Gerät für Röntgenstationen oder Operationsräume. Aber auch Krankenwagen wurden gespendet.

2020 gingen vier Container aus Deutschland und Österreich nach Togo. Inhalt: Fahrräder für Kinder, damit der lange Schulweg (bis zu über zehn Kilometer) besser bewältigt werden kann. Oder auch Drehbank-Traktoren und weitere Maschinen und Geräte. Zudem Kinderutensilien, von Malsachen bis zu Kleidung und Schulranzen. Auch hier waren die Auswirkungen der Pandemie zu spüren, denn die Preise für Zölle und Container haben sich laut Weber in einem Jahr glatt verdoppelt. Zudem seien Container Mangelware.

Und auch für die Umwelt investiert der Verein. Etwa durch Aufforstungsprojekten an Steilhängen. „Seit vier Jahren machen wir Umweltprojekte“, beschreibt der Vorsitzende etwa, dass ein Gymnasium Bäume auf 1,7 Hektar gepflanzt hat und diese betreut, also pflegt und gießt.

„Das sind Powerfrauen“

Rundum geht es bei Hilfe für Togo um Hilfe zur Selbsthilfe der Togolesen. Um deren Ausbildung und Schritt in die Selbstständigkeit. Denn wer seine Familie ernähren kann, flüchtet nicht. „Wer verlässt schon gern seine Heimat“, macht Weber klar. Viel Lob hält er für die Frauen in Togo bereit. „Das sind richtige Powerfrauen.“ Sie kümmern sich um landwirtschaftliche Projekte, vermarkten Palmölprodukte und vieles mehr. Sie werden Dank der Unterstützung des Vereins selbstbewusst, in einem von Männern dominierten Land. „Und die Frauen können schaffen“, zollt Weber großen Respekt. Er ist gespannt, was er auf seiner Reise im Juli erlebt.

Momentan werden 10

Anton Weber,, Vereinsvorsitzender

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