Neue Klänge und viel musikalischer Humor zum Muttertag

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Sie können mit ihren Instrumente neue Klänge kreieren: Tompete in Waldhorn ergibt Balalaika
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Wie die Fünf von Swabian Brass bei ihrem Gastspiel in Wißgoldingen ihr Publikum begeistern.

Waldstetten-Wißgoldingen. „Wir leben Dorfgemeinschaft“ heißt es in Wißgoldingen. Selbstverständlich gab es was besonderes zum Muttertag: ein Konzert mit „Swabian Brass“. Musizierend liefen die Fünf auf ihre „Bühne“ - mit zwei Trompeten, Posaune, Waldhorn und Tuba, eine launige Moderation inbegriffen. Das wollten viele hören, die Sitzplätze reichten nicht aus, aber Stehen tat der Freude am Zuhören keinen Abbruch.

Trompeter Volker Pitzal erläuterte „Organisatorisches“. Denn nicht nur musikalische Schmankerl warteten aufs Publikum, es wurde auch aufgetischt. Vom Feinsten schon der Duft der Knabbereien, Pasteten und vielem mehr. Am Schluss gäbe es eine Rose für jede Mutter.

„Ich habe nach Bezügen zum Muttertag bei der Auswahl der Stücke gesucht!“, verrät Pitzal bei der Ankündigung. Das gelang allerdings nicht immer wie beim Stück „Bugler’s Holiday“, also Trompeters Ferientag, von Lee Roy Anderson.

Mit viel Witz dann „Dr. Schiwago“ auf der Balalaika. Es kam kein Zupfinstrument zum Vorschein, sondern Reinhard Barth blies durch seine Trompete in Volker Barths Waldhorn, was einen sehr ähnlichen Ton wie eine Balalaika erzeugte.

Zu jedem Song wusste Pitzal Hintergründiges, auch Albernes. Die Zuhörerinnen und Zuhörer begeisterte das. Die eigenwilligen Interpretationen gefielen. Eine bunte Mischung aus „When the Saints“ über Elton Johns „Can you feel the love tonight“ bis zur Ankündigung „Wir wollen ernste Musik machen, eine Oper aufführen: Carmen von Bizet“.

Hier war nicht allein musikalische Beherrschung der Instrumente gefragt, hier kamen Schauspiel und Gesang mit ins Spiel. Umwerfend die Annäherungsversuche von Carmen alias Waldhornist Volker Barth. Carmen, zu erkennen an wallender schwarzer Lockenmähne und roter Boa, rückt dem Jüngling auf die Pelle. Reinhard Barth mit rabenschwarzer Perücke goutiert das keineswegs, zeigt das deutlich im Mienenspiel, putzt sich die Nägel, während „Carmen“ mit dem Waldhorn schmalzt. Das Publikum ging mit.

Sie sind ausgezeichnete Instrumentalisten, diese fünf. Was Siegfried Pabst mit der Tuba an schnellen Passagen liefert im „Tuba Muckl“, ist großartig. Trompeten, Waldhorn und Posaune akzentuierten gekonnt.

Dann „Die Ärzte“ als Muss für Dr. Reinhard Barth mit „Schrei nach Liebe“, abwechslungsreich interpretiert. Die Ursprungssongs erfahren in der Behandlung durch Swabian Brass eigenwillige Ausformung. Nur das Geburtstagsständchen für einen, der schon mitgespielt hat, erklingt vertraut.

Sie schaffen Illusionen wie mit dem Hochgebirgsjodler. Alpines erscheint innerlich, wenn Trompete, Horn und Sänger sehr schräge Instrumenten-Jodler anstimmen oder aus Volker Barths Kehle erklingen, dazu Komödiantisches zur Illustrierung. „Ah!“ erklang es aus der Zuhörerschaft, als Reinhard Barth mit seiner Trompete vortrat, um Sinatras „Strangers in the Night“ zu spielen. Ein tolles Trompetensolo, dann übernahm Claus Hilbrands Posaune den Song, facettenreich interpretiert. Besonderer Hingucker dabei: Hilbrand trägt Krawatte mit Partitur.

Volker Pitzal kündete das Ende des Konzerts an. Doch das Publikum wollte mehr. „Swabian Brass geht immer seinen Weg, deshalb jetzt Sinatras „My Way“!“, ein Schlusspunkt, der sich sehen ließ. Volker Barth, ohne Waldhorn, öffnete die Krawatte und besang mit Inbrunst und Stimmgewalt den Sinatra-Weg, etwas anders als dieser, doch belohnt vom rauschenden Applaus. Gise Kayser-Gantner

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