Ausbildungszentrum im Doppel

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Anton Weber, Vorsitzender von Hilfe für Togo Waldstetten-Donzdorf, erklärt am Rande einer Schuleinweihung für eine Doku im togoischen Fernsehen, wie der Verein arbeitet.
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Verein Hilfe für Togo Waldstetten - Donzdorf plant Projekt im Norden des afrikanischen Landes und setzt dabei auf kompetente Menschen vor Ort.

Waldstetten

Da hat Anton Weber, Vorsitzender der Hilfe für Togo Waldstetten - Donzdorf, nicht schlecht gestaunt, als er kürzlich zwei Videos zugeschickt bekam - mit wohlwollenden Berichten über Projekte des Vereins. Über nicht weniger als das „beste Ausbildungszentrum in Westafrika“ berichtete die dortige Tagesschau. Die Auszeichnung, erzählt Weber, kam aus dem Staatsministerium von Togo.

Der Vereinsvorsitzende lässt Zahlen für sich sprechen: Im November erhalte der 1028. Lehrling im ABCN der Hilfe für Togo seinen Abschluss. Und bereits seit 19 Jahren arbeite der Verein mit einer staatlichen Technikerschule zusammen. Deren Schüler dürfen einen Teil ihrer praktischen Ausbildung im ABCN absolvieren, umgekehrt dürfen die ABCN-Azubis für die Theorie in die Schulen. „Somit ist das eine duale Ausbildung“, sagt Weber, und freut sich besonders dass, viele Mädchen diese Möglichkeit und damit die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben wahrnehmen.

Die Dokumentation und die Tagesschau-Reportage haben Weber zuhause in Waldstetten erreicht, kurz nachdem eine Abordnung des Vereins nun von der ersten Togo-Reise nach der coronabedingten Pause zurückgekehrt ist. Die Dokumentation erklärt, wie das Konzept des Ausbildungszentrums funktioniert und zeigt Auszubildende in verschiedenen Berufen. So bekommen etwa die Mechaniker und Elektriker die Gelegenheit zu zeigen, was sie im ABCN lernen. 102 Lehrlinge beschäftigt das Zentrum in acht verschiedenen Berufen, zuletzt ist die Ausbildung zur Schneiderin und zur Hauswirtschafterin dazugekommen. Die Doku bringt die Bedeutung des ABCN für junge Leute zum Ausdruck, die ohne diese Möglichkeit ohne Beruf auf der Straße ständen.

„Da geht man dann sehr gern heim und macht weiter“, sagt Weber, und meint konkret und unabhängig von den 29 Projekten, die 2020 trotz Pandemie gelaufen sind: „Wir wollen das Ausbildungszentrum doubeln.“ Im Norden Togos soll ein zweites entstehen, dort, wo der Donzdorfer Hilfe-Verein, der sich vor zwei Jahren an die Waldstetter Togo-Hilfe angeschlossen hat, schwerpunktmäßig seine Projekte umgesetzt hat. Vier junge Leute, die in Kürze ihre Ausbildung im ABCN abschließen werden, bauen das neue Zentrum auf, erzählt Weber, der dabei auf ein wichtiges Prinzip seines Vereins setzt: Hilfe zur Selbsthilfe.

„In Afrika gibt‘s aufgeklärte Leute, die können das besser und kommen besser an“, ist Webers Erfahrung. Darum werden die vier dann ehemaligen Lehrlinge zu mit einem fünf Jahre laufenden, zinslosen Kredit ausgestatteten Unternehmern, die dann selbst Lehrlinge ausbilden. Das nötige Grundstück für das neue Ausbildungszentrum suchen sie gerade.

Vorbild sein

Wenn Anton Weber und seine Frau Barbara im Winter erneut mit einer Vereinsabordnung nach Togo reisen, schauen sie sich das an und schließen den Vertrag mit den Grundstückseigentümern sowie Gesellschafterverträge mit den vier Jungunternehmern. Danach übernimmt der Verein noch folgenden Part: dem Ausbildungszentrum Aufträge zukommen lassen, wie das bereits beim ABCN der Fall ist. Dessen Lehrlinge kommen unter anderem dann zum Einsatz, wenn der Verein etwa neue Schulen baut. Außerdem übernehme der Verein die Sozial- und Krankenversicherung der Auszubildenden, „man sollte ja Vorbild sein“. Und die Jungunternehmer bekommen den Lehrplan vorgegeben. Ansonsten gilt die von Anton Weber erkannte und klar formulierte Ansage: „Wir brauchen keine Besserwisser aus Europa, sondern zuverlässige Partner.“

Wir brauchen keine Besserwisser aus Europa.“

Anton Weber, Vorsitzender Hilfe für Togo

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