Baustelle macht Lernräume zu knappem Gut

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Die letzte Phase der Sanierung der Waldstetter Gemeinschaftsschule sorgt für Raumknappheit, doch Rektorin Stefanie Bleicher und die Schulgemeinschaft haben das nun absehbare Ende der Arbeiten im Blick.
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In der letzten Phase der Sanierungsarbeiten in der Waldstetter Gemeinschaftsschule fehlen zahlreiche Zimmer und ein verbindender Durchgang.

Waldstetten

Letzte Woche war hier mal ein Drrrrrrrrr“, sagt Stefanie Bleicher und beschreibt damit lautmalerisch Lärm, den die aktuellen Sanierungsarbeiten an der Waldstetter Gemeinschaftsschule tageweise mit sich bringen. An diesem Morgen ist alles still im Büro der Schulleiterin. Dauerlärm mussten sie, ihr 37-köpfiges Kollegium sowie die knapp 400 Schülerinnen und Schüler trotz der lange währenden Großbaustelle nicht aushalten, sagt sie. Dennoch sind alle baustellenerprobt. Tatsächlich gibt es Schülerinnen und Schüler, die kennen ihre Schule nur so, sagt Bleicher. Erst war ab 2016 der Ausbau des Grundschulgebäudes zum Hallenbad hin dran, dann folgten der Schulerweiterungsbau für die Sekundarstufe, also die Schüler ab Klasse 5, und die neue Mensa in Richtung Rosensteinstraße.

 „Wo wir gerade drinstecken, das ist die Sanierung“, sagt Bleicher. Denn auf die vor vier Jahren abgeschlossenen Neubaumaßnahmen folgten die Arbeiten im Bestand: Brandschutz und Elektrik entsprachen nicht mehr aktuellen Anforderungen und sollten erneuert werden. Dafür mussten im Herbst 2021  drei Grundschulklassen aus dem ältesten der Schulgebäude in Container umziehen – und sind zwischenzeitlich wieder zurückgekehrt.  Dort sind die Wände nun strahlend weiß, die ehemals dunkelbraunen, türhohen Holzpaneele hellgrau gestrichen, die Decken mit hellen Energiesparleuchten versehen und schallisolierend abgehängt. In den Klassenzimmern steckt modernste Technik. „Hier wäre eigentlich alles fertig“, sagt Bleicher, die jedoch noch auf die Lieferung neuer Beamer wartet.

Dieselben Arbeiten laufen nun im alten Teil des Sekundarbereichs, außerdem muss dort das Dach saniert werden. Und das hat Auswirkungen auf das Gemeinschaftsgefühl. „Was uns ausmacht, dass wir eine Schule sind, geht gerade nicht“, sagt Bleicher. Denn der Durchgang von der Grundschule zur Mensa  ist Baustelle. „Man trifft sich nicht mehr so zuverlässig.“ Zudem nimmt der aktuelle Sanierungsabschnitt Schülern und Lehrenden das Lehrerzimmer, ein Lehrerarbeitszimmer, sechs Klassenzimmer, zwei Medienräume  und Flure; und im letzten Abschnitt fallen Technik- und Physikräume weg, zählt Bleicher auf. Im Moment „müssen wir sehr kreativ sein“. Es gebe keinen einzigen Ausweichraum, etwa für Gespräche. Eine Klasse zu teilen, um dem Konzept der Gemeinschaftsschule entsprechend auf verschiedenen Niveaus – Hauptschule, Realschule, Gymnasium – zu arbeiten, dafür müssen gerade der Flur oder Bereiche des Klassenzimmers ausreichen.  Die Neunt- und Zehntklässler immerhin sind samt Notebooks im Grundschulgebäude untergebracht, damit sie sich dort in Ruhe auf ihre Abschlussprüfungen vorbereiten können.

Der Platzmangel belastet

Der Mangel an Räumen  „belastet den Alltag dauerhaft“. Denn das 2015 erstellte Konzept für die Gemeinschafsschule (GMS) „hat was mit Räumlichkeiten zu tun“, sagt die Schulleiterin. Als es schließlich gut überarbeitet stand, kam die Baustelle. So sind die Lernateliers – jeweils ein mit Lernmaterialien und Notebooks ausgestatteter Raum zwischen zwei Klassenzimmern – gerade behelfsmäßig in den Klassenzimmern oder auf den Fluren angesiedelt. „Das Konzept kann so schon weiterfahren“, sagt Bleicher. Schwierig ist das jedoch auch deshalb, weil es „noch nicht die Akzeptanz hat“. Doch auch wenn die Situation manchmal nicht ganz einfach ist: „Wir wissen, wofür wir’s machen“, das melde die Schule auch immer wieder an die Gemeindeverwaltung.

Damit alles läuft auf der Baustelle, gebe es regelmäßige, gut funktionierende Absprachen mit der Verwaltung als Bauherr, erzählt Bleicher. Trotzdem muss es manchmal schnell gehen – etwa beim Umzug nach den Sommerferien, um den nächsten Sanierungsbereich freizumachen.  Beim Lehrerzimmer und dem Lehrerarbeitszimmer haben die Lehrenden selbst angepackt, auch die Klassen haben geholfen, Material und Stühle umzuziehen. Grundsätzlich packen allerdings Profis etwa die Inhalte von Schränken in Kisten und verräumen Möbel. Eigens dafür gibt es einen Lagercontainer. Auch in Bleichers Büro stapeln sich einige volle Kartons. Der positive Nebeneffekt der Umzieherei: „Wir haben jetzt ausgemistet.“  

Nach den kommenden Osterferien soll an den Gebäuden alles fertig sein, dann liegen zweieinhalb Jahre auf der Sanierungsbaustelle hinter Kindern, Jugendlichen und Lehrerkollegium.  Bleicher freut sich schon darauf, dann wieder die komplette Schule zur Verfügung zu haben. Mit dem Blick auf das große Ganze lässt sich diese letzte Durststrecke bewältigen: „Wir wissen, was wir nachher für eine tolle Schule haben.“

 

12 Millionen Euro für Bildung

Rund 10 Millionen Euro haben Umbau und Erweiterung der Waldstetter Gemeinschaftsschule gekostet. Die aktuell laufenden Sanierungsarbeiten im Bestand kosten weitere rund 2 Millionen Euro. Letztere „wurden ausgelöst durch die Erweiterung“, sagt Ortsbaumeisterin Maren Zengerle. Es geht dabei um Brandschutz und Elektrik. Unvorhergesehen kam die Sanierung des Dachs im Sekundarbereich dazu.  

An der Waldstetter Gemeinschaftsschule läuft im Sekundarbereich der letzte Abschnitt der Sanierungsarbeiten.
Wegen der Sanierungsarbeiten fehlt gerade das verbindende Element: der Durchgang vom alten Schulgebäude zur Mensa.
Im Sekundarbereich der Gmeinschaftsschule muss aus Gründen der Statik auch das Dach saniert werden.
Die Klassenräume sind vorbereitet für moderne Technik.
An der Waldstetter Gemeinschaftsschule läuft der letzte Abschnitt der Sanierungsarbeiten.
Hell, mit neuer Elektrik und Brandschutz: Im Grundschulgebäude zeigt sich das Ergebnis der Sanierungsarbeiten.

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