Der Haarzopf im Briefumschlag

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Eda Icli hat sich für den guten Zweck ihre langen Haare abgeschnitten. Fotos/Collage: privat/ca

Die Lehramtsstudentin Eda Icli aus Waldstetten hat ihre Haare fast komplett abgeschnitten. Warum die 24-Jährige das gemacht hat und wem sie damit helfen möchte.

Waldstetten

Eda Icli trägt nun eine Kurzhaarfrisur. Noch vor wenigen Tagen hatte sie einen langen Haarzopf. Warum die Haare jetzt ab sind? Weil die 24-Jährige ihre Haare spendet. "Sie wachsen ohnehin sehr schnell", begründet sie ihre Entscheidung – beziehungsweise den Schnitt mit der Schere. "Und so kann ich mit meinen Haaren noch etwas Gutes tun. Ansonsten würden sie im Abfall landen", erklärt sie, warum sie einmal im Jahr ihre Haare auf Schulterlänge abschneidet.

Von Iclis Haarschnitt profitieren vor allem krebskranke Menschen und Patienten, die unter Alopezie (Haarausfall) leiden. Denn mit den gespendeten Haaren können Echthaarperücken geknüpft werden.

Die Studentin für Mathematik und Geografie hatte sich im Internet unter www.haare-spenden.de. schlau über die Haarspendezentrale gemacht. Diese bietet genaue Anleitung über die Art des Haarschnitts. So zum Beispiel, dass die gespendeten Haare mindestens 25 Zentimeter, besser 30 Zentimeter lang sein sollten – und nicht gefärbt. Auch wie die Haare geschnitten werden sollten, wird erklärt: Einfach im Nacken mit einem Haargummi fixieren und dann den Zopf abschneiden. Dieser landet dann in einem Briefumschlag und wird an die Adresse Rieswick & Partner Friseur GmbH im nordrhein-westfälischen Velen-Ramsdorf gesandt. Ebenfalls in diesem Umschlag: ein Spendenformular, dass im Internet herunterladen und ausgefüllt werden muss.

So kann ich mit meinen Haaren noch etwas Gutes tun.

Eda Icli aus Waldstetten

Was passiert dann? Das Haar wird anschließend von Mitarbeitern des Unternehmens professionell zu einer Perücke verarbeitet. Je nach Qualität und Länge der gespendeten Haare schickt die Haarzentrale den Echthaarersatz an die vom Spender auf dem Spenderformular angekreuzte Organisation. Etwa an die Stiftung Deutsche Krebshilfe/Kinderkrebshilfe, an die Horizont Kinderkrebshilfe in Borken-Weseke oder auch an "It's for kids". Eda Icli hat ihre Haarschneide-Aktion in den sozialen Netzwerken dokumentiert und einen Film eingestellt. "Ich möchte andere animieren, dasselbe zu tun", erklärt sie. Was ihre eigenen Haare angeht, ist sie sich sicher, dass diese in etwa eineinhalb Jahren wieder so lang sind wie vor der Schneidaktion. "Die wachsen wieder", sagt sie und freut sich, dass sie mit ihrer Haarspende anderen Menschen helfen kann. Denn auch "in meinem Bekanntenkreis gibt es diverse Krebserkrankungen", beschreibt sie ihre Intention.

Nun widmet sich die PH-Studentin jedoch erst einmal wieder ihrer Bachelorarbeit. Mit flottem Kurzhaarschnitt. Und ist sich schon jetzt sicher: "In eineinhalb Jahren möchte ich wieder meine Haare spenden."

Haare spenden und anderen helfen

Pro Jahr gibt es rund eine halbe Million neudiagnostizierte Krebsarten in Deutschland. Bei einer erforderlichen Chemotherapie fallen meist die Haare der Patienten aus. Nach der Behandlung wachsen sie wieder. Eine Perücke hilft über die Zeit hinweg, in der Patientinnen oder Patienten keine Haare haben. Und das Beste: Der Spendenempfänger zahlt für die gespendeten Haare kein Geld, wie die Haarspendezentrale schriftlich versichert.

Unter www.haare-spenden.de wird über die Möglichkeit einer Haarspende und die Umsetzung informiert. jan

Eda Icli hat sich für den guten Zweck ihre langen Haare abgeschnitten. Fotos/Collage: privat/ca

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