Die Sonne blinzelt Oldtimern kurz zu

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Ganz unterschiedliche Oldtimer vor dem Heimatmuseum. ÌFoto: Jan-Philipp Strobel
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Nach zwei Jahren Pause erstmals wieder ein Treffen vor dem Heimatmuseum Waldstetten. Traktoren, Unimogs und Autos aus der weiten Umgebung vor Ort.

Waldstetten

Die stolzen „Arbeitstiere“ der 1950er-Jahre versammelten sich an diesem Sonntag rund ums Heimatmuseum Waldstetten. Dazu gesellten sich die Lieblinge der damals beginnenden Motorisierungswelle im aufkommenden Wirtschaftswunder. Fiat 600 zählten dazu, ganz besonders BMW Isetta oder das Goggomobil. Alles Vertreter einer Fahrzeugklasse, die ihren Nutzern einiges abverlangte. Fürs knappe Geld gab‘s nicht wirklichen Fahrkomfort, kaum Sicherheit. Aber die Fahrt zur Arbeit war einfacher, sogar ein Italienurlaub ließ sich damit arrangieren.

Es ist das elfte Oldtimertreffen in Waldstetten, ausgerichtet von den Oldtimer-, Traktor- und Unimogfreunden im Heimatverein Waldstetten. Zwei Mal mussten die Veranstalter passen, „Corona hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht“, sagt Uli Herkommer, der wie Alfred Blaschke zu den Initiatoren des Treffens zählt. Am Vormittag lachte den Oldtimerfreunden noch die Sonne, unter freiem Himmel konnten sie und viele Besucher übers alte Blech reden und sich bei einem Imbiss im oder vor dem Museum stärken. Später sorgten Regentropfen und Donnergrollen für Zurückhaltung. Der Vorsitzende des Museumsvereins, der frühere Bürgermeister Rainer Barth, ist dennoch zufrieden. Wichtig sei es, sich hier wieder begegnen zu können.

Das schätzt auch Dorothea Herrmann, die mit ihrer blau-weiß lackierten BMW Isetta aus Unterkirneck angereist ist, begleitet von Ehemann Frank Herrmann. Seit mehr als zehn Jahren bewegt sie den Zweisitzer mit der Fronttür, nach dem sie lange gesucht hat. Bei Wolfsburg stand dieses Exemplar, 2008 begann die Restaurierung. Rost hatte den Boden zum Sieb verändert, ein komplett neues Blech wurde eingeschweißt. Frank Herrmann sorgte für die funktionierende Technik, die Dorothea und Frank bis jetzt nicht im Stich gelassen hat. Mit einer Ausnahme: einmal hat sich der Schalthebel während der Fahrt verabschiedet. Mit einem Schraubenzieher als Ersatz ging‘s weiter. Seither ist das Paar gerne zu Oldtimertreffen in der Region unterwegs. Engstingen auf der Alb ist etwa das Ziel. Aber auch kleine Ausflüge rund um Unterkirneck gehören dazu.

Mit 19 km/h voran

Ganz andere Erinnerungen pflegt Toni Schwarzkopf. Sie ist nicht nur mit dem (von den Eltern geerbten) Traktor, einem Fahr aus dem Jahr 1956, vor Ort. Für Toni Schwarzkopf ist dieses Oldtimertreffen immer auch ein emotionaler Moment. Sie ist im Heimatmuseum geboren, es war das Wohnhaus der Familie. Und wenn sie dort im Obergeschoss in ihr einstiges Schlafzimmer tritt, „dann wackeln schon mal die Knie“.

Handfest ist der Fahr-Traktor, der in der Landwirtschaft Jahrzehnte die leichteren Dienste übernommen hat. Heu wenden, Kartoffeln ernten etwa. Schließlich konnte der Fahr nicht auf allzu große PS-Zahlen zurückgreifen. Der 0,9-Liter-Motor schaffte 12 PS und mehr als 19 km/h waren auf der Straße nicht zu machen. Heute ein begehrtes Fahrzeug. Nicht nur Kinder fragen Toni Schwarzkopf, ob sie mal dort oben auf dem schwingenden Fahrersitz Platz nehmen dürfen.

Viele weitere Raritäten locken die Besucher. Ein Unimog der ersten Generation aus dem Jahr 1954 steht gepflegt da. Mercedes und andere Oldtimer gesellen sich dazu. Und eine ganze Reihe von Traktoren, die die Nachkriegsgeschichte erzählen, die Feldarbeit damals erträglicher werden ließen.

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