Eine steinerne Liebesgöttin

+
Buchvorstellung Die Venus von Waldstetten
  • schließen

„Die Venus von Waldstetten“ ist ein Werk von Archäologe Professor Harald Floss über die Funde der Altsteinzeit im Ostalbkreis.

Waldstetten

Es empfiehlt sich, in Waldstetten mit offenen Augen über die Wiesen zu gehen. Dann kann man nicht nur ein schönes Panorama genießen, sondern beim Blick auf den Boden auf Funde aus der Altsteinzeit stoßen.

Dies weiß Adolf Regen am besten. Denn der „Grandseigneur“ in Sachen Steinzeit, wie er vom Gmünder Arbeitskreissprecher Wolfgang Naak bezeichnet wird,  hat bereits manchen wichtigen Fund aus dem Boden geborgen. Und als Amateur-Archäologe in enger Zusammenarbeit mit Professor Dr. Harald Floss und seinem Team der Eberhard-Karls-Universität Tübingen datiert. Einen echten Sensationsfund machte er allerdings im Jahr 2015. Er fand auf dem Feld eine Sandsteinfigur – eine Liebesgöttin. „Wir haben mit der Lupe geschaut und Gravuren entdeckt“, erinnert sich Naak noch lebhaft an das Staunen bei den Mitgliedern des Arbeitskreises.

15 000 Jahre alt

Kurzerhand machte Naak damals ein Foto und sandte dies an Stefan Wettengl aus Heubach. Dieser ist ein befreundeter Student, der an der Tübinger Universität Archäologie studiert. „Dann ging es relativ schnell“, freut sich Naak. Denn Professor Dr. Harald Floss befasste sich eingehend mit der Venus-Figur und bescheinigte ihr schließlich ein Alter von 15 000 Jahren. „Nein, es stand keine Jahreszahl drauf“, witzelt der Professor beim Pressegespräch in Waldstetten. Er machte aber deutlich, wie wichtig eine profunde und genaue Datierung eines Fundstücks sei – um Skeptikern und Zweiflern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Somit war es Adolf Regen gelungen, „die Nadel im Heuhaufen“ zu finden, erklärt Waldstettens Bürgermeister Michael Rembold begeistert. Denn unter anderem dieser Fund erbringt den Beweis, dass sich Steinzeitmenschen nicht nur in Höhlen niederließen, sondern auch im Freiland. Im Waldstetter Fall auf den Schlattäckern.

Die Sandsteinfigur war für den Professor der Anlass, einmal alle Funde aus dem Ostalbkreis, die bislang aus der Steinzeit geborgen wurden, zusammenzutragen. Wobei er betont, wie wichtig die Arbeit der Amateur-Archäologen des Arbeitskreises war und ist. „Bislang stand im Ostalbkreis die römische Archäologie im Vordergrund“, beschreibt Floss. „Was wir heute zur Steinzeit im Ostalbkreis wissen, wissen wir hauptsächlich durch die Oberflächen-Prospektierungen des Arbeitskreises. Er hat sich verdient gemacht“, so Floss. Er schwärmt von der „wunderbaren Kooperation zwischen Uni Tübingen und dem Arbeitskreis“. Zudem haben nun gleich zwei Doktoranden der Uni, Stefan Wettengl und Simon Fröhle, ihre Doktorarbeit zum Thema Altsteinzeit im freien Land abgegeben. Durch die Waldstetter Funde und die im „Sand“ in Heubach wurde ein archäologisches Projekt mit Unterstützung des Landes aus der Taufe gehoben.

Jetzt konnte in Waldstetten ein Buch präsentiert werden. Titel: „Die Venus von Waldstetten und das Paläolithikum im Ostalbkreis“. Floss initiierte das Buch. Darin finden sich neben seinen Erläuterungen viele Darstellungen und  Beiträge von Simon Fröhle, Marieluise Hahn, Wolfgang Naak, Adolf Regen und Stefan Wettengl. Die Gestaltung oblag Thomas Simmler vom „Schnappschuss“ in Waldstetten.

Das Buch ist im „Schnappschuss“ in Waldstetten für 12,95 Euro erhältlich.

Zurück zur Übersicht: Waldstetten

Mehr zum Thema

Kommentare