Ferngesteuert im Zirkus Castingshow

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Die Popstars-Teilnehmerin Alena Fischer kellnert neben dem Pädagogik-Studium in Schwäbisch Gmünd und singt nur noch zum Spaß.

Alena Fischer nahm 2015 an "Popstars" teil. Heute studiert sie Sonderpädagogik in Schwäbisch Gmünd und denkt mit gemischten Gefühlen zurück.

Waldstetten

Alena Fischer biegt in die Bocksgasse ein und winkt. An der Leine führt sie einen schwarzen Hund, der ihr beinahe bis zur Hüfte reicht. "Das ist Oskar", stellt sie lächelnd vor. Mit dem Hund hat sie sich einen Kindheitswunsch erfüllt, erzählt die 21-Jährige. "Er war der Ruhepol in dem ganzen Zirkus, das hat mir gutgetan."

Mit Zirkus meint sie die Castingshow "Popstars", bei der die damals 16-Jährige im Jahr 2015 teilgenommen hat. Alena gewann zusammen mit drei anderen jungen Frauen die Staffel und wurde Teil der Band "Leandah". Doch die Zugkraft hinter dem Projekt fehlte, und so löste sich die Band bereits im Januar 2016 wieder auf. Besonders traurig ist Alena darüber nicht. "Es war nie mein Traum, Popstar zu sein." In die Show schlitterte sie zufällig rein. Die Produktionsfirma kam im Herbst 2014 auf sie zu, nachdem sie auf ein Video im Internet aufmerksam geworden waren. Darin machte Alena mit einem Freund Musik, er am Klavier, sie sang. "Das haben wir aus Spaß eingestellt."

Isoliert von der Außenwelt

Musik sei schon immer ein ganz wichtiger Teil ihres Lebens gewesen, erzählt die gebürtige Gmünderin. Als Kind habe sie Instrumente gelernt, eine Gesangsausbildung hat sie allerdings nicht. "Singen ist für mich ein Ventil für meine Gefühle." Allem einfach freien Lauf lassen, so fühle sich Singen an, "fast wie Therapie". Sich wie eine ferngesteuerte "Puppe" behandeln zu lassen, sei deswegen sehr schwer für sie gewesen. So habe sie sich aber gefühlt in der Fernsehshow: "Man sagt dir genau, wie du auszusehen hast, wie viel du zu wiegen hast, was du anziehst und dann natürlich, was du singst." Der Schwerpunkt habe nicht auf der Musik oder dem Talent der 25 Teilnehmerinnen gelegen: "Da ging es nur ums Geld." Bis heute stehe sie unter Vertrag bei einer großen Produktionsfirma. "Im Prinzip hat sie immer noch ein Anrecht auf meine Stimme." Und es sei möglich, dass der Anruf kommt, weil man ein Projekt mit Alena starten möchte. "Darauf warte ich aber nicht, das habe ich für mich abgehakt", sagt sie und sieht zufrieden aus.

Ihre Leidenschaft fürs Singen lebt Alena auf Hochzeiten aus, für die sie zumindest vor Corona häufig angefragt wurde. Es folgten aber auch Auftritte mit Orchestern oder auf Veranstaltungen. Hauptberuflich ist Alena mittlerweile aber Studentin. Sie lässt sich an der Hochschule in Schwäbisch Gmünd zur Sonderpädagogin ausbilden, "mit Schwerpunkt Musik".

Da ging es nur ums Geld.

Alena Fischer, "Popstars"-Teilnehmerin

Nachdem "Popstars" für sie zu Ende war, kehrte die damals 17-Jährige zur Schule zurück, wo sie monatelang gefehlt hatte. "Wir hatten seit Mai 2015 in Köln für die Show gedreht, dafür wohnten dort alle Mädchen zusammen." Damit während der Ausstrahlung keine Informationen nach außen drangen, lebte die Gruppe dann ab Herbst in Berlin, "isoliert von der Außenwelt". Kaum Kontakt mit Familie und Freunden: Das war für die Jugendliche eine heftige Erfahrung. "Im Prinzip bin ich in der Zeit erwachsen geworden." Der Schulleitung des Parler-Gymnasiums ist sie bis heute dankbar, dass sie trotz allem im Frühsommer 2016 das Abitur ablegen konnte. Danach machte Alena ein freiwilliges soziales Jahr an der Klosterbergschule. Hier kam sie hautnah mit dem Thema Sonderpädagogik in Berührung. "Ich habe gemerkt, was Musik bei Menschen bewirken kann, das war einfach unbeschreiblich."

Kein "Zickenkrieg"

Mittlerweile steht sie im vierten von sechs Studiensemestern. "Mal sehen, ob es wegen Corona nicht länger wird." Und ob sie nicht nochmal die Richtung wechseln möchte: "Das Musikgeschäft hat bei mir Eindruck hinterlassen." Alena könnte sich vorstellen, zum Beispiel als Vermittlerin zwischen Künstler und Musiklabel zu arbeiten. "Damit es eben nicht so läuft, wie bei uns." Wochenlang hätten die vier Bandmitglieder damals auf eine Reaktion gewartet, wie es denn nun nach der ersten Single weitergehe. "Eine von uns hat dem Druck psychisch nicht standgehalten, da war es dann auch für uns andere vorbei." Mit den drei Frauen hat sie bis heute regelmäßig Kontakt. Überhaupt möchte Alena nicht alle Erfahrungen missen. "Als wir 25 Mädchen zusammengewohnt haben, gab es weder Zickenkrieg noch Missgunst." Und die Zeit in Köln und Berlin hat ihr gefallen. "Aber ich würde nie auf Dauer in der Großstadt leben wollen, hier in Gmünd ist es total richtig." Doch das Flair, die vielen verschiedenen Menschen und die Möglichkeiten seien toll gewesen.

Umso wohler fühle sie sich bei ihrem Job im "Oh Mother". Im Café in der Bocksgasse kellnert Alena mehrmals in der Woche und genießt es, hier Menschen zu treffen. Oskar ist hier schon bekannt und gern gesehen. Der Labrador – "übrigens auch ein waschechter Gmünder" – liegt während des Gesprächs entspannt unter dem Tisch. Ob Alena Fischer die Teilnahme an "Popstars" bereut? Sie überlegt kurz und schüttelt den Kopf. "Nein, denn das hat mich als Mensch weitergebracht."

Die Band Leandah mit Alena Fischer (links) im Jahr 2015 auf der Popstars-Bühne.

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