Ich will nur wieder arbeiten

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Johanna Bohne an ihrem mit Glasscheibe ausgestatteten Maniküreplatz. Sie bedauert, dass sie nicht mal hier behandeln darf.
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Warum Johanna Bohne vom gleichnamigen Kosmetikstudio eher auf die Justiz als auf die Politik setzt.

Waldstetten

Johanna Bohne will einfach "nur wieder arbeiten". Die 54-Jährige hat ihr Kosmetikstudio in der Gmünder Straße in Waldstetten wegen des Corona-Lockdowns geschlossen. Ausnahme: Medizinische Fußpflege darf sie anbieten sowie Kosmetika und Pflegeprodukte per Bestellung und Abholung verkaufen. Ohne Kundschaft laufe derzeit allerdings nicht viel. In der Regel kommen die Kundinnen zur Behandlung und nehmen dann noch Produkte mit. Doch die Behandlungen sind wegen des Lockdowns gestrichen. Ihre vier Festangestellten sind daher in Kurzarbeit, die 450-Euro-Kräfte erhalten nichts.

Besonders hart trifft es die zwei Auszubildenden, bedauert Johanna Bohne. Eine 23-Jährige ist im zweiten Lehrjahr und steht kurz vor der Zwischenprüfung. In dieser müsse sie zeigen, dass sie Behandlungen in der Praxis beherrscht, an Kunden üben dürfe sie aber nicht. Eine 18-Jährige hat ihre Ausbildung erst im September 2020 begonnen. Johanna Bohne hat sie trotz der Corona-Pandemie eingestellt, weil sie es ihr zuvor bereits versprochen hatte. Zumal: "Meine beiden Mädels sind echte Glücksgriffe", lobt die staatliche anerkannte Kosmetikerin: "Sie sind sensibel, aufmerksam und sehr bemüht, doch sie können sich momentan leider nicht unter Beweis stellen." An der Berufsschule gibt es für die Auszubildenden Fernunterricht, aber "die Praxis fehlt total". "Ich habe einen Ausbildungsauftrag", ist sich Johanna Bohne ihrer Verantwortung wohl bewusst. Dieser sei aktuell sehr schwer zu erfüllen. Daher lässt sie die beiden einmal die Woche in den Salon kommen, um verschiedene Themenfelder durchzugehen: den Ablauf von Behandlungen etwa oder die Wirksamkeit von Produkten.

Johanna Bohne selbst ist fast jeden Tag in ihrem Kosmetikstudio, kümmert sich um die Kundenbestellungen, hat das neue Kassensystem eingerichtet und jede Schublade dreimal ausgeräumt, schätzt sie. Insgesamt ist sie ja nun bereits seit sechs Monaten im Lockdown: aktuell seit Anfang November sowie zwei Monate zu Beginn der Pandemie im März 2020.

Als sie den Wellnesssalon nach dem ersten Lockdown wieder öffnen durfte, "wurden wir fast überrannt", erzählt sie: "Wir hätten Tag und Nacht arbeiten können." Damals stattete sie den Maniküreplatz und den Tresen mit Plexiglasscheiben als Spuckschutz aus. Die Kosmetikerinnen arbeiten ausschließlich mit FFP2-Maske und Schutzschild. Und jede der Kabinen ist gut zu lüften, betont die Kosmetikerin. Sie bedauert, dass sie derzeit nicht mal die Behandlungen machen darf, bei denen auch die Kunden ihre Maske aufbehalten: Wimpern färben, Augenbrauen zupfen, Permanent-Make-up und Maniküre etwa.

Wir müssen lernen, mit der Pandemie zu leben.

Johanna Bohne, Kosmetikerin

Wie lange das wohl noch so geht? "Bis einer klagt und recht bekommt", antwortet Johanna Bohne, "dann kann es schnell gehen". Das habe man bei der Ausgangssperre gesehen, die das Verwaltungsgericht als nicht verhältnismäßig eingestuft hat.

Sie selbst werde wohl noch eine Weile durchhalten. Ihr Geschäft sei etabliert. In den vergangenen Jahren habe sie sich etwas für die Rente weglegen können. "Das muss man ja als Selbstständige", sagt die 54-Jährige. Von diesem Geld lebe sie jetzt. Was dann in der Rente ist, müsse sich zeigen.

Vom Staat habe sie im ersten Lockdown insgesamt 5000 Euro Soforthilfe erhalten und nun die November- und Dezemberhilfe, die 75 Prozent vom Vorjahresumsatz ausmacht. "Doch das fängt nicht auf, was ich im Minus bin", berichtet Johanna Bohne. Unabhängig von den Finanzhilfen sei ihr wichtig, "dass wir sofort wieder öffnen dürfen". Denn "wir müssen lernen, mit der Pandemie zu leben", ist sie überzeugt.

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