Immer das Messerle und Papier dabei

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Origami geht überall: Das findet Regine Wilky aus Waldstetten. Die Vorsitzende der Osteoporose-Selbsthilfegruppe überbrückt die Corona-Zeit mit kunstvollem Falten von Papier.

Mit der uralten Origami-Kunst vergisst Regine Wilky aus Waldstetten über Stunden die Zeit. Die Kontakte zu ihrer Osteoporose-Selbsthilfegruppe ruhen weitestgehend.

Waldstetten

Ob es im Haus der Wilkys in Waldstetten eine blaue Tonne gibt? Schon, aber die wird nicht sehr benötigt, lacht Regine Wilky. Jeden Schnipsel Papier verwandelt die Waldstetterin in zauberhafte Origami-Kunstwerke. Alles eigne sich dazu, meint Regine Wilky, die derzeit damit beschäftigt ist, aus den Umverpackungen von Teebeuteln kleine Kunstwerke zu schaffen. Einen genauen Zeitpunkt, wann die Begeisterung für Papier einsetzte, kann Regine Wilky nicht benennen. "Ich war schon immer Papierfan, in jeder Hinsicht".

Ihre Leidenschaft zu den schier unerschöpflichen Möglichkeiten, die Papier als Hobby- und Bastelmaterial bietet, teilt die Waldstetterin seit Jahrzehnten gerne mit anderen. Da gab es Schulprojekte zum Papierschöpfen oder zur Herstellung von Buntpapier. Bereits in den 1990er-Jahren gab Wilky die ersten "Creativ-Kurse" an der Volkshochschule – "natürlich mit dem Werkstoff Papier". Ein Besuch der Kreativ-Messe in Stuttgart weckte in Wilky die "Origami-Sucht" und die Waldstetterin begann zu falten. Zu jeder Stunde, in jeder Situation und am liebsten Sterne – "in meiner Bekanntschaft werde ich oft Sternlesfrau genannt".

Origami sei ein Hobby, wie es schöner, entspannender und preiswerter nicht sein kann. Ob Geschenkpapier, Teebeutel, Notizblöcke, Zeitungsblätter oder Schreibpapier: alles hilft Regine Wilky, die "langweilige Corona-Zeit" zu überbrücken. Origami hat die rührige Waldstetterin "bestens durch die Zeit der Kontaktvermeidung gebracht". Ein großartiges Equipment wird nicht benötigt. Kräftige Finger, Papier und ein Origami-Messer wiegen nicht viel, gefaltet werden kann überall. Eine Tüte mit Papier und dem Origami-Messerle sind die ständigen Begleiter von Regine Wilky, das Resultat der Schaffenskraft ist überall im Haus sichtbar. Sterne, auch mit Schmucksteinen verziert, Kugeln und Aufbewahrungsboxen, Umschläge, Blüten, Tiere: Wilky faltet nahezu alles aus Papier.

In meiner Bekanntschaft werde ich oft Sternlesfrau genannt.

Regine Wilky, Origami-Fan

Aufgrund ihres Gesundheitszustandes standen im vergangenen Jahr einige Arzt- und Klinikbesuche an. Wie sie sich die Wartezeit vertreibt? "Mit Sterne falten", lacht sie. Wenn die Wartezeit zu lange dauere, könne auch der Notizblock der Ärzte in Sterne verwandelt werden.

Ab März 2020 fielen Treffen mit Gleichgesinnten und Messen, auf denen Regine Wilky ihre Schätze präsentiert, weg. Noch bis Anfang Dezember arbeitete sie oft bis weit in die Nacht hinein an Präsentationsstücken für den Kunstbasar im Gmünder Prediger. Hunderte Sterne fertigte sie. Dann kam die Absage. Die speziell gefertigten Objekte einfach ins Lager zu legen, erschien Wilky zu schade. So wurden die Bewohner und das Pflegepersonal von zwei Seniorenheimen mit Taschen voller Sterne beglückt.

Trotz des leidenschaftlich betriebenen Hobbys fehlt Regine Wilky der Kontakt zur Gmünder Osteoporose-Selbsthilfegruppe, deren Vorsitzende sie ist. Die regelmäßigen Treffen wurden ausgesetzt. "Etwas, das allen fehlt", bedauert sie. Jetzt pflegt Wilky den Kontakt zu den Mitgliedern mit Corona-Briefen. An Weihnachten verschickte sie Origami-Sterne. Das schönste an Origami sei, dass dies nahezu jeder ausüben könne. Daher sei Origamifalten in der momentan schwierigen Zeit auch eine großartige Beschäftigungsmöglichkeit für Kinder, meint Regine Wilky. "Testversuche" mit den eigenen Enkeln hätten das bewiesen. Im Internet fänden sich genügend Anleitungen für einfache Arbeiten, die für Kinder geeignet seien. "Papier gibt es in jedem Haushalt" und das Hobby sei günstiger als ständig neues Spielzeug.

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