Kein Schmotziger Donnerstag ohne Schultes-Bütt

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Rathaus Waldstetten
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Michi des Zärtlichen harte Worte zu Gesellschaft, Kirche und Weltpolitik.

Waldstetten. Kein Lachabatscher-Sound, keine frechen Reden vom Wäschgölten-Biddl, keine Schunkelrunden mit dem Wißgoldinger Prinzenpaar samt Hofstaat und Stuifa-Hexa, keine Gardetänze vor dem alten Rathaus: Das ist auch 2022 der Schmotzige Donnerstag. Auf eins müssen die närrisch begeisterten Waldstetter und treuen Besucher des traditionellen Rathaussturms jedoch nicht verzichten: Schultes Michael Rembold, in dieser speziellen Jahreszeit eher Michi der Zärtliche, lässt sich seine Büttenrede nicht nehmen.    

Und wie immer ist die nicht nur eine fröhliche Tingelei durchs Dorfgeschehen, vielmehr legt Rembold den Finger in manche Wunde jenseits des Waldstetter Tellerrands. Allen voran jene, die Corona in der Gesellschaft verursacht hat. „Zwei Jahre Pandemie hat des gesellschaftliche Klima vergiftet, gedanklich werden Mauern zwischen Geimpften und Ungeimpften errichtet“. Immer wieder tauche die Schuldfrage auf, stets aus anderer Perspektive. Es fehle an gegenseitigem Verständnis und  „Brückenbauer sind heute gefragt wie nie“. Ein friedvolles, respektvolles Zusammenleben „muss unser Maßstab sein“. Dialog, Verständnis, Vertrauen und Zuhören brauche es dafür. Doch auch dies  ist für Rembold klar: „Rechtsextreme Spalter, Hetzer und Coronaleugner in geschlossenen Gruppen sind zu belangen, das können anständige Bürger von einem Rechtsstaat verlangen.“

Das Leid lässt sich nicht mindern

Auch auf den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche richtet Rembold sein Augenmerk. „Missbrauch von Geistlichen ist in aller Munde, hässliche Übergriffe auf Schutzbefohlene machen die Runde.“ Viele Kinderseelen seien „zutiefst verletzt“ worden, es sei „nicht zu fassen, dass Bischöfe und Kardinäle tatsächlich wegschauten und damit schutzlosen Kindern ihren Lebensweg verbauten“. Spürbare Strafen für die Täter und Vorgesetzte, die wegschauten, müsse es nun geben. Auch wenn dies das Leid der Betroffenen in keinster Weise wiedergutmache: „Die Gläubigen spüren, da wird ein wichtiger Schritt in die Zukunft gemacht.“ Es gehöre jedoch fairerweise dazugesagt, dass viele Pfarrer und kirchliche Mitarbeiter einen beispielgebenden Dienst verrichten. So wie in Waldstetten und Wißgoldingen, wo „wunderbare Priester“ durch „einfühlsame Seelsorge zu einem wertschätzenden Miteinander beitragen“. Auch den kirchlichen Betrieb von Schulen, Kindergärten, Büchereien und Sozialstationen lobt er in diesem Zusammenhang - und wendet den Blick nach vorn: „Die Gemeinden brauchen starke Kirchen, dies ist kein Quark, denn nur gemeinsam sind wir alle stark.“

Putin und seine Getreuen

Kein gutes Haar lässt Rembold am russischen Präsidenten:  „Putin und seine Getreuen säen ganz viel Hass.“ Er prangert diese Demonstration von Macht an, während  das gemeine Volk hungern und parieren müsse. „Manche Staaten scheinen aus unsäglichen Kriegen nichts gelernt zu haben, dies ist das schmutzige Signal aus Rußland in diesen aufgeheizten Tagen.“ Dafür, dass der Staat seinen Kriegshaushalt aus Öl und Gas finanziere, gebe es nur eine Lehre für den Westen: „Weg vom russischen Gas und raus aus der explodierenden Energiepreisschere.“ Dass auch noch Altkanzler Gerhard Schröder beim russischen Konzern Gazprom Trittbrett fahre, „finde ich wirklich peinlich und gar nicht schick“. 

Dennoch findet der närrische Schultes ein versöhnliches Ende, grüßt seine Waldstetter aus dem Interimsrathaus - „i vermiss eich älle so schmerzlich“ - wie es sich für diesen Tag gehört, mit „drei donnernde Wäschgölt Ahoi!“. Anja Müller

Die Original-Bütt gibt's auf

https://youtu.be/HFwKf8JtAZw

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