Lebenshilfe legt Neubau auf Eis

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Große Projekte im Waldstetter Ortskern wollen koordiniert sein: Abriss und Neubau des Rathauses sowie zwei Neubauten anstelle des Kreissparkassengebäudes; das Vorhaben der Lebenshilfe ist gerade in der Schwebe.
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Unwägbarkeiten stoppen vorerst das Bauvorhaben an der „Alten Post“ in Waldstetten. Der Kreissparkassen-Abriss verzögert sich und fürs neue Rathausareal gibt's viel zu koordinieren.

Waldstetten

Drei große Baustellen sollten den Waldstetter Ortskern in den kommenden Jahren markant verändern, eine ist nun erstmal raus: Der Lebenshilfe-Neubau auf dem „Alte-Post“-Gelände am Kreisel Gmünder Straße/Wolfsgasse liegt derzeit auf Eis. Die immens gestiegenen Kosten und die erschwerte Planbarkeit von Bauvorhaben angesichts von Materialengpässen nennt Lebenshilfe-Geschäftsführer Philipp Goroll als Gründe. Auf der Brache im Ortskern möchte die Lebenshilfe ein Wohnhaus für Menschen mit Handicap erstellen und ging dafür ursprünglich von 3,8 Millionen Euro Baukosten aus.

Eine kleine Verschiebung gibt es beim Projekt der Essinger Wohnbau-Gesellschaft. Der Abriss des Kreissparkassengebäudes, für Mai geplant, soll nun im Juni oder Juli starten, sagt Horst Enßlin, Geschäftsführer der Essinger Wohnbau. Auch hierfür ist die Lage auf dem Bausektor der Auslöser. Preisschwankungen sowie Liefer- und Kapazitätsengpässe erhöhen die Kalkulationsrisiken, „deshalb sind die einzelnen Schritte und Vergabegespräche derzeit noch präziser durchzuführen und auszuwerten als ohnehin in unserer Branche üblich“, sagt Enßlin.

Die neue Ortsmitte muss aus einem Guss sein. 

Ortsbaumeisterin

Auch die Waldstetter Verwaltung betont beim vorgesehenen Baustart - Herbst 2023 - fürs neue Waldstetter Rathaus stets, dass sie „auf Sicht“ fahren will. Die Vorbereitungen beschäftigen Ortsbaumeisterin Maren Zengerle allerdings bereits jetzt, schließlich geht es nicht nur um das Gebäude, sondern um die Umgestaltung des ganzen Rathausareals. „Die neue Ortsmitte muss aus einem Guss sein“, sagt Zengerle. Und dafür bedarf es einer Menge Koordination.

„Wir werden mehrere Baustellen gleichzeitig haben“, sagt die Ortsbaumeisterin. So soll im September das alte Rathaus abgebrochen werden und die Essinger Wohnbau will die Vergabe der Rohbauarbeiten für ihre zwei Neubauten auf der gegenüberliegenden Straßenseite für Oktober oder November vorbereiten, wie Enßlin sagt. Zwischen Verwaltung und Wohnbaugesellschaft gebe es viele Gespräche, erklärt Zengerle. Etwa, weil der Fußweg vom Malzéviller Platz zur Bäckerei an der Gmünder Straße neu geplant werden muss. Oder weil im Fall eines diese Baustelle betreffenden Hochwassers das Wasser wieder in den Bach fließen muss, dabei sei auch das Landratsamt einbezogen. Auch vergleichsweise kleine Baustellen können sehr komplex sein, sagt Zengerle als eine ehemalige Bauleiterin am Gmünder B-29-Tunnel. Dazu gehört in Waldstetten: Bevor die Ortsmitte oben verkehrsberuhigt und erlebbar wird, etwa, indem der verdolte Stoffelbach als Wasserlauf und Kaskade nach oben geholt wird, wofür wiederum ein Platz für eine Pumpe gebraucht wird, muss auch das Untendrunter passen.

Mehrere Wochen Vollsperrung

Um die Baustelle zu entzerren, sollen die ins Alter gekommenen Kanäle und Wasserleitungen in der Gmünder Straße bereits nächstes Jahr ausgetauscht werden, sagt Zengerle. Der aktuelle Kanal mit 1,6 Metern Durchmesser soll durch einen mit zwei Metern Durchmesser ersetzt werden - auch zugunsten des Hochwasserschutzes. In den „einigen Wochen“ der Kanalauswechslung wird in dem Bereich, außer für Anlieger, „gar nichts“ gehen. Als Umleitung für den Durchgangsverkehr könnte die während der Hauptstraßensanierung praktizierte Einbahnregelung über den Weg zwischen Freibad und Almenweg sowie über die Breitestraße in der anderen Richtung eine Möglichkeit sein. Und weil die Baustelle in einer Kreisstraße liegt, muss all dies mit dem Landratsamt abgestimmt werden. Mitdenken muss Zengerle für diese Bauphase auch noch den Breitbandausbau.

2023 bekommt der Abschnitt lediglich einen provisorischen Belag, denn 2024 wird dort alles anders. Dann wird die Gmünder Straße im Bereich des Rathauses verbreitert und die Bushaltestelle am Rathaus sowie der Busausstieg gegenüber werden barrierefrei umgebaut. Gehwege, Strom- und Telefonleitungen sowie die geplante Nahwärmeversorgung müssen dann ebenfalls bedacht werden. Vorzugsweise solle dieser Bauabschnitt mit einer Einbahnregelung und möglichst wenig Vollsperrungen ablaufen. Auf der Agenda steht 2024 auch noch die neue Polizeistation im Jugendhaus, das komplett entkernt werden muss.

Alles in allem, sagt Zengerle zum Anstehenden: „eine sehr schöne Herausforderung aber auch eine große“.

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