Meinungsvielfalt statt Einheitsbrei

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Niclas Spieß ist Vorsitzender des Waldstetter Jugendbeirats, im kommenden Jahr übergibt er sein Amt an Jüngere.
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Was Niclas Spieß an seinem Job als Vorsitzender des Waldstetter Jugendbeirats schätzt und was er vor seinem Abschied aus dem Amt noch hinbekommen will.

Waldstetten

Die Verwirklichung der Grillstelle im Bronnforst war ein zäher Brocken für den Waldstetter Jugendbeirat, die Abrissparty im Rathaus auf die Beine zu stellen, wird dagegen unkompliziert. Sagt Niclas Spieß, der beide Projekte noch in seiner Amtszeit als Vorsitzender des Jugendbeirats vollenden möchte. Seit November 2018 gehört er zum Gremium, seit Juni 2019 ist er dessen Vorsitzender. Im Gespräch mit GT-Redakteurin Anja Müller erzählt er vom unbeschreiblich guten Gefühl, der Kopf des ganzen zu sein.

Herr Spieß, was gibt Ihnen die Arbeit im Jugendbeirat?

Mir macht das extrem viel Spaß und es tut mir gut, weil ich weiß, ich tue was für meinen Ort und für die jüngere Generation. Ich bin froh, dass ich etwas getan habe und nicht nur daheim rumgesessen bin.

Was macht im Gremium besonders Spaß?

Die Diskussionen. Wenn jeder seine eigene Meinung hat, gibt mir das viel mehr, als wenn es nur eine einzige gibt. Das ist sonst ein Einheitsbrei und man muss sich dann über keine Alternativen Gedanken machen. Dann wird‘s auf Dauer langweilig.

Als Vorsitzender muss man dann die verschiedenen Meinungen unter einen Hut bringen.

Manchmal ist es nicht ganz einfach, eine für jeden tragbare Lösung zu finden. Aber wir einigen uns im Jugendbeirat immer sehr schnell.

Was lief denn besonders zäh?

Die Grillstelle. Die diskutieren wir seit 2017 und sie steht immer noch nicht. Die würde ich schon gerne fertigbekommen.

Dass es die geben soll, war ja schnell klar.

Zunächst war die Suche nach einem geeigneten Platz extrem schwer. Ich bin Bürgermeister Rembold sehr dankbar, dass er uns den im Bronnforst zur Verfügung stellt. Sonst hätten wir alt ausgesehen.

Ist man in so einem Fall dankbar, wenn die Alten mitmischen?

Durchaus, wenn man Ansprechpartner hat, die sich auskennen oder sogar gleich einen Lösungsansatz haben.

Ist es manchmal lästig, um die Hilfe der Erwachsenen zu bitten?

Lästig ist das überhaupt nicht. Das zeigt ja nur, dass wir was erreichen wollen. Wenn wir Hilfe brauchen, dann bekommen wir die sehr schnell. Und jeder möchte uns helfen.

Gab’s auch mal ein „Geht gar nicht“?

Die Busverbindung von Wißgoldingen nach Waldstetten. Der Diskussionspunkt war ewig auf der Tagesordnung. Aber das Nein kam nicht von der Gemeinde, sondern vom Landratsamt.

Und wie hält man die jungen Leute bei der Stange?

Ich habe das Glück, in meinem Gremium sehr viele hochmotivierte Leute zu haben. Man merkt einfach: Die haben Bock drauf. Was bis vor der Corona-Pandemie auch ein bisschen dazu beigetragen hat: die kostenlose Freibad-Dauerkarte.

Als Vorsitzender sind Sie dauermotiviert?

Eigentlich ja. Natürlich gibt‘s bei mir auch mal Tage, an denen ich keine Lust habe, aber das hat dann nichts mit dem Jugendbeirat zu tun.

Wo entstehen gute Ideen für junge Leute?

Mal so, mal so. Natürlich bringe ich meine Ideen ein. Aber im Gremium sind viele jünger als ich und haben einen anderen Blick auf die Dinge. Da lasse ich mich gern belehren. In 14-, 15-Jährige kann ich mich nicht mehr reinversetzen mit meinen 20.

Das klingt ja schrecklich alt. Weil Sie das Amt an jemanden Jüngeren abgeben wollen, hören Sie kommendes Jahr auch auf.

Ich habe das zwei Jahre gemacht, und damit ein Jahr länger als meine beiden Vorgänger. Und ich höre öfters, dass ich definitiv nicht fehl am Platz bin. Aber ich würde einfach gern frischen Wind reinbringen. Der Jugendbeirat wird mir weiter am Herzen liegen, wenn‘s Fragen gibt, bin ich jederzeit da.

Was machen Sie denn mit der vielen neu gewonnenen Freizeit?

Die werde ich in meinen Job investieren.

Sie machen eine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Sparkasse.

Ich habe jetzt meine Abschlussprüfung geschrieben, im Januar kommt das Mündliche. Und dann habe ich einen Fulltime-Job.

Würden Sie Werbung machen für den Job des Jugendbeiratsvorsitzenden. . .

. . . dann ist das Tolle daran, den Überblick zu haben. Ich stehe außerdem in engem Austausch mit der Gemeindeverwaltung, das macht mir viel Spaß. Auch, dass man ab und zu auf der Straße zu bestimmten Themen angesprochen wird, finde ich ganz cool. Und es ist einfach super, wenn man sieht, wie viele Jugendliche sich für den eigenen Ort engagieren. Der Kopf des Ganzen zu sein, ist ein unbeschreiblich gutes Gefühl.

In diesem Amt muss man einstehen für Dinge.

Das war definitiv schon immer mein Ding. Seit der siebten Klasse war ich Klassensprecher, dann Schülersprecher. Da musste ich vor dem Rektor begründen, wieso ich Dinge auf eine bestimmte Art gemacht habe.

Sie sind ausgestattet mit einer guten Portion Überblick und Selbstbewusstsein. Braucht‘s das?

Man kann da definitiv reinwachsen. Viele Gremiumsmitglieder begleite ich seit ihrem Beitritt und sehe die Entwicklung.

Machen Sie keine Fehler?

Natürlich, das ist ganz menschlich. Das Gremium verzeiht die durchaus, sonst könnte das nicht so gut funktionieren. Wir sind ein gut eingespieltes Team mit einem Riesen-Zusammenhalt.

Dann wird es nach ihrem Ausstieg nahtlos so weitergehen?

Ich gehe von nichts anderem aus, die Leute ändern sich ja nicht.

Und wenn sich Jugendliche einbringen wollen, die nicht im Beirat sind?

Jeder ist willkommen zu unseren Sitzungen. Bei uns ist man nie nur Gast, sondern darf sich immer einbringen. Wenn ein Jugendlicher schon kommt und möchte mitsprechen, dann darf er das.

Niclas Spieß ist Vorsitzender des Waldstetter Jugendbeirats, im kommenden Jahr übergibt er sein Amt an Jüngere.

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