Mosten – ein schwäbisches Kulturgut

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Michael Rembold, Martin Mager und Rainer Barth (von links) packen beim Mosten wie in alten Zeiten kräftig mit an. Am Samstag drehte sich beim Heimatmuseum in Waldstetten alles ums Kulturgut Apfel.

Der "süßen" Auftaktaktveranstaltung zur Reihe "Selber mosten wie früher" folgen in Waldstetten drei Mosttermine, bei denen die Bürger ihr eigenes Obst selbst zu Saft pressen können.

Waldstetten

Immer wenn er seine Schürze anzieht, geht es los, scherzt der Vorsitzende des Heimatvereins Waldstetten/ Wißgoldingen. Der Waldstetter Obst- und Gartenbauverein (OGV) und der Heimatverein organisierten auf dem Museumshof des Heimatmuseums die Auftaktveranstaltung "Selber mosten wie früher". Ein blitzblank polierter und liebevoll restaurierter Ford, Baujahr 1926, stand als Apfel-Lieferwagen bereit, auf seiner Ladepritsche ein hölzernes Mostfass. Max Burkhardt überließ dem Heimatverein eine historische Mostpresse und eine Obstmühle.

Rainer Barth erinnert sich an seine Kindheit, als das Mosten einer der jährlichen Höhepunkte war. Sein besonderer Dank gilt Bernhard Waibel, der "wochenlang mit seinem Team auf diesen Tag hingearbeitet hat". Martin Mager (OGV) erinnert an die bereits vor mehreren Jahren gepflanzten 60 Obstbäume, die den Kindergärten zur Verfügung gestellt wurden, um bereits den Kleinsten den verantwortungsvollen Umgang mit der Natur nahezubringen. Zur Mostaktion hätten sich in Waldstetten zwei Vereine zusammengetan, die "etwas Tolles auf die Beine gestellt haben", lobt Bürgermeister Michael Rembold. "Die Streuobstbestände zeichnen unsere schöne Landschaft aus", merkt der Bürgermeister an. Blühende Apfelbaumwiesen seien "das Kulturgut" der Schwaben.

Wiegen, waschen, entsaften

Diesem Kulturgut ging es am Samstag ans Kerngehäuse. Die reifen Früchte wurden gewogen, ehe sie in einem Zinkzuber gewaschen wurden. Danach wanderten sie in die Obstmühle. Die kleingehäckselten Obststücke wurden danach in der Mostpresse von Hand entsaftet. Durch das feine Presstuch sickerte die süße Flüssigkeit in einen Eimer. Rund 20 Liter konnten so aus einem Zentner Obst gewonnen werden. Die Farbe und der Geschmack des Saftes könne durch Zugabe anderer Früchte verändert oder veredelt werden, erklärt Fachmann Alexander Seiz von der gleichnamigen Mosterei. Der "Trester", das Abfallprodukt nach dem Pressen, wird dem örtlichen Jäger als Wildtierfutter zur Verfügung gestellt. "Damit schließt sich der natürliche Kreislauf", meint Rainer Barth.

Das Mosten war früher ein jährlicher Höhepunkt.

Rainer Barth, Heimatverein

Der zweieinhalbjährigen Marlene zumindest schmeckte der Apfel-Quittensaft besonders gut. Ihre Oma, Rita Mager, erinnert sich ans frühere Mosten. Nachdem in den Häusern nicht mehr selbst gemostet wurde, machten sich die Einwohner morgens auf den Weg zur Mosterei. Bis zu einem Kilometer hätte die Menschenschlange lang sein können, schmunzelt Rita Mager. Die Wartezeit, bis man sein Obst abliefern konnte, sei gern durch einen "Brägel" – ein Schwätzchen – verkürzt worden.

Selbst pressen: Am 19. und 26. September sowie am 10. Oktober, jeweils ab 10 Uhr, können Interessierte ihr Obst beim Heimatmuseum pressen. Es dürfen nur Mengen bis zu einem Zentner angeliefert werden. Eine Voranmeldung unter Tel. (07171) 40755 ist erforderlich.

Bevor es den Äpfeln an den Kragen geht, werden sie gewogen und gewaschen.
Von Hand entsaften die fleißigen Helfer die Äpfel. In den Eimer fließt der frische Apfelsaft.

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