Mühsamer Weg zum schnellen Internet

+
Die bürokratischen Hürden bei der Beseitigung der Weißen Flecken im Gemeindegebiet beschäftigten den Waldstetter Gemeinderat.
  • schließen

Die Waldstetter Verwaltung kämpft bei der Beseitigung der Weißen Flecken mit viel Bürokratie. Arbeiten für Kindergarten komplett vergeben.

Waldstetten. "Alle Ausschreibungen sind raus", sagte Architekt Martin Oettle vom Büro Klaiber und Oettle, als es im Waldsteter Gemeinderat  am Donnerstagabend um eine lange Liste zu vergebender Gewerke für den Kindergartenneubau der Gemeinde an der Rosensteinstraße ging. Entsprechend hoch war der Betrag, der am Ende für unter anderem Trockenbau, Innenputz, Estrich-, Fliesenleger-, Bodenbelags- und Schreinerarbeiten sowie Elektro-, Heizungs- und Sanitärinstallationen zusammenkam: eine gute Million Euro."Deutlich" über den zunächst veranschlagten Kosten von 127 000 Euro, die  dann auf 174 000 Euro korrigiert worden seien, lägen die Außenanlagen mit nun tatsächlich rund 228180 Euro, sagte Oettle. Es sei "manches dazugekommen" und "manches von uns nicht richtig berechnet" gewesen. Einsparpotenzial gebe es bei der Rigole. Würde man diesen Regenwasserspeicher etwas kleiner bauen, ließen sich 30000 Euro sparen. Die Gesamtkosten für den Kindergartenneubau seien von veranschlagten 1,906  auf 1,99 Millionen Euro gestiegen, sagte Oettle. Dass dies angesichts der allgemeinen Preissteigerungen in der Baubranche als gut zu bewerten sei, darin waren sich Gemeinderäte und Verwaltung einig. Nicht ganz so einverstanden waren dagegen einige Räte  mit Oettles Einschätzung, es gebe keine Bedenken wegen der Firmen, an die die Gewerke vergeben wurden. So erfolgte die Vergabe der Arbeiten zwar großteils einstimmig, doch gab es drei Gegenstimmen bei der Vergabe der Innenputzarbeiten. Bei einigen Handwerkern müsse er "durchschnaufen", meinte Christian Bundschuh (FWV), und führte den Putz im neuen Interimsrathaus an, der nach nur einem Jahr "schon wieder wegfällt". 

Völlige Einigkeit herrschte dagegen, als es um den Abriss des alten Rathauses ging. Der sei ebenso unumstritten wie "das gemeinsame Ziel", den Rathausneubau ab Herbst 2023 zu verwirklichen, sagte Bürgermeister Michael Rembold. Bis zum Abriss diesen September oder Oktober wolle die Verwaltung vertieft in die weitere Planung einsteigen, um im Herbst konkretere Zahlen liefern zu können. Auf dieser Grundlage soll der Gemeinderat dann den Grundsatzbeschluss zum Rathausneubau fassen, erklärte er das weitere Vorgehen. Der Gemeinderat stimmte einstimmig zu, dass die planenden Architekten und Ingenieure vom jetzt stehenden Planentwurf in die Phase der Ausführungs- und Werksplanung übergehen können - auch wenn dies nicht auf der Tagesordnung vorgesehen war.

Kein Kenner der Topografie?

Weniger geschmeidig, dafür offenbar umso nervenaufreibender gestaltet sich der bürokratische Aufwand zur flächendeckenden Versorgung des Gemeindegebiets mit schnellem Internet. Die Gespräche mit den Fördermittelgebern und Planern seien "sehr zeitintensiv", drückte Ortsbaumeisterin Maren Zengerle es zurückhaltend aus. Bürgermeister Michael Rembold sprach von "einem Stein nach dem anderen", der der Gemeinde bei der Beseitigung der Weißen Flecken - Orte mit Internetgeschwindigkeiten unter 30 MBit/s - in den Weg gelegt werde, und einem komplexen Ausschreibungsverfahren. Von sechs Firmen, die ein Angebot für Tiefbauarbeiten und Kabelmontage  abgegeben haben, seien angesichts fehlender Unterlagen nur zwei übriggeblieben. Eine Firma aus Meppen ist der günstigste Anbieter, will für rund 2,64 Millionen Euro die Arbeiten erledigen. Allerdings, schränkte Zengerle ein, liege "ein Mengenfehler" vor, "es wird zu Mehrkosten kommen".   Franz Herkommer (CDU) fragte sich angesichts des günstigen Preises, ob es die Firma in einem halben Jahr noch gebe. Zengerle konnte in dieser Hinsicht beruhigen, fragte sich dagegen eher, ob das Unternehmen die nicht ganz einfache hiesige Topografie kennt, "aber das ist nicht unser Problem". Die Verwaltung will nun zuerst auf die Bewilligung eines Förderantrags warten, um Gebäude auf Grauen Flecken - mit einer Internetleistung zwischen 30 und 100 Mbit/s - entlang der Ausbaustrecke ebenfalls anbinden zu können. Darum bevollmächtigte der Gemeinderat die Verwaltung, den 2,64-Millionen-Auftrag zu erteilen, wenn dies soweit ist. Anja Müller

 

Zurück zur Übersicht: Waldstetten

Mehr zum Thema

Kommentare